Samstag, den 1. Juni 2002:
21. Prof.W.
Lindemann, Tuebingen: Mikromorphologie der Staeube bei der Bearbeitung
dentaler Werkstoffe und deren GefÀhrdungspotential
Bei der Grob- und Feinbearbeitung dentaler Werkstoffe mit Fraesen,
Diamantschleifern und Schmirgelpapier entstehen feine und feinste Staeube,
denen der Zahnarzt und Zahntechniker oft ueber laengere Zeit ausgesetzt sind.
Trotz effektiver Absauganlagen koennen diese ueber die Atemwege in die Lunge
gelangenund dort das Krankheitsbild einer Pneukoniose hervorrufen.
Als erschreckendes Ergebnis einer Arbeitsplatzbesichtigung von 30
Zahntechnikern konnte Kronenberger et al. (1982) zeigen, dass nur 57 % der
Zahntechniker Massnahmen ergriffen, um sich vor inhalativen Staeuben zu
schuetzen.
Da nach dem Uebereinkommen von Johannesburg Staubpartikel von
weniger als 5mm Durchmesser
als atembar definiert werden und aus aerztlicher Sicht ein potentielles
Gesundheitsrisiko darstellen, wurden in dieser Untersuchung Staeube, die bei
der Bearbeitung dentaler Werkstoffe anfallen, auf ihre Morphologie und
Partikelgroesse untersucht. Ziel der Untersuchung war, deutlich vor Augen zu
fuehren, wie gefaehrlich aus arbeitsmedizinischer Sicht derartige Staeube sein
koennen.
In die Untersuchung einbezogen wurden 6 konventionelle
Legierungen (Cerapall 4 CF, Pontor LFC,
Biosilf, RemaniumCD, Remanium GM800 und
Remanium CS) sowie Reintitan neben 7 Dentalkeramiken
(Vitadura
Omega 900, Vita Titankeramik, IPS
Empress1 und 2, Celay Alumina Blanks und 6 Kunststoffe
(Artglass, Dentacolor, PalatrayXL,
Futura Jet und Pala X Press). Die Legierungs-Staeube
wurden beim Bearbeiten mit einer Hartmetallfraese, die Keramikstaeube
mit einem Diamantschleifer und die Kunststoff-Staeube mit einer
Hartmetallfraese sowie mit Schmirgelpapier gewonnen.
Die Partikelgroessenbestimmung erfolgte lichtmikroskopisch mit
einem Schraubenmikrometerokular im Streukoernerpraeparat sowie
rasterelektronenmikroskopisch. Bei der lichtoptischen
Partikelgroessenbestimmung wurden lediglich Staubpartikelgroessen
<5mm registriert.
Die anfallenden Staeube der 30 Dentalwerkstoffe wurden saemtlich
elektronenmikroskopisch dargestellt, um deren Mikromorphologie (Gestalt)
beurteilen zu koennen. Bei den Legierungsstaeuben besonders
hervorzuheben sind scharfkantige, saegezahnfoermige und spiessartige Spaene,
die zwar aufgrund ihrer Groesse nicht atembar sind, aber hinsichtlich
ihrer gezackten Morphologie eine Gesundheitsgefahr fuer Auge und Hand
darstellen.
Abb.1: Metallspan von Remanium
GM 800"
 Abb. 2: Metallspan von
PontorLFC"
Es kann gezeigt werden, dass beim Ausarbeiten von Dentalguessen
das Tragen einer Schutzbrille oder Gesichtsschild unabdingbare Voraussetzung
ist. Treffen durch die Rotation des Werkzeuges hochbeschleunigte Metallspaene
auf den ungeschuetzten Handruecken, dann kann es zu mechanischen Irritationen
der Haut kommen, wie sie immer wieder bei Zahntechnikern, die viel
auszuarbeiten haben, beobachtet werden koennen. In der Scharfkantigkeit der
untersuchten Legierungs-Staeube ist sicherlich ein gesundheitsgefaehrdendes
Potential zu sehen.
Voellig anders geartet sind die Geometrien der
Keramik-Staeube. Hier fallen bei der Ausarbeitung mit Diamantschleifern
atembare Keramik-Partikel bei allen untersuchten keramischen Werkstoffen
an (Abb. 3 und 4).
 Abb. 3: Keramikpartikel von
Celay Inceram"
 Abb.4: Keramikpartikel von IPS
Empress 1"
Aus diesem Grunde sollte in jedem Fall nur bei Benutzung einer
effektiven Absauganlage Dentalkeramiken ausgearbeitet werden. Das gleiche gilt
fuer das Bearbeiten von Kunststoffen, da bei diesen mit geringer
Ausnahme ebenfalls atembare Staeube entstehen und zwar sowohl bei der
Ausarbeitung mit einer Hartmetallfraese als auch mit Schmirgelpapier (Abb. 5
und 6).
 Abb. 5: Kunststoffpartikel von "Palatray XL"
 Abb. 6: Kunststoffpartikel von
Dentalon Plus
Unsere Untersuchungen verdeutlichen den dringenden
Aufklaerungsbedarf auf dem Gebiet der dentalen Arbeitssicherheit, da bei der
Bearbeitung mit rotierenden Instrumenten alveolargaengige Staubpartikel
entstehen. Dabei handelt es sich um Keramik- und mit geringer Ausnahme um
atembare Kunststoffstaeube. Wohingegen die untersuchten Metallstaubpartikel zu
gross sind, um in die Lungenalveolen vordringen zu koennen.
Resuemee: Beim Ausarbeiten von Zahnersatz aus einer
Legierung, Keramik oder Kunststoff ist es unerlaesslich, dass bei dieser
Taetigkeit eine Schutzbrille, moeglichst auch eine Atemmaske
getragen wird. Auf eine effektive Absaugung ist zu achten
(routinemaessiger Filterwechsel!). Eine Alternative gibt es nicht!
22. A. Hoffmann,
ZTM, Gieboldehausen: Der Einsatz von lichthärtenden
Modellierwerkstoffen für Modellguss, Kronen und für die
Schienentechnik
Das 1. Dentale Service Zentrum ist ein Dienstleistungsunternehmen
fuer Dentallabore. Unter dem Aspekt, dass sich neue Technologien am Anfang
einer Schaffensperiode nicht wirtschaftlich darstellen, hilft das 1. Dentale
Service Zentrum, aus diesem Grund ist es gegruendet worden. Das Spekturm der
Dienstleistung umfasst den Vollkeramikbereich, den CNC-gefraesten Bereich,
sowie Gusstechniken und Fraestechniken, die im Monometallbereich und Keramiken
angesiedelt sind. So ist auch die Verarbeitung von Titan und auch die
Herstellung galvanischer Produkte obligatorisch im 1. Dentalen Service Zentrum
zu finden.
Forschung und Entwicklung
Durch die Aufgabenstellung des 1. DSZ sind schwerpunktmaessig die
in dem Zahntechnikerhandwerk neuesten Technologien vertreten. In diesen
Fertigungstechniken sind die industriellen Entwicklungen und die medizinischen
Grundlagen geschaffen worden. Jedoch sind noch vom Handling und in den
Arbeitsablaeufen der handwerklichen Verarbeitung oft Luecken. Oft sind keine
zufriedenstellenden Arbeitsablaeufe gefunden worden. Dieser Umstand fuehrt zu
grossen Problemen, da die Fertigungszahlen in der Regel fuer einen Betrieb sehr
klein sind und die Produktion oft zeitlich weit auseinander liegt. Gerade fuer
die praktische ergonomische Entwicklung solcher handwerklicher Arbeitsablaeufe
sind grosse Stueckzahlen notwendig.
Nur mit schneller und gezielter Ausbildung von Fachkraeften, die
sich mit einer solchen Technik permanent beschaeftigen, koennen schnell
Verfahrenstechniken geprueft, veraendert, entwickelt und rationalisiert werden.
Die Zusammenarbeit mit Universitaeten und der Industrie bietet
grosse Vorteile in der Findung neuer Verfahrenstechniken, da das bislang
fehlende Bindeglied der Handwerkliche Betrieb fehlte. Die gezielte
Forschung und Entwicklung, Pruefung von Verfahrenstechniken ist ein fester
Bereich des Unternehmens.
Schulung von Zahntechnikern
Weiterfuehrende Arbeitsablaeufe, die ueber die Dienstleistungen
des 1. DSZ hinausgehen und die, die Produktionsbereiche des Dentallabors
treffen, werden als Ausbildungs- und Schulungsmassnahmen angeboten. Die direkte
Einarbeitung in eine neue Technologie, die den Kenntnisstand des Zahntechnikers
mit der Zentralanfertigung und seiner weiterfuehrenden Arbeit zu einem
Gesamtergebnis werden lassen, sind als Teamleistung unverzichtbar. Durch diese
Schulungsangebote koennen sich die Dentallabore, in die fuer sie interessanten
Technologien einarbeiten und muessen nicht am Anfang einer neuen
Produktionstechnik hohe Investitionen taetigen.
Erst die Kombination von Ausbildung der Betriebe, Zahnaerzte und
die Schaffung der Fertigungsmoeglichkeit koennen diesen Markt gewinnbringend
fuer alle Partein gestalten.
Mit der ersten offiziellen Vorstellung von lichthaertendem Wachs
anlaesslich der Dentalen Technologie im Jahre 2000 sowie der Vorstellung von
lichthaertendem Prothesenbasismaterial im Jahre 2001, haben diese innovativen
Modellierwerkstoffe endgueltig Einzug in die Zahntechnik gefunden.
Natuerlich hat sich gerade im Bereich des lichthaertenden Wachses
in den zwei Jahren seit der Erstvorstellung viel getan. Es wurde weiter
entwickelt, neue sinnvolle Indikationen ueber den klassischen Modellguss
hinaus, wurden integriert. Dazu zaehlen die Implantat Infra- und
Suprastrukturen genauso wie Galvano Tertiaerstrukturen und ganz klar die
Kronen-, Bruecken-, Geschiebe- und Riegeltechnik.
Die neueste Entwicklung von primotec und dem 1. DSZ ist die
konsequente Fortfuehrung dieser Ausrichtung auf lichthaertende Materialien. Es
handelt sich hierbei um ein lichthaertendes Aufbissschienen-Material. Dieses
Material, nennen wir es vorlaeufig Metasplint kann die Praezision
der Aufbissschiene wesentlich erhoehen bei gleichzeitiger Verringerung des
Herstellungsaufwandes.
So wird das Material, das in Strangform angeliefert wird und eine
knetaehnliche Konsistenz hat, direkt auf das OK oder UK Modell im Artikulator,
der vorher entsprechend gesperrt wurde, aufgeknetet. Ist das Material in
Position, wird der Artikulator langsam geschlossen, bis die Zentrik Endposition
erreicht ist. Nun besteht die Moeglichkeit, entsprechende Lateralbewegungen
auszufuehren und die Schienenform manuell zu modellieren. Das formgebende
Modellieren mit Gummi-Modellierinstrumenten oder metallischen
Modellierinstrumenten sowie mit Pinseln, die ein Hin- und Herschieben des
Materials bewirken, laesst endgueltige Form der Schiene schon im Rohzustand
perfekt erscheinen. Ist das gewuenschte Ergebnis erreicht, wird die Schiene in
situ im Artikulatorim Metalight QX1 Lichthaertegeraet polymerisiert.
Eine Polymerisation in anderen Lichthaertegeraeten ist moeglich,
da aber in der Regel aus Platzgruenden nicht im Artikulator in situ
ausgehaertet werden kann, wird die moegliche Praezision nur zum Teil erreicht.
Ist der Polymerisationsvorgang abgeschlossen, wird der Artikulator geoeffnet
und die Schiene vom Modell abgehoben, kurz ausgearbeitet, Zentrik und
Disklusion ueberprueft (aufwendiges Einschleifen ist bei dieser Technik
nichtmehr notwendig) und poliert. Das Resultat ist eine hoch passgenaue
Aufbissschiene, die in der Regelohne Chairside Korrekturen eingesetzt werden
kann.
Besonders noch einige qualitative Vorteile des Schienenmaterials
moechte ich herausheben. Sie sind in der EN ISO 1567 klar definiert. In
Anlehnung an die EN ISO 1567 stuft sich dieser Werkstoff alseinen
lichthaertenden Werkstoff des Typ 4 ein. Die Anforderungen an diesen Werkstoff
sind eine entsprechende Biegefestigkeit und ein daraus resultierendes
Elastizitaetsmodul. Die Menge an Restmonomergehalt, die Wasseraufnahme, die
Wasserloeslichkeit sind Forderungen, die alle diese Werkstoffe einhalten
muessen. Die geforderten Anwendungseigenschaften und die
Verarbeitungsfaehigkeit, die Homogenitaet nach der Polymerisation und auch die
Polierbarkeit koennen als gut bezeichnet werden. Dieses neue Schienenmaterial
ist frei von Methylmethacrylat, frei von Peroxiden, lichthaertend, vorgemischt
in Strangform, um direkt auf den Zaehnen appliziert zu werden und bis zu 50 %
schneller als die herkoemmliche Herstellung mit anderen Kaltpolymerisaten.
Gerade der Einsatz von PMMA-Werkstoffen ist in der Zahntechnik
umstritten und zeigt immer staerkere Reaktionen bei Mitarbeitern, die permanent
mit diesen Materialien umgehen muessen. Nicht nur der hohe Gehalt an
Restmonomer, sondern auch die durch die Polymerisation entstehenden Daempfe
sind fuer die verarbeitenden Mitarbeiter gesundheitsgefaehrdend. Aufwendige
Absauganlagen, welche installiert werden muessten zur Verhinderung von
gesundheitlichen Schaeden bei der Verarbeitung von PMMA-Kunststoffen, koennen
bei den lichthaertenden Kunststoffen entfallen. Gerade hierbei zeichnen sich
diese lichthaertenden Werkstoffe auch im Einsatz fuer den Patienten aus, frei
von Methylmethacrylaten bedeutet: Restmonomere bestehen nicht aus physiologisch
bedenklichen MMA, sondern aus den hoeher molekularen Oligomeren. Diese sind im
Vergleich zu MMA aber unbedenklich und damit nicht toxisch im Munde des
Patienten. Somit eignet sich der Kunststoff im Einsatz als Schienenmaterial
hervorragend.
In einer Zeit, in der die Patienten immer mehrin die Diskussion
ueber die Zusammensetzung der einzelnen Materialien und ihre Auswirkung auf den
menschlichen Organismus eingreifen und Bescheid wissen wollen, werden wir
zunehmend dem Wunsch des Patienten nach besseren und damit hochwertigen
prothetischen Loesungen gerecht werden duerfen. Hochwertiger sollte an dieser
Stelle nicht mit komplizierter und ueberstrukturierter Zahntechnik verwechselt
werden. Hochwertiger bedeutet hier den Einsatz modernstem medizinisch
wissenschaftlichem Know how und einer Zahntechnik verbunden mit neuesten
Technologien und technischen Loesungen. Aber auch nach dem Motto, Bewaehrtes
und Erprobtes als Grundlage in unsere Taetigkeit mit einbeziehen zu muessen.
Doch der Einsatz der Schiene endet nicht mit der Politur im Labor,
sondern erst mit der klinischen Anwendung beim Patienten. Hierbei erfaehrt die
Schiene im Laufe der Liegezeit hohe mechanische Beanspruchungen, die dazu
dienen, bestimmte Gegebenheiten im Munde des Patienten zu erreichen. So ist
gerade das Bruxieren, das ueber lange Zeitraeume auf das Schienenmaterial
einwirkt, eine der hoechsten Dauerbeanspruchungen fuer dieses Material. Das
Schienenmaterial muss von sener Eigenschaft weicher und abrasionsfaehiger sein
als vorhandene Zahnsubstanz, um die eigenen Zaehne des Patienten zu schuetzen.
Es sollte aber auch so formstabil sein, dass sich eine unkontrollierte Abrasion
nicht kurzfristig einstellen kann. Zum anderen ist die Korrekturfaehigkeit im
Mund von grosser Bedeutung, da hier der Behandler nicht nur direkt an der
Schiene einschleift, sondern auch punktuell aufbauen muss (z.B.
Michigan-Schiene) und die hierbei eingestellte Eckzahnfuehrung gegebenenfalls
mehrfach korrigiert werden muss. Mit Hilfe eines Oberflaechenconnectors, welche
die Doppelbindung der in der Oberflaeche im polymerisierten Zustand vorhandenen
Kunststoffbindungen aktiviert, ist es moeglich, lichthaertenden artgleichen
Kunststoff aufzutragen, der durch seine knetfaehige Struktur leicht in Form
platziert werdne kann. Unter leichtem Zubeissen lassen sich Impressionen
schaffen, die eine gleichmaessige Kraftverteilung auf die Schiene bringen. Das
Aushaerten mit einer UV-Lampe, die im Lichtwellenbereich von
<390 Nanometer arbeitet,
garantiert eine gute Verbindung mit dem vorhandenen Schienenmaterial und
polymerisiert das Neumaterial perfekt aus. Alles in allem verspricht dieser
Werkstoff einige wichtige und wegweisende Merkmale in der Verarbeitung und in
der Anwendung beim Patienten.
Neues mit Bewaehrtem zu verbinden ist die Zukunft in der
Zahnmedizin und in der Zahntechnik.
23. Priv.-Doz. Dr. A. Zöllner, Witten: Anwendung des
lichthÀrtenden Kunststoffes Versyo.com in der Teilprothetik:
Klinische Ergebnisse und
Patientenzufriedenheit
Das Gutachten der DGZPW zum prothetischen Behandlungsbedarf bis
zum Jahre 2020 zeigt zwar einen Trend hin zu mehr festsitzendem Zahnersatz,
jedoch werden Teilprothesen weiterhin ihren Platz in dem zahnaerztlichen
Therapiespektrum haben - aller Erfolge in der Prophylaxe zum Trotz.
Wenn sich auch allgemeine Konstruktionsprinzipien fuer
Teilprothesen nicht aendern werden - die Revolution in der Gestaltung der
grossen Verbinder ist unwahrscheinlich - so hat sich jedoch in den letzten
Jahren der typische Patient geaendert, der mit einem partiellen
Zahnersatz versorgt werden soll. Zum einen muessen wir als Zahntechniker und
Zahnaerzte ueberlegen, in wieweit ein allgemeiner Anstieg in der
Sensibilisierung auf Latex, Methylmetacrylate, Peroxide oder Stabilisatoren wie
Hydrochinon die Auswahl unserer Materialien beeinflusst. Zum anderen sollten
wir ueberdenken, ob Gestaltungsmerkmale, die fuer die aesthetische Wirkung von
festsitzendem Zahnersatz selbstverstaendlich sind, auch auf die Teilprothetik
uebertragen werden koennen, um einem wachsenden Bewusstsein der Patienten auch
in diesem Gebiet Rechnung zu tragen. Stellen wir uns nur kurz die Frage, wie
haeufig wir die Farbe der Mukosa bestimmt haben um einen Teilprothesensattel
farblich unauffaellig zu gestalten oder wie haeufig - im Vergleich zu
Einzelkronen - wir Kunststoffzaehne individualisiert haben? Zunaechst abgesehen
von den finanziellen Aspekten - besteht hier ueberhaupt von Seiten der
Patienten ein Bedarf?
Beide Aspekte - Vertraeglichkeit von Prothesenkunststoffen und
Patientenzufriedenheit mit partiellen Prothesen sollen im folgenden kurz
dargestellt werden:
1. Biokompatibilitaet von Prothesenkunststoffen, Bewertung von
lichthaertenden Materialien
Seit ueber 60 Jahren sind Kunststoffe ein nicht mehr
wegzudenkender Bestandteil der teil- und totalprothetischen Therapie. Waehrend
das nach Polimerisation bei den meisten Materialien entstehende
Polymethylmetacrylat eine geringe zytotoxische, irritierende und
sensibilisierende Wirkung hat, stellt sich dies fuer das Monomer und im
Kunststoff enthaltene Hilfsstoffe umgekehrt dar. Da diese Substanzen loeslich
sind, haengt die Vertraeglichkeit nicht nur vom Herstellungsverfahren als auch
von der vorherigen Lagerung ab. Bezueglich der Rate der Restmonomerfreisetzung
direkt nach Abschluss der Herstellung ist der Heisspolimerisation aufgrund des
niedrigeren Restmomergehaltes gegenueber Kaltpolimerisaten der Vorzug zu geben.
Der Einfluss des Herstellungsverfahrens auf die Restmonomerfreisetzung spielt
jedoch im laengerfristigen Boebachtungszeitraum eine untergeordnete Rolle. Eine
Lagerung der fertiggestellten Arbeiten in warmen Wasser ist ratsam, um die
Menge und die Rate der Loeslichkeit dieser Bestandteile vor dem Einbringen in
das Mundmilieu zu minimieren. Zwar koennen diese Bestandteile eine Roetung der
Bereiche im Kontakt mit dem Ersatz oder aber ein Brennen im Mundraum
verursachen, ihre Rolle als Verursacher einer allergischen Reaktion
insbesondere bei schon laenger getragenen Prothesen wird jedoch haeufig
¸berschaetzt. Bei einer Roetung des Gaumens muss differentialdiagnostisch
weiterhin einerseits eine mechanische Irritation im Sinne einer Ulzeration oder
andererseits - in der Lokalisation und Ausdehnung deutlich abgrenzbar - eine
bakteriell verursachte Entzuendungsreaktion bzw. die Schleimhautbesiedelung
durch Candida albicans als sogenannte Prothesenstomatitis beruecksichtigt
werden. Demgegenueber kann ein Burning Mouth Syndrome, dessen Aetiologie bisher
nicht eindeutig geklaert ist, erst in Abwesenheit pathologischer Befunde
diagnostiziert werden.
Der konstante Gehalt an hochmolekularen Monomeren bei
lichthaertenden einkomponenten Kunststoffen wie bei dem von uns untersuchten
Versyo.com® (Heraeus-Kulzer) verspricht eine gute Biokompatibilitaet.
Dringend sollten jedoch auch hier die Verarbeitungshinweise befolgt und durch
eine ausreichende Zeit im Lichtofen die vollstaendige Polimerisation
gewaehrleistet sein, sowie durch die Politur die entstandene Dispersionsschicht
entfernt werden. Die bei Versyo.com® vorab sehr erfolgreich durchgefuehrten
Zytotoxizitaets-, Irritations- sowie Sensibilisierungstests rechtfertigen den
Einsatz auch als experimentelles direktes Unterfuetterungsmaterial.
In einer klinisch kontrollierten Studie an der Harvard School of
Dental Medicine (Boston, USA) wurden die Saettel von je 10 partiellen Prothesen
und von 10 Interimsprothesen im Ober- wie Unterkiefer direkt im Mund mit einem
hierfuer modifizierten, experimentellen Material unterfuettert und klinisch wie
rasterelektronenmikroskopisch in einem Beobachtungszeitraum bis zu 6 Monaten
kontrolliert. Die Ergebnisse dokumentieren, dass der Verbund zwischen
Prothesenbasis und Unterfuetterungsmaterial in der Regel stabil ist und
keinerlei Verfaerbungen oder Frakturen aufweist. Von lokalisierten Druckstellen
abgesehen traten keinerlei Schleimhautroetungen auf.
2. Patientenzufriedenheit mit dem kosmetischen Erscheinungsbild
von Teilprothesen
Neben der Wiederherstellung der Kaufunktion kommt Zaehnen eine
wesentliche Rolle bei der sozialen Interaktion zu. In standardisierter Form
werden diese Aspekte in Oral-specific quality of life measures erhoben.
Die Ergebnisse unterschiedlicher Untersuchungen dokumentieren eindeutig, dass
den Zaehnen und dem Zahnersatz ein wesentlicher positiver Einfluss, zuallererst
bei dem persoenlichen Gesamterscheinungsbild, den Gesichtszuegen und der Freude
beim Essen, zukommen. Unabhaengig von anatomischen Befunden, die das
kosmetische Gesamtergebnis beeinflussen, ist es moeglich mit entsprechenden
Frageboegen zu erkennen, in wieweit ein Patient mit der derzeitigen Situation
zufrieden ist. In einer klinischen Studie (Universitaet Witten/Herdecke,
Harvard School of Dental Medicine) wurden bei der Bestimmung der
Patientenzufriedenheit mit partiellem Zahnersatz entsprechend einem Vorschlag
von Sato et al die folgenden Punkte bei teilprothetisch versorgten
Patienten nachgefragt und durch die Antworten sehr zufrieden, zufrieden oder
unzufrieden beantwortet:
Kauvermoegen, Geschmack, Sprache, Schmerzen im Bereich des
Ersatzes, Kosmetik, Sitz, Halt, Tragekomfort.
Bei 103 Patienten wurden insgesamt 153 teilprothetische
Versorgungen per Fragebogen bewertet. Bei den Arbeiten stand keine unmittelbare
Neuanfertigung an. Die Patienten befanden sich entweder im Recall oder stellten
sich wegen anderer Fragestellungen, wie z.B. der Versorgung des Gegenkiefers,
vor. Von diesen Arbeiten waren 57 teleskopierende Versorgungen, 56
Modellgussarbeiten und 40 geschieberetinierte Versorgungen. Die Versorgungen
umfassten 32 einseitige, 79 beidseitige Freiendsituationen sowie 84
Schaltluecken. Die durchschnittliche Verweildauer des Oberkieferersatzes betrug
6 Jahre und die des Unterkieferersatzes 6,5 Jahre. Die Bewertung
Unzufrieden war der Haeufigkeit nach und gewertet pro Versorgung
bei den folgenden Parametern gegeben: Halt (49), Sitz (41), Tragekomfort (39),
Schmerz (30), Kauvermoegen (30), Kosmetik (23), Geschmack (4), Sprache (3).
Insgesamt dominierte der Komplex Kauvermoegen und
Tragekomfortder die erstgenannten Aspekte Halt, Sitz und
Schmerz indirekt mit umfasst. Immerhin 15% der befragten Patienten
zeigten sich mit der Kosmetik ihres teilprothetischen Ersatzes unzufrieden.
Bei 15 Patienten, die mit der Kosmetik Ihres Ersatzes unzufrieden
waren, wurden die Gruende hierfuer durch die folgenden Fragen spezifiziert und
durch die Einschaetzung sehr, ein bisschen, nicht oder weiss nicht
gewertet: Wie stark stoert Sie: Die Farbe Ihrer eigenen Zaehne, die Farbe der
ersetzten Zaehne, die Form Ihrer eigenen Frontzhne, die Form der
ersetzten Frontzaehne, die Stellung der eigenen Frontzaehne, die Stellung der
ersetzten Frontzaehne, der Kunststoff auf dem die ersetzten Zaehne befestigt
sind, der Uebergang von Prothese zu eigenen Zaehnen? Diese Angaben wurden
soweit moeglich bei der Neuanfertigung unter Verwendung von Premium®
Zaehnen (Heraeus-Kulzer) und Versyo.com® beruecksichtigt und die Befunde
erneut eine Woche und ein Monat nach Insertion erhoben.
Es fiel auf, dass die eine Woche nach Neuanfertigung gegebene
Einschaetzung auch nach einem Monat gleich war. Bezueglich der Zahnform und der
Zahnfarbe waren die Patienten mitunter auch mit den nicht ersetzten
Frontzaehnen nicht immer vollstaendig zufrieden. Diese Einschaetzung blieb auch
nach Neuanfertigung des Ersatzes konstant. Eine stoerungsfreie Integration von
kuenstlichen Frontzaehnen war immer dann vorhanden, wenn die vorhandene
Zahnfarbe und Zahnform kopiert werden konnte. Die Zufriedenheit mit den durch
Premium® ersetzten Frontzaehnen war im Durchschnitt so hoch wie die
Zufriedenheit mit den eigenen Zaehnen (Wert Farbe 1.2, Form 1.1). Die beiden
Faktoren Farbe und Form dominierten eindeutig die
Zufriedenheit mit dem kosmetischen Erscheinungsbild des teilprothetischen
Ersatzes.
Bei der Zahnstellung konnte ein Ergebnis erzielt werden, das ueber
der Einschaetzung der eigenen Zaehne lag (eigene Zaehne vs. Ersetzt: 1.4 vs.
1.1), da eine Drehung bzw. Kippung von Zaehnen bei der Neuanfertigung nur
soweit vorgenommen wurde, wie sie einem natuerlichen Erscheinungsbild dienten.
Der Prothesensattel selbst wurde von den Patienten zu Behandlungsbeginn nur
selten als sehr stoerend empfunden und konnte im Erscheinungsbild meistens in
der Neuanfertigung durch Anpassung der Form verbessert werden. In zwei Faellen
wurde eine farbliche Individualisierung vorgenommen. Unter Beachtung der
erhobenen Einzelbefunde und der folgenden individuellen Gestaltung unter
Verwendung von Versyo.com® und Premium® Zaehnen waren die Patienten in
der Regel mit dem kosmetischen Ergebnis sehr zufrieden (Wert 1.3). Dieser Wert
liegt deutlich ueber dem bei den 100 befragten Patienten gefundene Referenzwert
von 1.6 fuer die Einschaetzung der Zufriedenheit mit der Kosmetik bei
Teilprothesen mit ersetzten Frontzaehnen. Subjektiv konnte im Vergleich zum
Behandlungsbeginn auch die Aussprache mit dem neuen Ersatz verbessert werden,
dies kann aber nur teilweise auf die Frontzahnstellung zurueckgefuehrt werden
und haengt wie bei Teilprothesen eher ueblich, von der Gestaltung und
Ausdehnung der Modellgussbasis, der Prothesensaettel und nicht zuletzt von
einem guten Sitz der Teilprothese ab.
Zusammenfassend laesst sich feststellen, dass mit mit
Versyo.com® ein lichthaertender Kunststoff fuer die Teilprothetik zur
Verfuegung steht, dessen Biokomkompatibilitaet eine zunaechst nur experimentell
freigegebene direkte Anwendung im Patientenmund zulaesst. Der Verbund
Prothesenbasis zu Unterfuetterungsmaterial wies zumindest im kurzzeitigen
Beobachtungszeitraum bis zu 6 Monaten keinerlei Veraenderungen auf, die den
klinischen Erfolg gefaehrdet haetten. In der Anwendung zusammen mit
teilprothetischen Ersatz von Frontzaehnen durch Premium® Zaehne hat sich
die Erhebung individueller Patientenbefunde bewaehrt, um eine hoechst moegliche
Zufriedenheit der Patienten mit dem Ersatz zu erzielen.
24. AKTUELLER VORTRAG: S. Cornelissen,
ZT, Maartensdijk: Das Beste aus Zwei
Welten Die Cordent-Krone®
Die Cordent-Krone beschreibt ein Verfahren, das die Vorteile der
AGC Galvanokrone hinsichtlich ihrer hervorragenden Passgenauigkeit mit den
aesthetischen Moeglichkeiten von Authentic Presskeramik kombiniert.
Mit der hier beschriebenen Vorgehensweise ist es moeglich, Kronen
und Brueckengerueste mit Authentic Presskeramik zu ueberpressen und darueber
hinaus auesserst stabile und passgenaue zirkulaere Keramikschultern zu
erzeugen. Die bisherigen Untersuchungen zeigen einen hervorragenden
Keramik-Metallverbund.
Durch dieses Verfahren ist eine erhebliche Arbeitserleichterung
moeglich. ein qualitativer Fortschriftt wird durch eine aeusserst praezise und
formstabile zirkulaere Porzellanschulter erzielt.
Indizes: Wieland AGC Galvano, AuthenticTM,
Cordent-Krone, Keramikschulter, Prerss to Metal
Einleitung
Um den staendig steigenden aesthetischen Anspruechen
gerecht zu werden, haben sich einige vollkeramische Systeme auf dem Markt
bewaehrt.
In der Vergangenheit wurden jedoch die meisten Versorgungen als
metallkeramische Restaurationen ausgefuehrt. Der unbestrittene Vorteil dieser
Restauration liegt in dem bewaehrten Herstellungsprozess. Die Nachfrage nach
standardisierten und automatisierten Herstellungsprozessen sorgte dafuer, dass
ich seit Jahren besonders das AGC Galvanosystem benutze. Mein Wunsch war es
deshalb, die Vorteile der Vollkeramik mit den bewaehrten Metallkeramiksystemen
zu kombinieren. Darueber hinaus suchte ich nach einem System mit dem ich mit
einem Keramiksortiment alle Versorgungsarten abdecken konnte.
Die Forderung meiner Kunden ging dahin, dass sie moeglichst eine
Versorgung wuenschen, die mit konventionellen Einsatzmethoden einzugliedern
sind. Alle diese Faktoren haben dazu gefuehrt, dass ich diese zwei Welten
zusammengefuehrt habe und erste Versuche mit dem Ueberpressen von AGC
Galvanokronen ausgefuehrt habe. Diese Ergebnisse waren fuer mich so
faszinierend gut, dass ich diese Verfahrenstechniken weiter ausgearbeitet habe,
diese moechte ich Ihnen im weiteren detailisiert vorstellen.
Indikation
Zu diesem Zeitpunkt verfuege ich ueber ausreichende Erfahrung mit
Einzelkronen im Front- und Seitenzahnbereich sowie dreigliedrige
Brueckenversorgungen wieder in Front- und Seitenzahnbereich.
Natuerlich geht der Blick weiter in die Zukunft. Es sollten
grossspannige Versorgungen als auch Inlaybruecken moeglich sein.
Voraussetzungen
Als Praeparationsvoraussetzung sollte eine Hohlkehlpraeparation
oder Stufenpraeparation ausgefuehrt werden. Weniger eignen sich Tangential-bzw.
Bewellpraeparationen.
Die Cordent-Krone beschreibt ein Verfahren, das die Vorteile der
AGC Galvanokrone hinsichtlich ihrer hervorragenden Passgenauigkeit mit den
aesthetischen Moeglichkeiten von Authentic Presskeramik kombiniert.
Mit der hier beschriebenen Vorgehensweise ist es moeglich, Kronen-
und Brueckengerueste mit Authentic Presskeramik zu ¸berpressen und
darueber hinaus aeusserst stabile und passgenaue zirkulaere Keramikschultern zu
erzeugen. Die bisherigen Untersuchungen zeigen einen hervorragenden
Keramik-Metallverbund.
Durch dieses Verfahren ist eine erhebliche Arbeitserleichterung
moeglich. Ein qualitativer Fortschritt wird durch eine aeusserst praezise und
formstabile zirkulaere Porzellanschulter erzielt.
Die Verarbeitungstechnik der Cordent-Krone®
Als Grundlage der Cordent-Krone dient eine herkoemmliche AGC
Galvanokrone hergestellt mit dem AGC Micro Fa.Wieland.
Diese kann wesentlich einfacher hergestellt werden, weil wir auf
den Kronenrand verzichten koennen. Der Kronenrand wird durch eine zirkulaere
Schulter mit Authentic Presskeramik ausgefuehrt.
Vorbereitung der AGC Galvanokappen
Die so reduzierte Galvanokappe wird vom Stumpf abgenommen und mit
110m ALO2 und 2 Bar
angestrahlt. Bei allen helleren Farben und Brueckengliedern wird mit Authentic
Pressopaker gearbeitet. Bei dunkleren Farben als A3 verzichte ich bei
Galvanokappen ganz auf den Opaker. Nach erfolgtem Opakerbrand wird die Krone
auf den zuvor isolierten Stumpf aufgesetzt und die zirkulaere Schulter
inclusive Dentinstruktur modelliert. Hier lehne ich mich an dem natuerlichen
Vorbild an.
Natuerlich kann man auch ein Voll-Wax-Up herstellen, um den
gezielten Schmelz zu reduzieren. Die so vorbereitete Modellation wird nun fuer
den Pressvorgang vorbereitet. Hierzu wird senkrecht zur Spitze der Galvanokappe
angestiftet. Verwendet werden Wachsprofile der Staerke 3mm.
Pressen
Diese Presskanalanordnung mu? unbedingt eingehalten werden, weil
bei schraeg angestifteten Presskanal die Gefahr besteht, dass die Galvanokappe
in der Pressmuffel angehoben wird und somit unterpresst werden kann. Das
Pressobjekt wird exakt nach Herstellerangabe in die Pressmuffel plaziert, um
moeglichst optimale Pressergebnisse zu erzielen. ( Literturangaben Authentic
CTM, Ceramay)
Das Einbetten und Vorwaermen unterscheidet sich nicht vom
herkoemmlichen Pressverfahren.
Einsatz der Presspellets
Authentic Presspellets unterscheiden sich durch unterschiedliche
Opazitaetstaerken von anderen Systemen. Deswegen ist ihre Auswahl und Einsatz
besonders wichtig.
Ein normales Dentin Pellet hat 30% Opazitaet
Das Plus Pellet hat 50% Opazitaet
Das Plus Plus Pellet hat 80% Opazitaet
Je nach Platzangebot verwenden ich fuer die Cordent-Krone, Plus
bzw. Plus Plus Pellets, der entsprechenden Zahnfarbe. Der Pressvorgang an sich
richtet sich exakt nach den Herstellungsangaben.
Ausbetten
Nach erfolgtem Pressvorgang werden die Restaurationen vorsichtig
ausgebettet. Die groben Einbettmasseteile werden mit Glasperlen bei 1,5 bar
ausgestrahlt. Die Innenseite der ueberpressten Galvanokappe werden mit
geringerem Druck abgestrahlt, max. 1 bar.
Die so abgestrahlten Objekte zeigen spontan eine exakte Passung
wegen der ueberpressten Galvanoteile.
Ausarbeiten
Das Abtrennen der Objekte vom Presskanal muss mit niedriger
Drehzahl unter Wasser geschehen.
Punktuelle Ueberhitzung fuehrt zur Ausbildung von Mikrorissen, die
bei den folgenden Braenden sichtbar werden.
Nachdem die Objekte aufgesetzt wurden, werden kleinere
Formkorrekturen durchgefuehrt. Es ist darauf zu achten, dass genuegend Platz
fuer das Auftragen der Schmelz und Effektmassen vorhanden ist. Zum Schluss wird
die gesamte Presskeramik mit einem Diamanten leicht ueberschliffen und mittels
Dampfstrahler gesaeubert.
Aufbrennen der Schmelzmasse
Auf dem so vorbereiteten Dentinkern koennen eventuelle farbliche
Charakterisierungen mittels Malfarben von Authentic aufgetragen und durch einen
Fixierbrand stabilisiert werden. Da durch den Dentinaufbau ein fester
Untergrund vorhanden ist, braucht man nur wenig Schmelzmasse aufzutragen.
Hierdurch erreicht man eine gezielte Schrumpfung, so ist es moeglich, die
Funktion und die Keramikmassen zu kontrollieren.
Im Seitenzahnbereich werden Schneidemassen ausschliesslich an der
Aussenform und als Randleiste genutzt. Die Kauflaeche an sich wird mit warmer
Transparentmasse ausgefuehrt. Hierzu eignen sich Orange oder Yellow. Das Licht,
das auf die Kauflaeche faellt, wird so nicht reflektiert, sondern absorbiert,
hierdurch erreicht man den Eindruck besonderer Tiefe.
Im Frontzahnbereich werden mit Schmelzmassen mesial und distal als
Randleisten angelegt, hierdurch werden die Reflektionsleisten akzenturiert..
Die Vervollstaendigung der Aussenformen geschieht in einer
Wechselschichtung aus Transpa und Halb-Halb-Schmelzschichtung . Die
anschliessende Brandfuehrung wird bei 760·, somit weit unter der
Presstemperatur von 940· durchgefuehrt. Hierdurch wird gewaehrleistet,
dass die keramische Schulter absolut stabil und formtreu bleibt.
Bei Brueckenkonstruktionen braucht man keinen Korrekturbrand
vorzunehmen, da Basalanteile bzw. Interdental- und Okklussalkontakte durch die
Dentinpressung vorgegeben sind.
Keramische Schulter
Da dieses Vorgehen so einfach ist, kann man sich leicht trauen,
Brueckenkonstruktionen mit zirkulaerer Schulter anzufertigen. Ein weiterer
Vorteil der gepressten Schulter ist ein kompletter Sitz im gesamten Bereich der
Schulter und nicht nur im Aussenbereich.
Ausarbeiten und Fertigstellung
Mittels Diamanten werden die Kronen zu ihrer endgueltigen Form
beschliffen, Oberflaechenstruktur angelegt und Okklussalkontakte eingestellt.
Glanzbrand
Es ist wichtig, dass das gepresste Dentin das an der Oberflaeche
liegt, mit Authentic Glasurmasse versiegelt wird. Hierzu koennen nur Glasur-
und Malfarben von Authentic benutzt werden. Einen natuerlichen
Oberflaecheneffekt erreicht man durch mechanische Politur mittels Bims- oder
Diamantpaste.
Einsetzen
Der Vorteil dieser aesthetischen Cordent-Krone ist, dass man
sowohl konventionell, als auch bei besonders stark reduzierten Metallgeruesten,
adhesiv einsetzen kann.
Resumue
Seit ca. 1 Jahr fertige ich klinische Arbeiten in beschriebener
Art und Weise an.
Die bisherigen Ergebnisse lassen eine sehr gute Prognose erkennen.
Da in diesem Zeitraum keine wissenschaftlichen Studien moeglich waren, habe ich
trotz dem meine Verantwortung erkannt und habe entsprechend Metallurgie
ueberpruefungen durchfuehren lassen.
Alle bisherigen Untersuchungen sind aeusserst positiv verlaufen.
Des weiteren sind mehrere Universitaeten an einer wissenschaftlichen Studie
interessiert.
Praktische Patientenfaelle:
Gesamte Unterkieferresteration 35 /36 auf Implantate, Zwei
Frontzahnkronen
25.
Prof. H. Weber, Tübingen: Kombi-Zahnersatz - technische und
zahnmedizinische Voraussetzungen für den Erfolg
Innerhalb der verschiedenenVersorgungsmoeglichkeiten mit
Zahnersatz stellt die Form des kombiniert festsitzend-herausnehmbaren
Zahnersatzes - einerlei, ob an Zaehnen oder an Implantaten oder an beiden
befestigt -nach wie vor die hoechsten Anforderungen an Behandler und
Zahntechniker. Die biomechanischen Belastungen einerseits wie auch die
Praezisionsanforderungen an die Halte- und Stuetzelemente andererseits
beinhalten fuer den Zahnarzt/Zahnaerztin die Gewaehrleistung adaequater
Arbeitsunterlagen, die sowohl die technischen als auch die biologischen
Erfordernisse, darunter ist vor allem der Resilienzausgleich zwischen
Zaehnen/Implantaten einerseits und der Mundschleimhaut andererseits zu
verstehen, beruecksichtigen. Von der zahntechnischen Seite her muss wiederum
gewaehrleistet sein, dass nicht nur diese Informationen adaequat uebernommen
werden, sondern dass auch sowohl im Hinblick auf den funktionellen
Langzeiterfolg der technischen Bauteile wie aber auch im Hinblick auf die
Aesthetik Optimales geleistet wird.
Dieses Referat geht sowohl auf die klinischen und biologischen
Aspekte unter Beruecksichtigung der Biomechanik und der Hygiene als auch auf
die technische Umsetzung ein. Mit praktischen Hinweisen sollen sowohl die
Kooperation zwischen Behandler und Zahntechniker verbessert, bekannte
Dinge/Zusammenhaenge aufgefrischt und moeglicherweise auch neue Tips gegeben
werden. Hierbei werden Aspekte der Abdrucknahme ebenso angesprochen wie auch
die der Konstruktion und nicht zuletzt auch Fragen der Nachsorge, da gerade
nach mehrjaehriger Funktionszeit von Kombi-Zahnersatz die potentiellen Probleme
besonders deutlich werden.
26. Dr.S. Siervo, Mailand: Galvanoforming: Einsatz im
festsitzenden und abnehmbaren Zahnersatz
Die Technologie der galvanischen Abscheidung oder Galvanoforming
hat die Zahnmedizin der letzten 10 Jahre deutlich geaendert. Die Vorteile
dieser Methode liegen auf der Hand: hoechste Praezision mit Randspalt um die 20
mm unerreichbar mit
konventionellen Verarbeitungsverfahren, natuerlich wirkende Aesthetik mit einer
warmen Farbe besonders im VITA A und B Bereich, Beibehaltung der
Arbeitsvorgaenge beim Zahnarzt, niedrige Investitionskosten des Zahntechnikers,
sehr steile Lernkurve, Akzeptanz des Patienten. Der grosse Mangel, der dieser
Technik in den Anfangszeiten zugesprochen wurde und der auch heute immer noch
zitiert wird, ist der limitierte Einsatzbereich in der taeglichen Praxis, da
die Methode anfaenglich fuer die Herstellung von Einzelkronen gedacht war.
Einzelkronen mit dem Galvanoforming herzustellen, ist nach wie vor
von grossem Vortei, obwohl wir mit der klinischen Erfahrung in bestimmten
Situationen eher vorsichtig geworden sind, wie wir spaeter verdeutlichen
werden. Ausser den Vorteilen, die bereits besprochen wurden, hat diese Methode
noch einige interessante Merkmale. Da die Wandstaerke des Metalls deutlich
niedriger ist als die von anderen Werkstuecken, kann man den Zahn etwas
schonenender praeparieren. Dies kann besonders beim vitalen Zahn im
jugendlichen Patienten von grossem Nutzen sein, um das Risiko einer iatrogenen
Pulpitis zu vermeiden. Falls wir etwas mehr Zahnhartsubstanz abtragen duerfen,
wie z.B. beim aelteren Patienten oder bei einem devitalen Element, wird die
niedrige Wandstaerke darauf hinausspielen, dass der Zahntechniker noch
aesthetischer arbeiten kann, da er mehr Platz fuer die Keramikmassen hat.
Dreigliedrige Bruecken im Frontzahnbereich sind das naechste
Schwerpunktthema in der Entwicklung dieser Methode gewesen. Am Anfang handelte
es sich nicht um Bruecken Lege artis, denn unter jeder Krone war
eine Wurzel und man sollte deshalb eher ueber verblockte 3-gliedrige Aufbauten
reden. Doch auch von diesem Arbeitsschritt konnten Techniker und Aerzte lernen,
wie man z.B. die Verbindungselemente gestalten sollte. Hier wurden verschiedene
Varianten entwickelt, da die Verblockung z.B. durch volle vorfabrizierte Teile
und Laser oder Klebstoff geschehen kann, oder durch Eingalvanisieren oder sogar
durch hohle Verbindung (Galvanohohlprofil) realisiert werden kann. Durch diese
letzte Loesung kannman auch eine genuegende Zementfuge garantieren, da der
Zement in den Hohlraum fliessen kann. Dadurch gewinnt die Struktur an
Stabilitaet und der richtige Sitz auf den Stuempfen ist garantiert. Die
logische Entwicklung dieser Arbeitsmethode war: dreigliedrige Bruecken
herzustellen mit Zwischengliedern, heute ist man so weit, dass man auch bis
sechsgliedrige Bruecken herstellen kann, im Front- aber auch teilweise im
Seitenzahnbereich. Diese Zwischenglieder koennen auf verschiedene Weise
hergestellt werden: Anguss aus hochgoldhaltigen Legierungen oder Einsetzen von
vorgefertigten Elementen, die dann mit dem Laser oder mit Klebstoff verbunden
werden koennen. Weiterhin koennen die Zwischenglieder oder Gerueste aus Titan
hergestellt werden, die dann mit gewissen Klebstoffen zusammengefuegt werden
koennen. In diesem letzten Beispiel werden die Eigenschaften zwei
biokompatibler Methoden miteinander verbunden: hoechste Passgenauigkeit und
beste Materialeigenschaften.
Die Kombination verschiedeneer Arbeitsweisen mit der galvanischen
Abscheidung ermoeglicht es, auf biologische und biokompatible Weise zu
arbeiten, im Sinne und zum Wohl unserer Patienten. Der Einsatz von hoechst
vertretbaren Werkstoffen ist der groesste Vorteil dieser Methode, wenn man von
der Einzelkrone absieht.
Im festsitzenden Bereich findet das Galvanoforming eine weitere
Indikation: die Passivierung auf Implantate. Es ist in letzter Zeit erkannt und
beschrieben worden, wie wichtig es fuer den Langzeiterfolg ist, dass
implantatgetragene Rekonstruktionen passiv ihren Sitz erreichen. Schaerkraefte
werden von Implantaten sehr schlecht geduldet und solche Zugkraefte koennen
leicht entstehen, wenn die Suprakonstruktion nicht passiv ist. Um dieses
Problem aus dem Weg zu raeumen, wurden verschiedene Methoden entwickelt wie
z.B. die Funkenerosion oder das Cresco-Prinzip. Beide Methoden fuehren zu guten
Resultaten, sofern sie von Experten ausgefuehrt werden, darueber hinaus sind
die Kosten solcher Methoden nicht zu unterschaetzen. Wenn man eine drei- oder
mehrgliedrige Bruecke auf Implantatpfeilern hat, genuegt es, dass der
Zahntechniker ein Galvanokaeppchen auf dem Sekundaerteil modelliert, wobei man
n-1 Kaeppchen braucht (n = Zahl der Implantatpfeiler). Auf diese Kaeppchen wird
Distanzlack aufgebracht und erst darauf das Geruest aus Titan oder einer
hochgoldhaltigen Legierung angefertigt. Im Munde des Patienten werden die
Galvanokaeppchen auf die Sekundaerteile gelegt und das Geruest an die Kaeppchen
geklebt. Der Platz vom Lack wird von dem Klebstoff eingenommen aber auf diese
Weise findet der Sitz der Rekonstruktion passiv statt. Das Geruest mit den
Galvanokaeppchen kann nun spannungsfrei zementiert werden.
Auch im abnehmbaren Bereich hat das Galvanoforming viel geaendert.
Nachdem die strategischen Pfeiler praepariert werden - seien es natuerliche
oder implantatunterstuetzte - wird durch eine korrekte Abformung eine
Primaerkrone hergestellt. Wir bevorzugen es, solche Primaerkronen aus Titan
herstellen zu lassen, aber man kann sie auch aus einer Kobaltbasislegierung
oder einer hochgoldhaltigen Legierung giessen lassen. Auf diesen Primaerkronen
werden Sekundaerkronen mit dem Galvanoforming hergestellt. Die Tertiaerstruktur
besteht wiederum aus Titan. Die Primaerkronen werden auf den Stuempfen
aufgesetzt und die Galvanokaeppchen im Munde des Patienten an der
Tertiaerstruktur verklebt. Danach werden die Primaerkronen mit
Zinkphosphatzement an den Stuempfen zementiert. Die Methode hat verschiedene
Vorteile gegenueber den herkoemmlichen Arbeitsweisen: die Kontaktflaeche
zwischen Primaer- und Sekundaerkrone ist um 70 % waehrend bei allen anderen
Techniken hoechstens 30 % erreicht werden kann. Die Friktion ist sehr gut und
einstellbar, denn bei Verschleiss kann die Galvanokrone einfach entfernt und
ersetzt werden. Dies ist auch ein weiterer Vorteil, denn das schwache Glied
zwischen Primaer-, Sekundaer- und Tertiaerstruktur ist sicher das
Galvanokaeppchen. Wir koennen also den Verschleiss steuern und auf das Glied
bringen, das am einfachsten und kostenguenstig zu ersetzen ist.
Wie bereits angedeutet, hat uns unsere klinische Erfahrung dahin
gefuehrt, bestimmte Anwendungsbereiche, die sicher machbar sind, nicht mehr
weiterzufuehren. Einzelkronen auf untere Molaren in Regio 3.6 und 4.6 mit
Gegenbezahnung, sowie Einzelkronen auf Implantaten im distalen Bereich setzen
wir nur bei optimalen Konditionen: in der Regel werden hier andere
Arbeitsweisen bevorzugt, da wir oefters Abplatzungen der nicht
geruestunterstuetzten Keramik beobachtet haben. Auch In- und Onlays finden
begrenzt Einsatz: die aesthetische Wirkung ist nicht immer befriedigend, die
Abplatzungsgefahr sehr gross, die Kosten relativ hoch. Wir bevorzugen
Vollkeramikinlays oder Onlays, dort wo genuegend Schmelzangebot vorhanden ist
oder sonst Gold- oder Titanwerkstuecke.
Im Laufe des Vortrages werden wir an Fallbeispielen vorstellen,
wie sich diese klinische Erfahrung in den letzten fuenf Jahren ergeben hat.
27. K. Ernst,
ZTM, Stuttgart: Galvanobrücken - keine Angst vor grossen
Spannen
Da keramisch verblendete Bruecken auf der Basis galvanisierter
Pfeilerkappen auch im Jahre 2002 im Vergleich zu herkoemmlich gefertigten
Restaurationen noch deutlich in der Exotenecke stehen, halte ich es fuer
notwendig, die Informationsarbeit zu unterstuetzen.
Durch Infobroschueren der Industrie, Berichterstattungen in der
yellow press, Betraege im Fernsehen sowie in juengster Zeit immer mehr durch
oeffentliche Informationsveranstaltungen zahntechnischer Betriebe, scheinen
unsere Patienten ueber einen guten Wissensstand hinsichtlich der technischen
Moeglichkeiten bezueglich ihrer Zahnrestaurationen zu verfuegen. Allerdings
sind es hier, nur am Rande bemerkt, vor allem Implantat-Themen, die das
Publikum in groesseren Scharen anlocken. Bei Licht betrachtet ist jedoch
festzustellen, dass diese vermeintliche Informiertheit nur ein Pseudo-Wissen
darstellt und wir uns davon nicht blenden lassen duerfen.
Es handelt sich naemlich nur um einen verschwindend geringen
Anteil dieses Personenkreises, der tiefergehende Aspekte einzelner
Zahnersatz-Varianten ueberhaupt versteht. Die Masse legt ihr Augenmerk auf
weiss oder gold, billig oder teuer und eventuell noch
auf langlebig oder nicht. Natuerlich kommt auch der eine oder
andere zu seinem Zahnarzt und sagt: Das will ich!. Wenn der
Behandler dann aber einen anderen Vorschlag macht, bleiben die allerwenigsten
auf ihrem Standpunkt. Und genau hier sind wir nun an der zentralen Stelle
angelangt, von der aus entweder in die eine oder in die andere Richtung gelenkt
wird. Der Zahnarzt ist die Vertrauensperson, welcher man absolute Kompetenz
zumisst hinsichtlich dessen, was fuer einen gut ist. Und das ist auch absolut
richtig!
Mit diesem grossen Vertrauensvorschuss im Ruecken hat jeder
Behandler natuerlich auch automatisch ein ganzes Paket an Verantwortung zu
tragen. Stichwort: Fortbildung! Welche Art von Zahnersatz ich meinen
Patienten seit 30 Jahren eingliedere, mag heutezum Teil immer noch
state-of-the-art sein - eventuell aber auch schon ueberholt. Deshalb ist es
unerlaesslich, sich stets zu informieren, wohin die Reise geht, was es Neues
geht, ob das Alte noch Vorteile hat und was alles sich schleichend veraendert.
Nehmen wir als Beispiel nur mal die Praezision. In der Zeit der
Ringdeckel-Kronen sahen Kronenraender anders aus als heute. Zum einen war die
Herstellungstechnik noch nicht so weit, zum anderen ging es auch nicht besser,
weil es noch keine entsprechenden Lupenbrillen oder gar Mikroskope zum Arbeiten
oder zur Kontrolle gab. Heute stehen wir woanders und die Moeglichkeiten sind
vielfaeltiger.
Hier moechte ich den Kreis schliessen und Ihnen einige
interessante Fragen vorlegen, die von Zahnaerzten sehr haeufig gestellt werden,
wenn es um das Thema Galvano im Allgemeinen und um Galvanobruecken im
Speziellen geht.
- Was ist der Vorteil einer Galvanokrone im Gegensatz zu VMK?
- Worin besteht ein Vorteil bei Galvanobruecken?
- Was fuer eine Praeparation ist notwendig?
Diese Fragen zeigen, dass man sich mit einer Technologie, die
bereits seit ueber 10 Jahren in den Markt eingefuehrt ist, noch nicht
ausreichend beschaeftigt hat. Es handelt sich ja hier nach dieser Zeit bereits
um keine technische Neuerung mehr, sondern eigentlich schon um einen alten
Zopf!
Bevor ich die Herstellung von Galvanobruecken beschreibe, moechte
ich also zuerst die Vorteile von Galvanorestaurationen im Allgemeinen
aufzeigen.
An erster Stelle steht natuerlich das Material. Es wird bei
der Galvanisierung aus den verwendete Goldbaedern 99,9 % reines Gold
abgeschieden und wir alle wissen um die grossen Vorteile gegenueber
Legierungen.
Ueberempfindliche bzw. allergische Reaktionen sind bei der
Verwendung von reinem Gold weitgehend unbekannt. Weiter sind
Gingivaverfaerbungen, wie sie haeufig im Umfeld von Gussmetallraendern
vorkommen, nicht zu beobachten, da keine Legierungsbestandteile ausgeloest
werden und so ins Gewebe infiltrieren koennen. Verschiedene Wissenschaftler
erklaeren auch, dass diese Grauverfaerbungen der marginalen Gingiva aus einem
Zusammenspiel der o.g. Ausloesung von Legierungsanteilen und einer nicht
perfekten Passung der Kronenraender resultieren.
Hier kommen wir also schon zum naechsten positiven Argument fuer
Galvano - zur Passung. Diese ist durch die direkte Auflagerung des
Goldes auf einen Arbeitsstumpf so optimal wie sie im Gussverfahren rein
technisch nie moeglich sein kann. Es bedeutet jedoch auch, dass die
Praeparation sowie die Abdrucknahmen mit aeusserster Praezision erfolgen
muessen.
Oft wird angefuehrt, dass graue Zahnfleischraender durch
keramische Schultern vermieden werden koennen. Dies ist natuerlich richtig, nur
zahlt man dafuer den sehr hohen Preis eines massiv groesserenVerlustes an
Zahnsubstanz durch die Praeparation. Und dass es sich dabei aber nicht um eine
nachwachsende Ressource handelt, wissen wir alle.
Galvanokappen sind im Schnitt 0,2 mm stark, passen genauer auf den
Stumpf als Gusskronen und lassen sich im Normalfall mit einer duennen
Opaker-wash-Schicht sehr gut vor dem Verblenden abdecken - daraus resultiert,
dass allgemein weniger praepariert werdenmuss als fuer VMK-Restaurationen und
nach der Verblendung dennoch eine viel bessere Aesthetik erzielt wird.
Bei Bruecken muss der herstellende Techniker dann etwas mehr
Erfahrung haben, um die o.g. Staerkenvorteile zu nutzen. Dazu komme ich im
Folgenden.
Es war jedoch unerlaesslich, so weit auszuholen, da allgemein, vor
allem auf Behandlerseite, ein grosses Wissensdefizit hinsichtlich der
Galvanotechnik besteht. Hier ist das Marketing der Industrie gefragt!
Der Zahnarzt muss wissen, was er seinen Patienten anbieten und
guten Gewissens einsetzen kann - er ist in der entscheidenden Position. Also
muss auch er primaer informiert und geschult werden. Das Labor kommt erst an
zweiter Stelle. Denn was nuetzt es, wenn der Techniker ein Galvanosystem hat
und keine Auftraege dafuer? Absolut nichts!
Kurzfristig gesehenprofitiert nur der Geraetehersteller -
langfristig jedoch verkauft er aber viel weniger Goldbad und Begleitartikel, da
eine geringere Nachfrage herrscht.
Nun kommen wir zur Galvano-Brueckentechnik.
Die Grundlage dazu ist wie sonst auch eine saubere Praeparation
der beteiligten Pfeilerzaehne, wobei die Einschubrichtung exakt konstruiert
werden muss. Der einzelne Pfeiler in sich sollte nicht zu parallel, sondern mit
4-6· praepariert werden. Wenn friktive Flaechen vorhanden sind, kommt es
spaetestens bei der Eingliederung zu Problemen. Abrundungen im inzisalen bzw.
occlusalen Kantenbereich sind ebenso obligatorisch, damit bei der
Einsetzprozedur ein Zement-Stau vermieden wird und somit die Konstruktion auch
wirklich in situ gebracht werden kann. Zur Gestaltung des Praeparationsrandes
empfehle ich eine circulaere Hohlkehle in einer variablen Tiefe von 0,3-0,5 mm.
Tiefere Praeparationen sind nicht notwendig.
Sie sehen auch hier, dab extreme unterschiede zu einer VMK-Praeparation vorliegen und
dennoch eine viel bessere Verblend-Aesthetik erzielt wird. Die genannte
circulaere Hohlkehle bringt auch wieder Vorteile hinsichtlich des
Zement-Abflusses beim Einsetzen.
Tangentialpraeparationen sollten heutzutage allgemein out sein,
denn bei genauer Ueberlegung bringen sie nur Nachteile. Erstens resultieren
daraus vertikal stark abweichende Rand-Abschluesse, was landlaeufig als
ausgefranst bezeichnet werden kann. Zweitens erhaelt man dadurch
immer ueberkonturierte Kronenraender, deren negative Folgen uns allen
hinlaenglich bekannt sind.
Die Parallelitaet der einzeln, leicht konischen Pfeiler zueinander
muss natuerlich unbedingt gewaehrleistet sein, um Goldabrieb im Inneren der
Pfeilerkronen beim Eingliedern zu vermeiden. Die Restauration kann sonst nie
perfekt in ihre Endposition gebracht werden.
Im occlusalen Bereich sollte auf jeden Fall reliefartig
praepariert werden, um bei der Galvanorestauration spaeter mit in etwa gleichen
Keramikstuecken arbeiten zu koennen. Man sollte hier immer darauf achten, das
keine eklatant unterschiedlich grossen Keramikportionen aufgebracht werden
muessen, um die gewuenschte Okklusion herzustellen, sondern durchgaengig mit
Schichtdicken von 1-2 mm verblendet werden kann.
Ist eine Reliefpraeparation nicht moeglich, eventuell auf Grund
bereits vorliegender Tischplatten-Gestaltung unter alten Kronen, so
muss der Techniker dies in der Geruestgestaltung durch das Aufbringen von
Hoecker-Gussteilen kompensieren. Darueber erfahren Sie im Vortrag mehr.
Zuvor sei jedoch noch angemerkt, dass zur Herstellung einer
jeglichen Restauration und insbesondere bei Galvanoarbeiten 2 sehr gute
Abformungen hergestellt werden muessen. Ich betone in meinen Kursen oder
Artikeln immer wieder, dass es nicht darauf ankommt, mit welchem Material oder
mit welcher Methode diese gemacht werden. Einzig und allein entscheidend ist
das Ergebnis! Egal ob Silikon-Doppel-Misch oder Doppel-Korrektur, Polyether,
Hydrocolloid oder Alginat-Hydro-Kombination - jeder Behandler weiss selbst, wie
er sein bestes Ergebnis erreichen kann. Wenn er dies nicht optimal schafft, so
ist es ueberhaupt nicht ehrenruehrig, einfach mal wieder einen
Auffrischungskurs in der Abformtechnik zumachen. Unklare Abdruecke solten die
Praxis erst gar nicht verlassen, da der Techniker nichts damit anfangen kann.
Auch ist die Retraktionstechnik ein sehr wichtiger Punkt, den jeder nach seinen
Erfahrungen bearbeitet.
Als Tip dazu: Legen Sie den ersten Faden schon vor Beginn
der Praeparation und Sie schonen die Gingiva in bester Manier. Sie wird es
Ihnen spaeter danken und einen besseren Abschluss in Kronenrand-Naehe bilden,
als wenn sie vorher mit rotierenden Instrumenten maltraetiert worden ist.
Das Thema Zentrik moechte ich noch kurz anrreissen.
Irgendwelche weichen Silikonmaterialien, wie sie sehr haeufig
angewandt werden, sollten besser im Bereich Fensterabdichtung verbleiben. Da
sie wasserabweisend und durch ihre Elastizitaet spannungsausgleichend sind,
haben sie dort eine Daseinsberechtigung. Nicht jedoch bei Zentriknahmen, bei
denen die Lokalisation von Hartsubstanz-Teilen (Zahnstuempfen) zu einander
ermittelt werden soll. Nehmen Sie mindestens Futar oder aber besser noch
kaltpolymerisierende Kunststoffe wie z.B. Pattern Resin. Letzteres muss
allerdings im Mund bei der Aushaertung mit Spray gekuehlt werden. Sehr wichtig
ist es auch, diese Materialien nur im Bereich der praeparierten Zaehne
aufzubringen. In keinem Fall dort platzieren, wo unbeschliffene Zaehne
zueinander Kontakt haben. Erstens hat der Behandler dann eine
einwandfreie, visuelle Kontrollmoeglichkeit der Occlusion und zweitens
ergibt sich keine, meist vage, Bisserhoehung.
Nun jedoch genug der Vorarbeiten - wir kommen jetzt zur
Herstellungstechnik.
Nach der Herstellung von Saegestumpf-Modellen und dem Einstellen
der Modelle in den Artikulator, werden die praeparierten Anteile herkoemmlich
vorbereitet. D.h. gesaegt, Praeparationsgrenzen angezeichnet, mit
Platzhalterlack versehen (oder fuer eine optimalere Passung auch nicht) und
einzeln doubliert, um Stuempfe fuer den Galvanisierungs-Vorgang zu erhalten.
Sind diese Stuempfe hergestellt und entformt, bringt man eine gleichmaessige
Schicht Silberleitlack auf die gesamte praeparierte Oberflaeche auf und stellt
eine Verbindung zum vorher unterhalb der Praeparationsgrenze eingeklebten
Kupferdraht her. Dies muss sehr genau gemacht werden, da sich hinterher beim
Galvanisieren nur Gold in einwandfrei leitenden Bereichen ablagert. Nach
Beendigung des Galvanovorganges, den wir im Labor mit dem AGC-System der Firma
Wieland vornehmen, wird der Arbeitsstumpf mittels Gipsloeser aus der Goldkappe
entfernt. Die Raender sind fast immer durch die Metallablagerung
ueberkonturiert und werden mit einem Silikonrad unter dem Mikroskop genauestens
gekuerzt. Auch hier wieder ist die Sehhilfe unerlaesslich, da bei nicht exakter
Arbeitsweise die Raender entweder zu kurz werden oder aber noch
untersichgehende, zu lange Randabschnitte die Passung auf dem Originalstumpf
beeintraechtigen und eventuell die Goldkappe beim Aufsetzen verformen.
Wir bearbeiten dann die gesamte Oberflaeche mit einer
Silikonlinse, um eventuelle Einschluesse im Metall zu eroeffnen und zu
beseitigen. Danach wird mit 110 my Aluoxid abgestrahlt und die so behandelten
Kappen fuer mindestens 1 Minute zusammen mit Aqua dest. ins Ultraschallbad
gegeben. So ist sichergestellt, dass keine Aluoxid-Rueckstaende mehr in der
relativ weichen Goldkappe vorhanden sind. Der gewuenschte Pastenopaker wird nun
aufgetragen und gebrannt. Es schliesst sich das Umsetzen auf ein ungesaegtes,
ebenfalls einartikulierten Modelles zur Modellation des Brueckengeruestes an.
Denken Sie daran, dass Bruecken jeglicher Groesse machbar sind -
es ist alles nur eine Sache der Dimensionierung des Geruestes und der
Parallelitaet der Pfeiler zueinander. Die Pfeilerkappen werden isoliert und man
beginnt mit dem Wachsauftrag fuer die Brueckenanker. Als allgemein beste
Variante hat sich das sogenannte O-Ring-Design erwiesen, bei der im inzisalen
Drittel circulaer aufgewachst wird. Die occlusalen bzw. inzisalen Konturen
werden gefasst und - falls notwendig - auch erhoeht. So erhaelt man automatisch
spaeter eine Metallunterstuetzung der Keramikhoecker, und es ergeben sich keine
zu grossen interocclusalen Abstaende, die sonst eventuell mit dementsprechenden
Keramikmengen kompessiert werden muessten (s.o.). Man schabt die circulaere
Wachsmodellation duenn und bringt sandwichartig Pattern-resin zur
Stabilisierung der Wachsarbeit auf, deckt diesen Auftrag dann aber wieder
hauchduenn mit Wachs ab. So ist die Benetzbarkeit beim Einbetten gewaehrleistet
und man hat kein Problem mit eventuellen Luftblasen in der Muffel und auch
nicht mit der Entfernung von daraus resultierten Metallkugeln auf der
Ankeroberflaeche.
Nun erfolgt die Konstruktion der Brueckenglieder, wobei akribisch
auf die Dimensionierung der Connectorbereiche zu achten ist. Hier spielt die
Spannweite und die Haerte der Gusslegierung eine wichtige Rolle in der
Kombination. Anschliessend wird die Konstruktion segmentweise spannungsfrei mit
Pattern-Resin oder Targis-Link verbunden, langsam angestiftet, abgehoben und
eingebettet. Es ist sehr wichtig, sich dabei genuegend Zeit zu lassen, um keine
Spannungen in der Modellation zu erzeugen, die hinterher zu Passungenauigkeiten
fuehren. Nach dem Guss wird herkoemmlich ausgebettet und aufgepasst. Die
cirkulaeren Anteile der Brueckenanker werden auf eine Materialstaerke von ca.
0,1 - 0,2 mm ausgeduennt, damit Platz fuer die keramische Verblendung vorhanden
ist. Dies tut jedoch der Stabilitaet auf Grund des O-Designs keinen Abbruch.
Die ausgearbeiteten Gerueste fixiert man nun mittels rosa Plattenwachs auf dem
opaquerisierten Pfeilerkappen und hebt die ganze Konstruktion ab. Es folgt die
Herstellung eines moeglichst kleinen Modells aus Loeteinbettmasse, nach dessen
Erhaertung das Plattenwachs abgebrueht und die Brueckenkonstruktion von den
Kappen abgehoben wird. Man bereitet die Brueckengerueste wie gewohnt vor und
faehrt je nach Metall 1 oder 2 Oxidbraende.
Danach bestreicht man die Innenseiten der O-Ringe sowie die
basalen Anteile der Brueckenglieder mit Opaquer und bringt das Geruest auf die
Kappen. Leichtes Klopfen von occlusal unterstuetzt die Reposition und man kann
fortfahren, den restlichen Brueckenkoerper zu opaquisieren. Meist genuegen 1
bis 2 Braende, um das Metall sauber abzudecken. Hinterher, nach genuegender
Abkuehlung, entfernt man die Loeteinbettmasse, saeubert die Kroneninnenflaechen
und setzt die Konstruktion auf das Arbeitsmodell. Die keramische Schichtung
kann nun beginnen.
Ich habe hier die bei uns seit ueber 8 Jahren gebraeuchliche
Verbindung von Galvanobruecken beschrieben, die den Vorteil hat, dass keine
weiteren, eventuell systemfremden Materialien zum Einsatz kommen und die
Qualitaet der keramischen Verblendung beeintraechtigen koennten. Ein
Brueckenverbund, der auf diese Art und Weise in meinem Labor hergestellt wurde,
hat sich in den Jahren noch nicht geloest.
Nach Beendigung der Verblendarbeiten wird poliert und die
Randbereiche erhalten ihr finish. Das Einsetzen im Mund ist ein Kinderspiel,
wenn die vorangegangenen zahnaerztlichen und zahntechnischen Arbeiten genau
durchgefuehrt wurden. Es ist darauf zu achten, dass die Kronen mit einem feinen
Phosphat- bzw. Glasionomerzement innen duenn ausgepinselt und in keinem Fall
befuellt werden. Die Restauration ist sonst nicht in ihre exakte Endposition zu
bekommen. Nach der Ueberschussentfernung schliesst sich obligatorisch die
Funktionskontrolle im Mund mit eventuellen Fein-Einschleifarbeiten an.
Der Bericht zeigt auf, dass im Zusammenspiel von zahnaerztlicher
und zahntechnischer Teamharmonie mit modernen Restaurationstechniken
eindrucksvolle Ergebnisse erzielt werden koennen, die Praezision, Langlebigkeit
und Aesthetik in sich vereinen. Aufgrund unserer langjaehrigen Erfahrung kann
festgestellt werden, dass Galvanobruecken jeglicher Spannweite
VMK-Konstruktionen in keiner Weise nachstehen, sondern im Gegenteil etliche
Parameter in die Waagschale werden, die sie von der althergebrachten Technik
sehr positiv abheben.
28. Dr. E.
Eisenmann, Hanau: Bringen vollkeramische Abutments die ultimative
Aesthetik?
Nachdem die funktionelle Stabilitaet von Einzelzahnimplantaten
heute routinemaessig erreicht werden kann, wird in den letzten Jahre konsequent
an der aesthetischen Perfektionierung der Behandlungsergebnisse gearbeitet.
Die enorm gestiegenen Ansprueche unserer Patienten hinsichtlich
einer optimalen Aesthetik und Natuerlichkeit stellen eine grosse
Herausforderung fuer das implantologisch taetige Behandlungsteam dar. Dies gilt
in erster Linie fuer die Therapie mit Einzelzahnimplantaten im sichtbaren
Bereich und hier wiederum ganz besonders fuer Patienten mit hoher Lachlinie. Da
erst das harmonische Zusammenwirken der Aesthetik der Zahnhartsubstanz (weisse
Aesthetik) mit der mucogingivalen Aesthetik (rote Aesthetik) zu einem
natuerlichen Erscheinungsbild fuehrt, muessen diese beiden Faktoren in der
Therapie gleichermassen Beruecksichtigung finden. Letztlich haengt der Erfolgt
in hohem Mabe davon ab, in wie
weit ein harmonischen Einfuegen der Rekonstruktion in den Zahnbogen gelingt, da
insbesondere bei Patienten mit hoher Lachlinie der direkte Vergleich mit den
angrenzenden Nachbarzaehnen und den korrespondierenden Zaehnen der Gegenseite
moeglich ist. Das Behandlungsziel des restaurativ taetigen Zahnarztes ist es ,
eine moeglichst natuerlich aussehende Rekonstruktion zu schaffen, die als
solche als Zahnersatz gar nicht erkennbar ist. Dies setzt einerseits eine
perfekte zahntechnische Rekonstruktion der verloren gegangenen Zahnkrone
voraus, die in Form, Farbe, Oberflaechenstruktur und optischen Effekten der
natuerlichen Krone des korrespondierenden, kontralateralen Zahnes exakt
entspricht. Andererseits ist fuer ein natuerliches Aussehen neben der Harmonie
und relativen Symmetrie der Zahnkronen das umgebende Weichgewebe von groesster
Bedeutung.
Um die Aesthetik des mucogingivalen Komplexes zu verbessern,
wurden daher in den letzten Jahren zahlreiche
plastisch-aesthetisch-parodontalchirurgische Techniken beschrieben. Um jedoch
ein moeglichst natuerliches Durchtrittsprofil, das sogenannte emergence
profile, der implantatgetragenen Krone zu erzeugen und zu erhalten, ist
ein harmonischer Verlauf der Gingivagirlande von grosser Bedeutung. Diese
sollte im periimplantaeren Bereich in Bezug auf Farbe und Gewebetextur der
Situation an natuerlichen Zaehnen entsprechen. Die dauerhafte Stabilitaet
dieses dento-gingivalen Komplexes hinsichtlich des Konturerhaltes
und der Gesundheit der Weichgewebe bildet die Basis fuer den Langzeiterfolg aus
aesthetischer und funktioneller Sicht. Fuer ein optimales Behandlungsergebnis
bei festsitzendem implantatgetragenem Zahnersatz
· ist eine
genaue Diagnostik und Planung erforderlich,
· sollten
Gewebedefizite praeimplantologisch analysiert und adaequat korrigiert
werden,
· ist das
Implantat in die aus prothetischer Sicht korrekte Position zu inserieren,
· muessen
die Implantatkomponenten mechanische Stabilitaet und
Biokompatibilitaet gewaehrleisten,
· sollten
die Aufbauten anatomisch geformt sein und eine individuelle Gestaltung fuer die
jeweilige klinische Situation erlauben, um ein natuerliches Aufstiegsprofil der
Krone aus dem periimplantaeren Weichgewebe zu ermoeglichen.
Fuer das von den Autoren bevorzugte Ankylos-Implantatsystem wurden
bisher fuer die Frontzahnrekonstruktion individualisierbare Abutments
(Balance-Anterior-Aufbauten) aus Titan verwendet. Bei duennem Weichgewebe kann
es dabei zu einem metallisch-blaeulichen Durchschimmern von Aufbauanteilen
kommen. Die sich daraus ergebenden dunkleren Farbeffekte an Gingivakragen
koennen aesthetische Beeintraechtigungen bedeuten und - insbesondere bei
Patienten mit hoher Lachlinie - zu einem unbefriedigenden Behandlungsergebnis
fuehren. wie an VMK-Rekonstruktionen ist auch an Titanaufbauten eine
natuerliche Lichtleitung durch die Kronen nicht zu erreichen. Mit der
Erweiterung des Ankylos-Implantatsystems um einen vollkeramischen
Aufbaupfosten, dem sogenannten Cercon-Balance-Abutment, laesst sich sowohl die
weisse als auch die rote Aesthetik noch einmal gezielt verbessern. Das neue
Zirkonoxydabutment weist den vorzug einer zahnaehnlichen Farbgebung auf, ist
individuell zu gestalten, ohne auf die bewaehrte Konusverbindung zwischen
Implantat und Aufbau zur Sicherung der mechanischen Stabilitaet zu verzeichten.
Neben optisch guenstigen Eigenschaften zeichnen den Cercon-Aufbau eine sehr
hohe Biegefestigkeit und Bruchzaehigkeit aus mit Werten, die weit ueber denen
von Aluminiumoxydkeramiken liegen. Die gute Biokompatibilitaet von Keramiken
macht den Aufbau sehr gewebefreundlich bei gleichzeitig bekanntlich geringer
Plaqueadhaesion. Das Vorgehen zur Anwendung des Keramikaufbaus entspricht
weitestgehend einer Rekonstruktion auf der Basis eines
Balance-Anterior-Pfostens aus Titan. Nach Implantateroeffnung erfolgt zunaechst
eine Weichgewebekonturierung durch das Einsetzen eines geeigneten Sulkuformers.
Sind die periimplantaeren Strukturen formstabil, wird die Implantatposition
durch eine pick-up-Abformung auf das Meistermodell uebertragen. Nach dem
anatomischen Aufwachsen der spaeten Zahnkrone waehlt der Techniker im Labor den
geeigneten Keramikaufbau nach der Schleimhautdicke ueber dem Implantat, der
Angulation und der zu rekonstruierenden Zahnbreite aus. Das Design dieser
Frontzahnabutments entspricht der Form der Balance-Anterior-Aufbauten. Die
individuelle Bearbeitung des hochstabilen Zirkonoxyds ist durch wassergekuehlte
Turbinenpraeparation moeglich. Nach dem Individualisieren des Cerconpfostens
erfolgt dann die Herstellung der Suprakonstruktur konsequenterweise in
Vollkeramik. Durch das vollkeramische Abutment kommt es so zu einem
natuerlicheren Lichtfluss, der sowohl die weisse als auch die rote Aesthetik
optimiert. Das Referat beschreibt die vorausgegangenen Untersuchungen zum
mechanischen Verhalten des Cercon-Pfostens, zeigt das klinische und
zahntechnische Vorgehen mit diesem neuen Abutment und stellt die ersten mit
diesem Abutment behandelten Patientenfaelle der Berliner Arbeitsgruppe vor.
Ende der Veranstaltung
Reservevortraege 29. Dr. C. Bregler, Offenburg: Cerec inLab. - in fuer das
Labor?
Arbeitsweise
In der Vielzahl der vorgestellten CAD/CAM - (oder auch nur CAM)
Systeme ist das Sirona Cerec-inLab das Unscheinbarste. Im Rahmen der
richtig grossen Fraesmaschinen hatte es am Anfang den
Makel der Cerec-Technologie und damit verbunden waren die nicht
gerade mitreissenden Ergebnisse der ersten Keramikrestaurationen, die jeder
nicht Cerec-Anwender belaechelte.
Zugegebenermassen ist dieses Cerec-inLab auch nichts anderes als
ein Cerec. Aber fahren Sie mal in einem Auto, das 15 Jahre alt ist! Und so hat
das Cerec-inLab (oder das Cerec 3) mit dem guten alten Spielzeug
fuer Zahnaerzte in der Praxis nicht mehr gemeinsam.
Das Prinzip wurde ueber die Zeit nicht geaendert. 2 Motoren, die
separat in 2 Achsen beweglich sind und ein Objekttraeger, der ebenfalls mit 2
Achsen arbeitet.

Damit stehen vier Freiheitsgrade pro Schleifseite zur Vefuegung.
Die Schleifwerkzeuge sind ein Zylinderdiamant 1,2 mm oder 1,6 mm auf der einen
Seite und ein Langkegeldiamant mit einem Spitzendurchmesser von 0,8 mm auf der
anderen Seite. Damit sind die Anforderungen an eine hinreichend kleine
Ausfraesung zufriedenstellen erfuellt.
Das Erfassen der Stumpf- bzw. Modellsituation erfolgt ueber einen
Laserstrahl-Scanner. Dieser befindet sich im gleichen Bereich des Geraetes, in
dem auch gefraest wird. Dies bedeutet, dass man nur alternativ Scannen oder
Fraesen kann. Hier ist aber bereits an eine Erweiterung des Systems angedacht,
um eine bessere Auslastung der Fraeseinheit zu gewaehrleisten.
Der Scannvorgang kann auf zwei Arten durchgefuehrt werden.
Von okklusal: Die Genauigkeit ist bei allen horizontalen Flaechen
am groessten. Dies ist z.B. fuer sehr konturiert praeparierte
Molarenkauflaechen notwendig. Bruecken muessen mit dieser Scannweise erfasst
werden.
Von lateral: Der Stumpf wird zirkulaer vom Scanner erfasst und
bietet so eine grosse Genauigkeit fuer die Kronenwaende. Die Passung wird auf
diese Weise verbessert.
Die Modellsituation wird auf dem Bildschirm als zweidimensionale
Grafik dargestellt, an der die weiteren Arbeitsschritte durchgefuehrt werden.
Material
Das Cerec-inLab ist in der Hauptsache zur Herstellung von
Kronenkaeppchen aus In-Ceram (Firma Vita) gedacht. Hier kann man je nach
Indikation zwischen einem relativ transparenten Material (Spinell) fuer Kronen,
einem opaken zirkonverstaerkten Material (Zirkonia) fuer Seitenzahnbruecken
waehlen. Die maximale Spanne fuer eine Bruecke liegt bei 40 mm vom mesialen bis
zum distalen Rand der jeweiligen Pfeiler. Das Material wird im Gruenzustand
bearbeitet und anschliessend mit einem Glasinfiltrationsbrand fuer die
Keramikverblendung fertiggestellt. Im Gegensatz zu reinem Zirkonoxid sind dabei
Schrumpfprobleme nicht vorhanden.

Mit einer Softwareerweiterung koennen zusaetzlich Vollkronen,
Inlaxs und Veneers gefraest werden. Hier wird Feldspatkeramik verwendet, die in
verschiedenen Zahnfarben vorliegt.
Die Entwicklung ist jedoch nicht abgeschlossen. Die Bearbeitung
anderer Werkstoffe (z.B. Kunststoff oder Zirkonoxid) ist fuer die Firma Sirona
von grossem Interesse. Auch das Schleifen z.B. von Primaerteleskopen aus
Keramik fuer den Einsatz zusammen mit Galvanosekundaerteilen ist fuer diese
Technik prinzipiell kein Problem mehr.
Indikation
Das Cerec inLab-System kann im Moment Einzelkronenund Bruecken bis
3 Glieder fraesen. Die Konstruktion der Bruecke beinhaltet auch das Fraesen von
zwei verblockten Kronen. Die Bruecke kann nur in der Form
Pfeiler-Brueckenglied-Pfeiler konstruiert werden. Auch hierzu wird eine
Erweiterung kommen muessen, sodass P-P-B und die Ausdehnung auf vier und fuenf
Einheiten (P-B-P-B-P oder P-P-B-P) moeglich wird.
Voraussetzungen
Klinisch
Fuer die Praeparation gelten keine besonderen Angaben, was die
spezielle Herstellungsweise mit dem Cerc-inLab betrifft. Zu beachten sind die
Vorschriften bzw. Empfehlungen, wie sie auch fuer andere Vollkeramiksysteme und
z.B. fuer Galvanokronen gelten (beim jeweiligen Hersteller nachzuschauen):

Keine keilfoermigen Inzsial- oder Okklusalkanten, insgesamt
abgerundete Kanten und eine Hohlkehle am Praeparationsrand.
Technisch
Der oder die abzutastenden Modellstuempfe muerssen aus einem
scannfaehigen Modellmaterial hergestellt sein. Alternativ kann auch mit Spray
oder Lack gearbeitet werden.
Arbeiten mit dem System
Modellvorbereitung
Das Geraet ermoeglicht eine Herstellung der Keramikkaeppchen ohne
Herstellung eines konventionellen Modells. Sofern bei der Praeparation die
Platzverhaeltnisse kontrolliert wurden, braucht der Abdruck nur an der
Praeparation ausgegossen zu werden und dieses Teil (Einzelstumpf) gescannt zu
werden. Das auf diesem Einzelstumpf hergestellte Kaeppchen kann einprobiert und
mit einer Abformung fixiert werden. Danach kann ein Modell zum Verblenden
angefertigt und wie gewohnt weitergearbeitet werden.
Die klassische zahntechnische Vorgehensweise besteht in der
Herstellung des Saegemodelles nach der Abformung. Jetzt kann der Saegstumpf als
Scannbasis genutzt werden. Wir ziehen es vor, den Meisterstumpf zu dublieren,
das Duplikat zum Scannen und Aufpassen des Kaeppchens zu verwenden. Die
intensive Farbe des Gipses ist hierbei durchaus hilfreich.
Konstruktion
Nach dem Scannvorgang muss die Kronenausdehnung
(Praeparationsgrenze) vom Bearbeiter festgelegt werden. Das ist ein - nach
einigen Versuchen -einfacher Vorgang.
Die Software gibt zwei Kontrollkurven auf dem Bildschirm vor, mit
denen man die Lage des Randes kontrollieren kann. Parameter fuer Wandstaerke
und Zementspalt koennen individuell angepasst werden.
Zur Brueckenkonstruktion steht ein am Anfang
gewoehnungsbeduerftiges Hilfsmittel zur Verfuegung. Nach einigen konstruierten
Bruecken ist dies aber kein Problem mehr. Die Anpassung des Zwischengliedes
bzw. der Verbinder zwischen Krone und Brueckenglied ist sehr variabel zu
gestalten. Auch bei der Brueckenkonstruktion koennen verschiedene Parameter
individuell angepasst werden. Vor der Unterschreitung des vom Hersteller der
Keramik vorgegebenen Mindestquerschnittes wird automatisch gewarnt.
Zeitbedarf
Die immer gestellte Frage bei allen CAM-Prozessen ist: wie lange
schleift die Maschine? Eine Einzelkrone wird in 10 Minuten eingescannt, man
braucht etwa 2-5 Minuten zum Konstruieren, das Schleifen benoetigt etwa 15
Minuten und zum Aufpassen noch einmal 5 Minuten.Dazu kommt bei Inceram der
Infiltrationsbrand, der auch seine Zeit kostet. Bei der Bruecke sind die Werte
etwa Scan- und Schleifvorgang 70 Minuten, Konstruieren und Aufpassen 15-20
Minuten.
Grenzen
Die Grenzen des Systems kommen dann, wenn die Zeitvorgabe des
Zahnarztes grenzwertig werden. Ein Zahn mit Kavitaeten, die nicht im Vorfeld
der Behandlung geschlossen wurden. Zirkulaere Praeparationen mit auslaufenden
und umkippenden Kehlungen. Extrem parallele Praeparationen.
Ergebnisse
Passung
Die Passung ist verglichen mit anderen Fraessystem ausgezeichnet.
Dass man bessere Passgenauigkeit mit anderen Methoden erhalten kann, ist
unbestritten. Unsere Untersuchungen ergaben im Vergleich zu Gusskronen keine
unannehm-bar schlechteren Werte. Zwischen der Modellpassung und der klinischen
Passung waren auch bei den Gusskappen deutliche Unterschiede festzustellen. Es
besteht jedoch eine hohe Korrelation zwischen Praeparationsqualitaet und
Passungsqualitaet. Am deutlichsten waren die Verhaeltnisse an den
Konfektionsteilen (Massivzylinder der Fa. Straumann) sichtbar.
Kosten
Die Firma Sirona beschritt bei der Einfuehrung des Cerec-inLab in
der Finanzierung neue Wege: Der Grundpreis ist niedrig und die Nutzung
kostenpflichtig. Das Geraet ist mit einem Preis von ca. 25000
? guenstig zu haben - nur:
jeder Schleifvorgang kostet Geld. Ein interner Zaehler registriert die
abgelaufenen Schleifvorgaenge. Das Geraet rechnet sich - da nur der
tatsaechliche Einsatz der Maschine zu Kosten fuehrt. Wenn man dazu noch grosse
Stueckzahlen realisieren kann, ist ueber die Preisstaffelung zusaetzliche
Rentabilitaet zu erreichen. Die eigenen Arbeitskosten kann man selbst
beeinflussen. Die Herstellung von Einzelkronen kann sehr rationell
durchgefuehrt werden. Man kann zum Beispiel aus einem Brueckenblock mehrere
Kronen schleifen. Dies vermindert die Materialkosten. Man kann ebenso mehrere
Stuempfe gleichzeitig einscannen, um Zeit zu sparen.

Qualifizierung der Mitarbeiter
Da bis auf die Positionierung des Brueckengliedes in Bezug auf die
Pfeiler keine zahntechnischen oder anatomischen Kenntnisse vonnoeten sind, kann
fast jeder Mitarbeiter mit der Maschine arbeiten. Es gibt Gebrauchsanleitungen
fuer alle Zwischenschritte - von der Modellherstellung bis zu Glasinfiltration.
Bei der heutigen Knappheit von zahntechnischen Fachkraeften ist dies durchaus
ein Argument. Der Mangel an qualifizierten Zahntechnikern wird sich als der
Engpass in der Zukunft erweisen. Diese Mitarbeiter werden aber mit ihren
Faehigkeiten im Bereich Aesthetik und Funktion eingesetzt werden muessen. Die
Frage, ob es Sinn macht, technische Leistungen einzukaufen oder im Hause selbst
erbringen, soll jeder selbst entscheiden. Die Moeglichkeit der Dokumentation
aller je hergestellten Teile ist sehr interessant.
Perspektiven
Das Cerec inlab kam mit einem relativ kleinen Anwendungsspektrum
auf den Markt. Die Versprechen des Marketing sollten durch die Maschine
bestaetigt werden und dies ist gelungen - entgegen manchen Mitbewerbern. Die
Moeglichkeiten in diesem System sind sicher auch noch nicht ausgeschoepft.
Andere Materialien und Erweiterung der Konstruktionssoftware bieten sich
geradezu an und haben bei Sirona einen hohen Stellenwert. Die
Geraetedifferenzierung in Scanner und Schleifmaschine ist dem Hersteller auch
eine Ueberlegung wert. Die Darstellung der Konstruktion in 3 D-Modus ist ebenso
nicht vergessen.
Wertung
CAD/CAM als alleiniges Kennzeichen fuer einen fortschrittlichen
Betrieb zu bezeichnen, ist sicher nicht gerechtfertigt. Alle Maschinen koennen
die individuelle Arbeit des Zahntechnikers nicht ersetzen. Es koennen aber
Maschinen eingesetzt werden, um die Voraussetzungen zu liefern, perfekten
Zahnersatz herstellen zu koennen. Unter diesem Gesichtspunkt hat das
Cerec-inLab einen deutlichen Vorteil. Es ist alltagstauglich und liefert
Produkte fuer den Alltag. Die zu erwartenden Erweiterungen lassen zudem eine
breitere Anwendung des Geraetes moeglich werden.
Die bis dato von uns hergestellten etwa 1000 Einheiten lassen in
den 2 Jahreneine positive Bilanz zu. Misserfolge waren meistdurch zu
grosszuegige Kompromisse bedingt. Die Optimierung der Arbeitsweise zu einer
Routinemethode im Labor dauerte etwa ein Vierteljahr. Inzwischen wird die
Maschine mit der gleichen Selbstverstaendlichkeit genutzt wie ein Vorwaermeofen
oder ein Polymerisationsgeraet.
30. Prof. B.
Wöstmann, Giessen: Abformungen mit Triple-Trays?
In der zahnaerztlichen Praxis werden mehr und mehr sogenannte
Triple-Tray Abformtechniken eingesetzt, bei deren Anwendung die abzuformende
Zaehne gleichzeitig mit dem Gegenkiefer dargestellt werden. Insbesondere wird
diese Technik fuer kleinere Restaurationen empfohlen. Leider liegen bisher zu
der mit dem Verfahren erreichbaren Genauigkeit nahezu keine aussagekraeftigen
Daten vor. Dies ist umso erstaunlicher, als dass in den USA gegenwaertig nahezu
jede 2. Einzelzahnrestauration auf Basis einer Triple-Tray Abformung gefertigt
wird. Um die gleichzeitige Abformung des bezahnten Ober- und Unterkiefers einer
Seite zu ermoeglichen, befindet sich ein feines Netz, das von Kunststoff bzw.
von Metall ummantelt ist, im Abformtraeger. Die Kieferrelation soll bei diesem
Verfahren also bereits mit der Durchfuehrung der Abformung bestimmt und eine
Gegenkieferabformung und die folgende Kieferrelationsbestimmung sollen dadurch
ueberfluessig werden. Die Praxistauglichkeit und Genauigkeit des
Abformergebnisses bei Abformung mit Hilfe des Dual-Arch-Systems im Vergleich zu
konventionellen Abformtraegern gilt es hierbei hinsichtlich der Dimensions- und
Okklusionsveraenderungen zu pruefen.
Ziel dieser Untersuchung ist es, die Qualitaet der
Abformung unter Verwendung des Dual-Arch-Systems als Abformtraeger messbar
darzustellen und im Vergleich zu konventionellen Abformtraegern zu bewerten.
Zur Untersuchung des Dimensionsverhaltens avon Abformmaterialien
unter Verwendung von verschiedenen Loeffeln wurden auf einem Versuchsmodell je
ein Zahn zur Aufnahme einer Krone, einer Teilkrone und es mod-Inlays
praepariert und mit 3 verschiedenen Materialien (Impregum Penta, ESPE;
Dimension Penta H Quick/Garant, ESPE, Honigum Mixstar Mono, DMG) in ein- und
zweizeitigen Techniken abgeformt. Zusaetzlich wurden Korrektur- und
Doppelmischabformungen mit Panasil putty soft/contact plus (Kettenbach) im
Schreinemakersloeffel durchgefuehrt. Pro Serie wurden jeweils 10 Abformungen
durchgefuehrt. Die insgesamt 130 Situationsmodelle wurden dann jeweils mit
Spezialhartgips Typ IV hergestellt.
Alle Abformungen wurden von einem urmodell genommen, welches
eigens fuer diese Unterschungen hergestellt wurde. Als Urmodell fan ein
umgearbeitetes Unterkiefer-Frasako-Modell Verwendung. Die fuer die Abformung
relevanten Zaehne des 4. Quadranten waren in Metall gestaltet und direkt ueber
Metallbloecke auf eine Metallplatte geschraubt. Der Fehler durch thermische
Veraenderungen wie bei einem Kunststoff-Modell wurde vernachlaessigbar gering.
Das Urmodell wurde mit drei in Stahl ueberfuehrten praeparierten
Zaehnen bestueckt, wobei an Zahn 45 eine Teilkronen-, an 46 eine Inlay- und an
47 eine Kronenpraeparation durchgefuehrt wurde. Zusaetzlich wurden an diesen
praeparierten Zaehnen kleine Kerben als Referenzpunkte eingefraest. Als
Abformloeffel fanden zum einen Triple-Tray-III-Abformtraeger der Firma
Premier Dental Products Co. aus Kunststoff und zum anderen
Dual-Arch-Metall-Abformtraeger der Firma Temrex Verwendung. Des weiteren
kamen Schreinemakers und individuelle Loeffel zum Einsatz. Zur Herstellung der
individuellen Loeffel wurde das Material Palatray XL verwendet. Eine
gleichmaessige Schichtdicke des Abformmaterials von 2-4 mm und eine
ausreichende Wandstaerke des Loeffels von mindestens 3 mm war gewaehrleistet.
Alle Materialien wurden nach Herstellerangaben verarbeitet. Alle
Abformmaterialien haerteten bei Raumtemperatur in der von den Herstellern
angegebenen Zeiten aus. Die Entfernung vom Urmodell geschah jeweils mit einem
kurzenRuck. Im Falle der Dual-Arch Abformtraeger wurde zuvor der Artikulator
geoeffnet.
Saemtliche Abformungen wurden auf dem Lumen liegend gelagert und
fruehestens nach 60 Minuten, spaetestens nach drei Stunden ausgegossen. Die
Referenzpunkte wurde mit dem Messmakroskop M420 der Firma Leica (Wetzlar)
optisch vermessen. Die Messgenauigkeit des Geraetes lag aufgrund der
optischen Aufloesung bei +/- 10 mm. Dabei dienten zur Beschreibung der Teilkronenpraeparation
28, zur Auswertung des Inlays 10 sowie zur Analyse der Kronenpraeparation 20
Messstrecken.
Ergebnisse:
·
Allgemein sind die Veraenderungen der Messstrecken bei Abformung von
Inlays und Teilkronen groesser als bei Abformung von Kronen.
· Bei
Abformung von Kronen sind hinsichtlich der Genauigkeit keine Nachteile
von Dual-Arch Kunststoff Abformtraegern im Vergleich zu
individuellen oder
Schreinemakers Loeffeln zu erkennen.
· Bei
Abformung von Inlays oder Teilkronen werden bei Verwendung
konventioneller Abformloeffel genauere Ergebnisse erzielt als mit
Dual-Arch
Abformtraegern.
· Die
Auswahl des Loeffels hat groessere Auswirkungen auf die Genauigkeit der
Abformung als die Auswahl des Abformmaterials.
·
Allgemein sind die Veraenderungen der Messstrecken bei Abformung von
Inlays und Teilkronen groesser als bei Abformung von Kronen.
· Die
Korrekturtechnik zeigt bei Abformung von Kronen deutlich schlechtere
Ergebnisse als die anderen Techniken. Bei Abformung von Inlays
oder
Teilkronen ist die Durchfuehrung der Korrekturmethode nicht von
Nachteil.
Es laesst sich also feststellen, dass der entscheidende Faktor bei
Verwendung von Abformmaterialien und Abformloeffeln die richtige Kombination -
unter Durchfuehrung der jeweils guenstigsten Abformtechnik - ist. Bei der Wahl
dieser Kombination spielt die Gebisssituation des Patienten eine entscheidende
Rolle. Im Rahmen dieser Arbeit wurde ersichtlich, dass in diesem Bereich bisher
noch zu wenig Untersuchungen durchgefuehrt wurden und hier noch weiterer
Handlungsbedarf besteht. Bei richtiger Indikationsstellung jedoch scheinen
Dual-Arch Abformtraeger insbesondere aus Kunststoff eine zeitsparende und
kostenguenstige Alternative zu den herkoemmlichen Loeffeln zu sein.
31. A. Hoffmann, ZTM,
Gieboldehausen: Primärteleskope aus CNC-gefräster Keramik
Sekundärteleskope galvanisch
strukturiert Tertiäre Strukturen
mit lichthärtendem Wachs Verblendtechniken mit CNC-gefrästen Veneers
Die Herstellung von keramischen Primaerteleskopen ist seit
geraumer Zeit im zahntechnischen Alltag anzutreffen. Wurden die ersten
Primaerteleskope mit Presskeramiken hergestellt, die aus einer Feldspatkeramik
bestanden, so sind heute stabilere Werkstoffe im Einsatz. Das Aluminiumoxid
oder der Einsatz von Zirkonoxid. Diese beiden Werkstoffe sind wesentlich
stabiler und koennen zementiert als auch geklebt werden. Daher gibt es fuer den
Behandler im normalen Behandlungsablauf weniger Unterschiede bei der
Eingliederung dieser Arbeiten. Die hoehere Stabilitaet von Aluminiumoxid und
die noch hoehere Stabilitaet von Zirkonoxid bedeuten hier ein grosses Stueck
zahntechnischer Sicherheit, wenn es um die Eingliederung dieser Arbeiten geht,
denn durch den Druck der mit einem Kleber oder einem zementgefuellten
Primaerteleskop erfolgt entsteht immer Zugspannung auf die Keramik.
Keramiken sind prinzipiell nicht sehr stabil, wenn es um
Zugspannung geht. Druckspannung kann die Keramik sehr gut vertragen. So stellt
sich nach der Eingliederung und dem definitiven Zementieren nur noch die
Druckspannung dar, welche ueber ein Sekundaerteil auf die Keramik uebertragen
wird und hier lassen diese primaeren Teleskope aus Keramik eine sehr hohe
Lagestabilitaet erwarten. Im Gegensatz zu metallischen Teleskopen sind diese
Arbeiten noch nicht die Regel und bedeuten fuer den Behandler, die nach den
Kriterien der Vollkeramik notwendigen Praeparationsgrundlagen unbedingt
einzuhalten. Sind die klinischen Voraussetzungen fuer eine
Vollkeramikrestauration gegeben und die praeparationsbedingten Arbeitsweisen
fuer diese Indikation machbar, so lassen sich die Modellationen in Wachs
ueblicherweise genauso darstellen wie fuer metallische Strukturen
konventioneller Art.
Nach der Modellation und der Parallelisierung der Aussenflaechen
im Parallelbereich koennen diese Wachsstrukturen eingebettet oder auch digital
erfasst werden. Der Einsatz von lichthaertendem Wachs bildet hier eine
Verbesserung gegenueber konventionellen Modellationsmethoden, da dieser
Werkstoff sich wie ein Metall fraestechnisch mit rotierenden Instrumenten nach
der Polymerisation bearbeiten laesst. Gerade im Verbund von mehreren
Pfeilerkronen ist in der Teleskoptechnik die Fraestechnik die genauere
Herstellungstechnik zum Parallelisieren einzelner Stuempfe zueinander. Da bei
der fraestechnischen Umsetzung durch das polymerisierte lichthaertende Wachs
das Verhalten der lichthaertenden Wachsstruktur so stabil ist, dass es sich
aehnlich einem Metall fraesen laesst, ergeben sich hier fuer die vollkeramische
Grundlage bessere und perfektere Ausgangswerte. Im Bereich der vollkeramischen
Restaurationen werde ich an einem Beispiel die drei grundsaetzlich
verschiedenen Materialien in ihrer Herstellungstechnik aufzeigen.
- Nach der Herstellung der Wachsmodellation kann diese Modellation
fuer die Presskeramik vorbereitet werden, d.h. eine Anstielung mit einem 3 mm
Wachskanal sorgt dafuer, dass diese Modellation eingebettet werden kann, um sie
nach dem Vorwaermen und Ausbrennen der Muffel dann mit einem
Keramikpresssystem, in diesem Fall mit dem Cergopress-System aus einer
Feldspatkeramik presstechnisch umzusetzen. Nach dem Abkuehlen der Muffel und
dem Ausbetten der Objekte kann nun mit der weiteren Verarbeitung der
Primaerteleskope begonnen werden.
- Die Herstellung von Aluminiumoxidteleskopen mit Hilfe der
Procera-Technik.
Auch hier bildet die Wachsmodellation aus lichthaertendem Wachs
die Grundlage und stellt durch eine abschlie?ende Fraesung in diesem Werkstoff
eine perfekte primaere Gestaltung dar. Nach dem saemtliche Stuempfe
fraestechnisch ueber die Modellation parallelisiert und endgueltig
ausgearbeitet worden sind, werden die einzelnen Stuempfe in einem Objekthalter
festgestellt. Danach erfolgt die Abscannung des Stumpfes mit dem
Procera-Scanner. Hierbei handelt es sich um eine Oberflaechenabtastung, die
durch einen rotierenden Stumpf mittels einer Rubinspitze eine direkte Abtastung
des primaeren Stumpfes erlaubt. Nachdem der gesamte Stumpf im Rechner
eingescannt worden ist, setzen wir die passende Primaerteleskop-Modellation auf
den Stumpf und wachsen sie cirkulaer, ohne den Sockel aus dem Scanner zu
nehmen, fest. Ein zweiter gleichartiger Scannvorgang zeichnet nun die
parallelisierten Oberflaechen des Teleskopes auf und bringt beide Dateien in
Deckung. So entsteht aus der realen Modellation nun ein rechnergestuetztes
Primaerteleskop, welches als Datensatz ueber ein Modem direkt nach Schweden
geleitet wird. In Goeteborg werden aus diesen Daten nun CNC-gefraeste Stuempfe
mit dementsprechend aufgepressten Kappen hergestellt. Der weitere Datensatz
wird benoetigt, um die Aussenflaechen dieser aus Aluminiumoxidkeramik
hergestellten Flaechen durch eine CNC-Fraesung exakt den Gegebenheiten
anzupassen. Auch hier erfolgt durch eine Sinterschrumpfung eine exakte
Uebereinstimmung mit den Original-Wachsmodellationen. Nach 1,5 Tagen kommen
ueber UPS diese Primaerteleskope zurueck in unser Haus. Der perfekte Sitz
dieser Strukturen ueberzeugt schon seit Jahren.
Die Herstellung von Zirkonoxid-Teleskopen
Mit dem Cercon-System der Degussa ist es moeglich, auch
Wachsmodellationen direkt ueber einen Laser-Scanner abzutasten. Hierbei wird
das Verfahren etwas anders als in der Procera-Technik dargestellt. Die direkte
Wachsmodellation wird mit Hilfe von einem Anstiftkanal in einen speziellen
Spannrahmen eingeklebt und direkt ueber einen Laser abtastbar gestaltet. Die
Wachsmodellation muss zur besseren Oberflaechenreflektion fuer den Laserstrahl
mit einem speziellen Puder (Titanoxid) eingestaeubt werden, um dem Laser das
Eindringen in die Wachsoberflaeche nicht zu ermoeglichen. Sonst wuerden falsche
Daten in den Rechner programmiert werden, da die direkte Oberflaeche nicht mit
der aus der Wachsmodellation reflektierenden Flaeche uebereinstimmen wuerde.
Nach dem Innen- und Aussenscannvorgang dieser Wachsmodellationen hat der
Rechner saemtliche Daten der Modellation abgespeichert und ein spezielles
Programm errechnet den fuer den Gruenling - ein vorgesintertes Zirkonoxid,
welches durch die Sinterschrumpfung erst auf die endgueltige Haerte gesintert
wird das zu vergroessernde Objekt. Der Vergroesserungsfaktor liegt bei knapp 30
%, so dass der Rechner hier die Sinterschrumpfung dementsprechend
beruecksichtigt. In einem zweiten Verfahren wird aus diesem Gruenling mit Hilfe
von zwei verschiedenen Bohrertypen nun eine um ca. dreissigprozentig
vergroesserte Form geschliffen, die anschlie?end in einem speziellen Ofen bei
1.350· C ueber ca. 5 Stunden einer Sinterschrumpfung unterzogen wird.
Bei diesem Prozess erfaehrt die Kappe ihre endgueltige Groesse und kommt nach
dem Sinterungsprozess (Aufheizphase/Haltezeit/Abkuehlphase) nach ca. 7 Stunden
wieder auf den Labortisch zurueck. Leichte Korrekturen der Passung fuehren zu
einem perfekten Sitz.
Allen Keramiken ist es eigen, dass sie nach Moeglichkeit nass mit
Turbinen geschliffen werden sollten, bzw. mit Diamanten geschliffen werden
muessen. Hohe Drehzahlen, geringer Anpressdruck und niedrige dabei
resultierende Waermeentwicklung sind ein Garant fuer eine perfekte Keramik.
Werden hierbei Fehler gemacht (trockenschleifen) oder wird der Druck der
rotierenden Werkzeuge auf die Keramik zu gross, so werden sehr hohe
Temperaturen freigesetzt, die zu Mikrorissen in der Keramik fuehren koennen. Da
diese Keramiken spaeter nicht mehr thermisch veraendert werden, sondern durch
den Fraesprozess in ihrer Oberflaechenguete endgueltig hergestellt werden,
koennte dies zu einer Materialschwaechung fuehren. Je nach Unterschied der
Keramik muessen lt. Herstellerangaben bestimmte Mindeststaerken eingehalten
werden. Am dicksten sind die Feldspatkeramiken, weil hier nicht so eine stabile
Matrix zugrunde liegt. Aluminiumoxid laesst sich wesentlich besser in der
Staerke und Dimensionierung behandeln. Am besten scheint hier das Zirkonoxid,
da es mit der hoechsten Stabilitaet und den geringsten Wandstaerken einer
nahezu metallischen Ausdehnung von Primaer-Teleskopen gleichkommt.
Nicht jedes Labor verfuegt ueber eine Turbinenschleifanlage, die
in der Lage ist planparallele oder bestimmte Konuswinkel zu fraesen. Wir haben
sehr gute Erfahrungen damit gemacht, die passenden FG-Diamanten mit einem
Adapterteil zu versehen, um sie auf eine Schaftgroesse von 2,35 mm zu bringen
und dann mit konventionellen Fraesgeraeten zu verarbeiten. Um die
Wasserkuehlung jederzeit zu garantieren, haben wir die Fraesgeraete mit einem
normalen Infusionsbesteck versehen, welche uns in die Lage versetzen ueber eine
Braunuele die Wasserversorgung direkt bis zum Diamanten zu leiten. Ein
Tropfsystem ermoeglicht eine sehr genaue Freisetzung der Wassermenge beim
Schleifen. Um die keramischen Raender jederzeit abzusichern und eine
Sicherstellung des feuchten Milieus beim Schleifen zu sichern, unterlegen wir
die Primaer-Teleskope aus Keramik mit einer Lage eines Papiertaschentuches.
Dieses Papiertaschentuch wird sich durch Befeuchtung wie ein Schwamm voll
saugen und somit den Luftfilm zwischen Gips- oder Kunststoffstumpf und Keramik
auffuellen. Damit ist gewaehrleistet, dass auch der Randbereich permanent
feucht gehalten wird, da dieser Streifen des Papiertaschentuches wie ein
Schwamm das Wasser speichert. Gleichzeitig bewirkt diese Lage einen sicheren
Sitz auf dem Stumpf, der durch das auf der Oberflaeche rotierende Schleifen
sonst mit Mikrobewegungen auf dem Stumpf reagieren koennte. So bekommen wir
einen sehr lagestabilen, primaeren Keramikunterbau, der sich am Fraesgeraet mit
hoher Drehzahl, zwischen 25.000 bis 30.000 Touren drucklos mit passenden
FG-Diamanten, die fuer die Zahnmedizin entwickelt worden sind, hervorragend
oberflaechenbearbeiten laesst. Nachdem die eigentliche endgueltige
Schleifarbeit erledigt ist, benutzen wir die Finier-Diamanten um eine
endgueltige, fast spiegelnde Keramikoberflaeche zu erzeugen. Diamantisierte
Gummipolierer koennen saemtliche konischen Flaechen und auch Randbereiche
glaetten und zum Finish der gefraesten primaeren Struktur beitragen. Das
Auffuellen der primaeren Teleskope mit Kunststoff und dem gleichzeitigen
Bestuecken mit einem Kupferdraht ermoeglicht uns aus den original keramischen
Primaerteleskopen eine Elektrode herzustellen. Saemtliche zu ueberkappenden
Anteile des Primaertelekops werden mit Hilfe von Leitsilberlack elektrisch
leitfaehig gemacht. Eine Leitsilberflaeche baut ca. 3-6 my Platz auf, welcher
fuer das friktive Gleiten der galvanischen Strukturen notwendig ist. Kommt
spaeter Speichel als Platzfueller zwischen Primaer- und Sekundaerstruktur, so
kann sich hier sehr schnell ein Vakuum bilden, dass fuer den Patienten zu einem
unloesbaren Problem fuehrt. Deshalb ist es empfehlenswert, hier etwas mehr
Platz vorzusehen und das kann durch ein zweites Beschichten mit Leitsilber,
ueber die schon vorhandene ausgehaertete Leitsilberschicht, erfolgen. Mit ca.
12 my Spielpassung haben wir eines der genauesten Systeme und wir sprechen in
der Zahntechnik von einer realen Friktion, die sich tatsaechlich darstellen
laesst. Die Kontaktierung des Kupferstabes schliesst die Herstellung der
Elektrode ab. Unsere Original-Teleskope kommen nun in ein geeignetes
Galvanisierverfahren. Nachdem die Abscheidung des Goldes (eine Schichtstaerke
von 0,3 mm) erfolgt ist, erfolgt eine Kontrolle unter dem Arbeitsmikroskop, um
Randbereiche in untersichgehenden Bereichen der Teleskope zu korrigieren.
Saemtliche, auch noch so kleine Fehlstellen fuehren zu einem dauerhaften
Verbleib der galvanischen Struktur auf dem Keramikteleskop. Mit Hilfe
geeigneter Gummipolierer kann die Goldstruktur soweit gekuerzt werden, dass wir
zu einer sicheren, nicht untersichgehenden Sekundaerstruktur kommen. Das
Abheben der Goldstrukturen vom keramischen Unterbau gestaltet sich manchmal
etwas schwierig, hier helfen zwei kleine Tricks.
Legt man die gesamte Struktur fuer ca. 10 Minuten in das
Ultraschallbad, dass mit warmer Seifenlauge gefuellt ist. Nach diesem Prozess
sollten sich die Kappen durch ganz normalen Schub nach oben abschieben lassen.
Die Indifferenz zwischen der Keramik, dem Leitsilber und dem Gold fuehrt zu
einer Trennung dieses Systems. Sollten hierbei immer noch Abzugswiderstaende
auftreten, die zu gross sind, um die duenne Goldkappe nach oben wegschieben zu
koennen, ummanteln wir das obere Drittel der Galvanokrone mit Kunststoff und
verankern gleichzeitig eine kleine Drahtoese im Kunststoffabzugsteil. Der
Elektrodendraht und unsere Abzugshilfe werden auf leichten Zug gesetzt und mit
einem Handinstrument kann auf den unteren Elektrodendraht eine leichte
Vibration erzeugt werden. Unter kontinuierlichen Zug sollte sich auf diese Art
die Goldkappe problemlos vom galvanischen Unterbau loesen lassen. Nach der
Loesung des Unterbaus koennen die keramischen Strukturen abgedampft werden und
die galvanischen Strukturen waschen wir in einer 10%igen Salpeterloesung aus um
auch die letzten Silberlackreste aus dem Gold zu entfernen. Ein vorsichtiges
Vorwaermen auf ca. 150· C im Keramikofen (geoeffnete Brennkammer) loest
den Kunststoffstumpf im Primaer-Teleskop, welcher ueber den Elektrodendraht
noch verankert ist. Durch leichten Zug kann das nun thermoplastisch gewordene
Kunststoffelement aus dem Primaer-Teleskop entfernt werden. Um fuer die
weiteren Bearbeitungsschritte in der Zahntechnik immer einen perfekten Sitz zu
bekommen, kleben wir mit einem konventionellen Heisskleber die keramischen
Primaer-Teleskope auf den Arbeitsstuempfen fest. Somit ist gewaehrleistet, dass
wir immer eine perfekt sitzende Unterstruktur haben, die sich auch nicht
verkanten, oder nicht abheben kann und bei weiterer Verarbeitung mit dem Modell
eine Einheit bildet. Das Aufsetzten der galvanischen Struktur sollte nun
problemlos fuer alle Kronen nach dem Herausloesen des Leitsilbers moeglich
sein. Um nun die tertiaeren Modellationen machen zu koennen, werden die
galvanischen Teleskope mit ein wenig Vaseline versehen und in die Endposition
auf die primaeren Strukturen gedrueckt. Wichtig ist, dass dieses galvanisch
abgeschiedene Gold zu keinem Zeitpunkt erwaermt wird, da es sonst schnell
rekristallisieren wuerde und seine jetzt noch vorhandene Haerte von ca. 140-150
HV sofort verlieren wuerde. Ausgegluehte Primaer-Teleskope haben noch eine
Vickers Haerte von ca. 28-40 V und waeren fuer eine Teleskoparbeit nicht weiter
geeignet. Durch die Vaseline wird das Teleskop hermetisch abgeschlossen und
sitzt so perfekt auf dem Keramik-Teleskop. Mit rosa Modellierwachs schaffen wir
eine hauchduenne Ausblockflaeche zu den galvanischen Teleskopen, die spaeter
als Klebefuge dienen soll. Der Einsatz von lichthaertendem Wachs
ermoeglicht hier eine sehr schnelle und rationelle Arbeitsweise. Wir nehmen
eine Portion dieses Modellierwachses und wiegen diese fuer die unterschiedliche
Zahngroesse ab. Fuer Frontzaehne benutze ich 0,2 g Modellationsmaterial, fuer
Prmolaren 0,3 g und fuer Molaren 0,4 g Material. Da wir mit diesem
Material kalt modellieren und zu keinem Zeitpunkt dieses Material aufschmelzen
muessen, ist es ratsam die Wachsgewichte einigermassen genau im Vorfeld zu
lokalisieren. Eine kleine Kugel dieses Wachses wird in den Fingern plastisch
gedrueckt und von okklusal inzisal kommend ueber die Galvanokrone gestuelpt.
Durch leichten Fingerdruck koennen wir so sehr schnell eine Kappe formen. Das
Schliessen des Gegenbisses gibt uns die endgueltige Hoehendifferenz dieser
Krone an und wir sind innerhalb kurzer Zeit in der Lage durch das Druecken der
anatomischen Formen eine Kronenform entstehen zu lassen. Nach der Herstellung
der groben, aeusseren Form, erfolgt die Polymerisation fuer 10 Minuten im
Heralight-Geraet. Sind die tertiaeren Wachsmodellationen auspolymerisiert,
koennen wir mit Hilfe von rotierenden Instrumenten diese endgueltig
ausarbeiten. Die labialen bzw. bukkalen Flaechen werden, wie fuer eine
Veneerpraeparation vorbereitet und ausgearbeitet.
Ueber dem Bunsenbrenner waermen wir die Teleskopzangenspitze
leicht an, bis sie ca. 40· C erreicht hat. Nun koennen wir die
Teleskopzange in das galvanische Sekundaerteleskop halten und uebertragen die
Waerme auf die Goldkappe. Da Gold ein sehr guter Waermeleiter (310 mk) ist,
wird die vorher zur Abdeckung aufgeschwemmte hauchduenne Wachsflaeche sehr
plastisch und unsere Teleskopkrone gleitet regelrecht aus der Modellation
heraus. Mit einem Wattestaebchen reinigen wir die Innenflaeche unserer
tertiaeren Struktur von Modellierwachsresten, ebenso die Goldschicht von
unserer Galvanokrone. Jetzt koennen wir saemtliche Kronen mit Hilfe der
Modellgusstechnik miteinander verbinden und mit lichthaertendem Wachs
polymerisieren. Die Anstiftung und gusstechnische Umsetzung erfolgt wie in der
Kronen- und Brueckentechnik, im direkten Abhebeverfahren. Auch hierbei kann
hervorgehoben werden, dass nach der Polymerisation die gesamte
Modellgussstruktur perfekt ausgearbeitet werden kann. Hier ersparen wir uns
einen grossen Zeitaufwand nach der gusstechnischen Umsetzung. Ausbetten,
abstrahlen und - passt, sollte hier das Ergebnis sein, welches wir anstreben.
Nach der Ausarbeitung und Politur unseres Modellgusses mit den tertiaeren
Kronen, die im Einstueckguss hergestellt worden sind, verkleben wir die
galvanischen Strukturen mit dem Modellgussgeruest. Hierzu benutzen wir
folgenden technischen Arbeitsablauf.
Aufstrahlen der galvanischen Oberflaechen und Ausstrahlen der
tertiaeren Kronen.
Beschichtung mit Rocatec, um ein Silanisierungsverfahren zu
erreichen.
Dual haertende Komposite bieten sich fuer die dauerhafte
Verklebung hier an.
Die Beschichtung der galvanischen Kronen, die sich auf dem Modell
befinden, sowie auch der tertiaeren Geruestkonstruktionen erfolgt beidseitig,
danach wird der Modellguss vorsichtig ueber die galvanischen Strukturen,
definitiv auf dem Modell fixiert. Durch das Verkleben der primaeren Strukturen
mit Heisskleber haben wir eine feste Arbeitsgrundlage mit definierten
Endpositionen unserer Galvanokappen. Vor der Aushaertung wird das gesamte
Geruest abgehoben und ein Ueberschuss, der ausgequollen ist, zwischen
Galvano-Metall und tertiaerer Struktur beseitigt. Ebenso koennen hierbei
Kontaminationen auf der Modellunterflaeche beseitigt werden. Auch hierbei
muessen wir schon den perfekten Sitz der galvanischen Kronen spueren, es darf
kein Klemmen und kein Reiben geben. Nun setzen wir diese, nach der Reinigung
immer noch weiche, noch nicht endgueltig ausgehaertete Verklebung wieder auf
dem Modell in situ fort. Eine Aushaertung auf dem Modell in Endposition kann
zusaetzlich durch Gummiringe, die die Modellgussstruktur sicher auf die
Oberflaeche druecken, repositioniert werden. Je nach Herstellerangaben,
zwischen 10 Minuten und 2 Stunden kann es dauern, bis das dualhaertende
Material endgueltig abgebunden ist. Versaeubern der Raender, bildet hierbei den
Abschluss in Einklebung der Galvanostrukturen in das tertiaere Geruest. Nach
dem Anschleifen der zu verblendenden Flaechen, welche nach den Richtlinien der
Veneerpraeparationstechniken gestaltet worden sind, erfolgt das Abstrahlen
dieser Verblendflaechen. Mit Rocatec werden die zu silanisierenden Bereiche
beschichtet. Anschliessend nehmen wir einen lichthaertenden, passenden
zahnfarbenen Opaker und beschichten diese Silanschicht auf den Verblendflaechen
mit dem Opaker. Ein spaltfreier Verbund zwischen dem Silan und dem
lichthaertenden Opaker garantiert uns eine dauerhafte, innige Verbindung zum
Metallgeruest. Ueber die Silanbruecke haben wir einen tribolisierenden
Effekt, so dass wir eine dauerhafte und innige Verbindung zwischen Metall und
Kunststoff erreichen. Die Inhibitionsschicht auf dem Opaker wird weggewischt
und mit Cerec 3, unter Zuhilfenahme der Kamera, digitalisieren wir die zu
verblendenden Flaechen. Zahn fuer Zahn entsteht am Rechner die eigentliche
Verblendung unter Zuhilfenahme der Venneersoftware. Das Scannen und Fraesen
einer Verblendung dauert ca. 30 Minuten. Nach 30 Minuten haben wir den fertig
geschliffenen Rohling vor uns liegen, der perfekt an die mit Opaker
beschichtete Flaeche passen sollte. Mit zahnfarbenem Wachs fixieren wir diese
Keramikoberflaechen in ihrer endgueltigen Position vor dem Geruest, um so Zahn
fuer Zahn perfekt anatomisch nachgestalten zu koennen. Mit Hilfe einer Turbine
lassen sich diese loydzitverstaerkten Feldspatkeramiken hervorragend manuell
bearbeiten. Wenn saemtliche Veneers endgueltig in Position und Form gebracht
worden sind, entfernen wir alle Veneers und reinigen durch Abdampfen und einem
anschliessenden Reinigungsbad in reinem Alkohol die Veneerflaechen.
Vorsichtiges Abdampfen der Gerueste im Verblendbereich saeubert die
Opakerschichten. Saemtliche Veneers koennen nun mittels eines Glanzbrandes
farblich weiter charakterisiert und endgueltig in Form gebrannt werden. Es
waere genauso gut moeglich, Schneidemassen und andere Dentinmassen
nachzuschichten und diese als Korrekturbrand vorher durchzufuehren, um
eventuelle Fehlstellen vorher darzustellen. In der Regel ist dieses bei der
heutigen zur Anwendung gebrachten Software und der grossen Routine, die wir in
der Herstellung von Veneers haben nicht notwendig. Nachdem Glanzbrand der
Veneerschalen koennen die zu verklebenden Flaechen, mittels einem
Flusssaeure-Gel nach Herstellerangaben passend angeaetzt werden. Nach der
Einwirkungszeit des Gels auf die Keramik werden die Veneers abgespuelt und in
destilliertem Wasser gereinigt. Eine anschliessende, mit Alkohol durchgefuehrte
Reinigung der Klebeflaechen garantiert ein einwandfreies Aetzmuster. Nun
erfolgt auch hier die Beschichtung mit Silan um eine dauerhafte Verbindung zu
der Keramik herstellen zu koennen. Der von uns gereinigte Opaker vor den
Verblendflaechen wird jetzt mit einer neuen Dispersionsschicht versehen, damit
wir eine chemische Anbindung an die Werkstoffoberflaeche bekommen. Mit Hilfe
von Panavia F, das in mehreren Farben vorhanden ist kleben wir die einzelnen
Veneerverblendungen in die perfekte Ausgangssituation ein. Die Ueberschichtung
mit Oxigat in den Randbereichen verhindert die Dispersionsschicht in der
Oberflaeche und fuehrt zur voelligen Aushaertung unseres Klebers. Nach der
Polymerisation erfolgt das Versaeubern der Randbereiche und die Entfernung von
Ueberschuessen. Die endgueltige Politur dieser Uebergaenge ermoeglicht eine
saubere, nicht sichtbare und einwandfreie Verarbeitung.
Fazit:
Die hier dargestellten Technologien lassen sich durch
unterschiedliche Merkmale voneinander unterscheiden und miteinander
kombinieren. Teleskope sind eine der bewaehrtesten und dauerhaftesten
Verbindungstechniken im Mund, zur Anbindung zwischen Restzahnbestand und
Prothese. Keramische Primaerteile fuehren auch bei der Demaskierung durch die
Prothese immer noch zu einem wesentlich harmonischerem und akzeptableren
Ergebnis, da fuer den Patienten abstossende Metallhuetchen im Mund nicht
sichtbar sind, sondern zahnfarbene Stuempfe dort verbleiben. Galvanisch
hergestellte, friktiv laufende Arbeitsflaechen sorgen fuer eine langfristige,
bestaendige Friktion dieser Arbeit und stellen keine Pseudopassung dar, die
durch Aufschleifen in einigen Reibepunkten relativ schnell auch
Friktionsverluste herbeifuehren koennte. Die keramische Verblendung ist
wesentlich aesthetischer und langfristig erheblich schoener im Mund des
Patienten (keine Verfaerbungen, keine Plaqueaffinitaeten). Die Verklebung
dieser Keramiken auf die Teleskope erfahren keine Aufschrumpfungen und
umgekehrt durch die Pufferwirkungen der Verklebungen wird ein Aufspannen der
Keramik nicht zu erwarten sein, erfahren so Verblendungen auch keine
nachtraegliche Eigendynamik in der Keramik. Selbstverstaendlich kommt es, wenn
ploetzlich und unerwartet das Waschbecken auf die Prothese springt
durchaus zur Fraktur von Keramik. Da diese Verblendungen CNC gefraest sind,
hinterlassen sie ihre Spuren im Computer. Auf Knopfdruck entstehen sie neu und
sind innerhalb von 30 Minuten austauschbar. Eine Reparatur, die bei
aufgebrannter Keramik so nicht machbar waere und die uns sonst immer ein wenig
Bauchschmerzen verursacht. Der Einsatz neuer Systeme, neuer Technologien mit
bewaehrten Techniken schafft hier ein grosses Stueck an Sicherheit und
vermittelt dem Patienten ein grosses Stueck Lebensqualitaet.
32. Prof. P.
Pospiech, München: Die vollkeramische Klebebrücke: Erfolge
und Misserfolge der letzten 10 Jahre
Die Versorgung von Einzelzahnlücken im Frontzahnbereich
stellt seit jeher ein besonderes Problem dar, weil der Zahnersatz ständig
dem kritischen Blick des Betrachters ausgesetzt ist. Die künstlichen
Kronen und das Brückenglied müssen nicht nur bezüglich
Abbissfunktion und Phonetik optimal gestaltet sein sondern auch
ästhetischen Ansprüchen genügen. Bei Pfeilerzähnen, die
fast oder gänzlich unversehrt sind, ist die Konstruktion einer
Klebebrücke eine Alternative zur vollständigen Überkronung. Der
Restaurationsrand kann so klein wie möglich und supragingival gehalten
werden und die gesunde Zahnhartsubstanz bleibt weitgehend erhalten. Nachteilig
ist, dass insbesondere bei jugendlichen Patienten mit transluzenten
PfeilerzÀhnen die Flügel metallgestützter Klebebrücken
grau durchscheinen können.
Hier bieten sich vollkeramische Systeme an, die absolut
bioverträglich sind, ähnliche physikalische Eigenschaften wie die
natürlichen Zahnhartsubstanzen haben und durch den Verzicht auf ein
Metallgerüst die Imitation der umgebenden Zähne wesentlich
vereinfachen. Nachteilig ist lediglich die Anfälligkeit der Keramiken auf
Biegebelastung. Erst mit der Entwicklung hochfester Keramiken konnte eine
Verwendung in Form von Klebebrücken realisiert werden.
So wiesen Kern und Mitarbeiter schon zu Beginn der 90er Jahre auf
die Möglichkeit hin, In-Ceram auch für vollkeramische
Klebebrücken zu verwenden. Dabei orientierten sie sich am Design der
metallgestützten Klebebrücke mit Flügelverankerung. Die
Flügel benötigen jedoch im Gegensatz zu den NEM-Legierungen bis zu
drei Mal so viel Platz und das Gerüst kann im Flügelbereich nicht
verblendet werden. Somit ist das Gerüst pur den
Einflüssen der Mundhöhle ausgesetzt. Es zeigte sich, dass das
infiltrierte Lanthan-Glas im Alumina-Gerüst sehr hydrolyseanfällig
ist. Dies führt zu einer Minderung der Gerüststabilität, was
klinisch zu Misserfolgen führt.
Eigene Untersuchungen führten zur Entwicklung eines
Rillendesigns für die vollkeramische Klebebrücke unter Verzicht auf
die Flügelverankerung. Dabei werden pro Pfeilerzahn im Abstand von 1 mm
zwei zueinander parallele Rillen mit 0,8 - 1,0 mm Tiefe präpariert. Dies
erbringt eine gute mechanische Lagestabilisierung der Brücke und eine
Entlastung der Klebefuge, da die möglichen Freiheitsgrade auf die
Einschubrichtung beschränkt sind.
In-vitro-Studien sowie Finite-Elemente-Berechnungen konnten
zeigen, dass dieses neuartige Design eine ausreichende Festigkeit für
Frontzahnklebebrücken ergab. Dennoch waren in der klinischen Anwendung die
primären Misserfolgsquoten zunächst höher als bei den eigenen
metallgestützten Konstruktionen.
Als Hauptursachen für die höheren initialen
Versagensquoten (meist innerhalb der ersten sechs Monate) werden gesehen:
Pfeilerzähne mit ungleichem Resilienzgrad durch
KFO-Vorbehandlung und unzureichend langer Retentionsphase.
Gefügefehler der In-Ceram-Alumina-Gerüstkeramik,
da die Gefügequalität entscheidend vom Zahntechniker abhängig
ist und somit einer hohen Fehlerstreuung unterliegt.
Nicht-werkstoffgerechte Bearbeitung der
Vollkeramikrekonstruktion: scharfe interdentale Separation und zu gering
dimensionierte interdentale Konnektoren.
Die Konnektorenbereiche sind die Areale, in denen sich die
Zugspannungen konzentrieren. Hier ist auf eine maximale Konnektorstärke zu
achten. Scharfe Separierungen wie sie von der Metallkeramik her bekannt sind,
müssen unbedingt vermieden werden. Die materialgerechte Vorgehensweise ist
die Verwirklichung einer maximalen Konnektorstärke sowie abgerundete Ecken
und Kanten.
Freilegen des lanthanglasinfiltrierten Aluminagerüstes
Das hochfeste Gerüst aus lanthanglasinfiltriertem Alumina
darf nicht frei dem Mundhöhlenmilieu ausgesetzt sein, da es sehr
hydrolyseanfällig ist.
Deshalb muss es zumindest mit einer Glasurschicht abgedeckt sein.
Bei vollkeramischen Klebebrücken auf In-Ceram-Basis muss deshalb vor der
endgültigen Eingliederung die Okklusion sauber adjustiert werden und die
Brücke noch einmal glasiert werden, insbesondere, wenn sie in
Okklusionskontakt steht.
Mit der Einführung der Lithium-Disilikatkeramik Empress 2 ist
eine wesentliche Erleichterung in der Herstellung der rillenverankerten
Klebebrücke eingetreten: Die Verarbeitung ist durch die Lost-Wax-Technik
vereinfacht, das Gerüst ist nicht so opak wie die Aluminiumoxidkeramik und
die Fehleranfälligkeit ist durch die Presstechnologie deutlich geringer.
Die Keramik ist durch Flussäureätzung (20 Sekunden) einfacher und
kontrollierter konditionierbar. Aufgrund der hohen Transluzenz der hochfesten
Lithium-Disilikat-Keramik kann das Gerüst massiver und die
Verblendkeramikschicht dünner gehalten werden Die Gefügequalität
ist durch den Pressvorgang und die maschinelle Verarbeitung konstanter und der
Zahntechniker hat keinen Einfluss auf das Gefüge. Das hochfeste
Gerüst kann auch dem Mundhöhlenmilieu ausgesetzt sein, da es nicht
hydrolyseanfällig ist.
Von September 1997 bis Herbst 2001 wurden von an unserer
Poliklinik bislang 31 Klebebrücken auf Empress 2-Basis im Frontzahnbereich
eingegliedert. Dabei kam es lediglich zu einem totalen Misserfolg. Dieser
Patient wurde aber auf eigenen Wunsch nochmals mit einer
Empress-2-Klebebrücke versorgt. Insbesondere das transluzente hochfeste
Gerüstmaterial führte zu einer Àsthetischen Verbesserung, da
es sich harmonischer in die natürliche Bezahnung einfügt.
Zusammenfassend kann man sagen, dass die vollkeramische
Klebebrücke eine wertvolle Ergänzung des Therapiespektrums darstellt,
gleichwohl sie kein Universaltherapeutikum ist. Eine ausreichende
Klebfläche ist unabdingbar sowie eine Mindesthöhe im Konnektor von 3
mm. Die Pfeilerzähne dürfen keine unterschiedlichen Lockerungsrade
aufweisen, da dies zu zusätzlichen Torsionsspannungen führt.
Unter Berücksichtigung der besonderen werkstofftechnischen
Verarbeitungsnotwendigkeit bei der Nutzung metallfreier vollkeramischer Systeme
ist die Konstruktion einer vollkeramischen Klebebrücke ebenfalls
erfolgversprechend. |