| Freitag, den 15.6.2001 9. Prof.B. Wöstmann, Giessen: Passgenauer Zahnersatz durch effektive Zusammenarbeit zwischen Zahnarzt und Zahntechniker - Erkennen und Vermeidung von Abformfehlern - Passgenaue und ohne weitere Korrekturen einsetzbare Restaurationen sind der Wunsch eines jeden Zahntechnikers und Zahnarztes. Auf dem Wege zur Restauration stellt die Abformung einen entscheidenden Schritt dar, weil sie gewissermassen eine Brücke zwischen zahnärztlicher und zahntechnischer Arbeit repräsentiert. Ein hier gemachter Fehler ist im Nachhinein meist nicht mehr korrigierbar (es sei denn durch eine Wiederholung des gesamten Arbeitsablaufes); nicht selten fällt er sogar erst bei der Anprobe des fertigen Gussstückes auf. Der Erfolg einer Abformung hängt in erheblichem Masse davon ab, inwieweit es gelingt, vor allem kleine verdeckte Mängel erst gar nicht entstehen zu lassen. Neben materialimmanenten Ursachen für den Mißerfolg einer Abformung sind aber auch eine Reihe verfahrensbedingter Fehlerquellen vorhanden, die in direktem Zusammenhang mit den klinischen Verrichtungen bei der Abformung stehen. Aufgrund zahlreicher werkstoffkundlicher Aspekte ist die Erreichung eines absolut formkongruenten Negativs eines präparierten Zahnes in der Abformung nicht möglich, was in der Folge unvermeidbar zu unter- bzw. überdimensionierten Modellstümpfen führt. Ein gewisser Randschlussfehler der hergestellten Krone ist daher unausweichlich. Nach wie vor steht hinsichtlich der zuverlässigen Grösse dieses grundsätzlich unvermeidbaren Randschlussfehlers der ursprünglich von DREYERJØRGENSON in die Diskussion gebrachte Wert von 50 µm im Raum. Dieser gründet auf der Beobachtung, dass an Gussobjekten mit dieser Genauigkeit das Risiko zur Ausbildung einer sekundären Randkaries gegenüber dem Risiko der Entstehung einer restaurationsunabhängigen neuen Karies nicht mehr erhöht ist. Obwohl moderne Abformmaterialien bereits heute Hervorragendes leisten und diesem Ziel schon sehr nahe kommen, ist es allerdings beim gegenwärtigen Stand der dentalen Technologie sogar bei sorgfältigster Arbeitsweise allein aufgrund material- und verfahrensbedingter Fehler im Bereich der Modellherstellung, der Modellation und des Giessvorgangs selbst theoretisch kaum möglich, Randschlussgenauigkeiten dieser Grössenordnung durchgängig zu erreichen. Zwar lassen sich im Laborversuch Randschlussgenauigkeiten von durchschnittlich etwa 50-60 µm erzielen. Dieser Umstand darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass selbstverständlich auch grössere Randspalten auftreten können. Deshalb sollten zukünftige Entwicklungen der Materialien bevorzugt das Ziel haben, deren Anwendungssicherheit zu erhöhen. Dies erscheint wichtiger, als eine nur noch mit grossem experimentellen Aufwand nachvollziehbare Verbesserung solcher Materialkenngrössen, deren Potential in der klinischen Anwendung ohnehin nicht ausgeschöpft wird. In der Klinik hat dabei die Auswahl eines geeigneten Abformverfahrens und -materials für die spezielle Indikation wesentlichen Einfluss auf die Qualität der rekonstruktiven Arbeit. Interessanterweise sind dabei die werkstoffkundlichen Untersuchungen zufolge genaueren Sandwich- und Doppelmischtechniken klinisch nicht notwendigerweise die erfolgversprechenderen. Darüber hinaus stellen auch das Vorliegen einer Anästhesie bei der Abformung und die Wartezeit zwischen Präparation und Abformung - neben anderen - sehr wichtige, bisher aber weitgehend unbe-achtet gebliebene erfolgsrelevante Parameter dar. Auch wird der Erfolg einer Abformung massgeblich durch die Mundhygiene- und Parodontalverhältnisse beeinflusst. Bei der Abformung im Rahmen der Anfertigung implantatgetragenen Zahnersatzes stehen im Vergleich mit der Darstellung präparierter Zähne andere Probleme im Vordergrund. Da die meisten der heute verwendeten Implantatsysteme mit vorgefertigten Präzisionsteilen arbeiten, entfällt die Notwendigkeit der exakten Darstellung der Implantatoberfläche und Begrenzung als Analogie zur Präparationsgrenze beim natürlichen Zahn. Da Implantate jedoch osseointegriert sind und im Gegensatz zu natürlichen Zähnen - idealerweise - nicht die geringste Eigenbeweglichkeit aufweisen, kommt bei der Darstellung mehrerer Implantate der möglichst exakten dreidimensionlen Wiedergabe der Position der Einzelimplantate besondere Bedeutung zu. Eine konventionelle Brücke lässt sich im Gegensatz zu einer implantatgetragenen im Regelfall auch noch dann in situ bringen, wenn der Abstand der Pfeilerzähne auf dem Modell geringfügig von der tatsächlichen Position der Zähne abweicht, da das Desmodont dem einzelnen Zahn eine Beweglichkeit im Bereich von etwa 30-50 µm ermöglicht. Neuere Untersuchungen zeigen, dass es auch in der Implantologie nicht "das Abformmaterial" und "das Abformverfahren" gibt, sondern vielmehr in Abhängigkeit vom ver-wendeten Implantatsystem bzw. zu dem System angebotenen Übertragungsmöglichkeiten eine adäquate Abformtechnik ausgewählt werden muss. 10. Prof. J. Wirz, Basel: Zahnarzt und Zahntechniker als mögliche Verursacher von klinischen Misserfolgen Metallische Werkstücke, die aus nicht biokompatiblen Legierungen gefertigt sind, können dem Patienten schwere lokaltoxische Erkrankungen in der Mundhöhle verursachen. Im Zeichen der Kosteneindämmung sind seit Anfang der 80-er Jahre für Kronen- und Brückenersatz an Stelle der bewährten hochgoldhaltigen Edelmetall-Legierungen laufend neue Alternativlegierungen auf den Dentalmarkt gebracht worden, ohne dass über ihre Biokompatibilität genauere Kenntnisse vorhanden waren. Im Bereich der Aufbrennlegierungen haben als Vertreter der Gruppe der sogenannten NEM-Legierungen anfänglich die Nickel-Basis-Legierungen eine besondere Bedeutung erlangt und einige Jahre lang eine führende Stellung eingenommen. Seit geraumer Zeit wissen wir aber, dass einige Vertreter dieses Legierungstypes zu den korrosionsanfälligsten Legierungen gezählt werden müssen und andererseits die durch einen Korrosionsvorgang aus dem Legierungsgefüge entlassenen Metall-Ionen zum Teil über eine hohe toxische Potenz verfügen. Dies bringt die Gefahr mit sich, dass mit Nickel-Basis-Legierungen prothetisch restaurierte Patienten in ihrer Gesundheit ganz erheblich geschädigt werden können. Am wirksamsten sind dabei die Nickelionen, die bereits in minimalster Konzentration - im Bereich der analytischen Nachweisgrenze - schwere lokaltoxische Reaktionen in der Mundhöhle mit Gewebedestruktionen (Schleimhaut, Parodont und periimplantärem Gewebe) auslösen können. Diese toxischen Reaktionen sind noch häufiger als die allergischen und treten auch bei Nicht-Nickel-Allergikern auf. Neben Nickel-Basislegierungen für aufbrennkeramische Kronen- und Brückenarbeiten treten als weitere Quellen von Nickel-Ionen mit folgenschweren Reaktionen nickelhaltige Gusslegierungen für Gerüstprothesen, billige Lote jeglicher Art (auch Edelmetall-Lote können Ni oder Cadmium enthalten), Haftvermittler bei galvanisch vergoldeten Gerüstprothesen aus sonst korrosionsresistenten Kobalt-Basislegierungen sowie gewisse nickelhaltige Konstruktionselemente aus Edelmetall-Legierungen. In jüngster Vergangenheit werden von z.T. undurchsichtigen Organisationen den Zahnärzten vermehrt aufbrennkeramische Arbeiten in "hochwertigen NEM-Legierungen" zu extrem günstigen Preisen angeboten. Untersuchungen haben ergeben, dass es sich dabei fast ausnahmslos um festsitzende Werkstücke handelt, die in asiatischen oder auch in ehemaligen Ostblockländern aus bedenklichen Nickel-Basis-Legierungen gefertigt werden. Der moderne Dentaltourismus beispielsweise nach Ungarn, Thailand u.a. legen davon ein deutliches Zeugnis ab. Glücklicherweise sind wir heute in der Lage, mit dem sogenannten Splittertest auch Legierungen von festsitzendem Zahnersatz auf einfache Weise zu diagnostizieren und den wirklich metallgeschädigten Patienten sinnvoll und tatkräftig zu helfen. Es kommt aber auch immer wieder vor, dass in unseren Landen Dental-Labors dem nichtsahnenden Zahnarzt festsitzende und abnehmbare Werkstücke liefern, die nicht aus der deklarierten, korrosionsresistenten Kobalt-Basis-Legierung bestehen, sondern aus einer viel einfacher und problemloser zu verarbeitenden Ni-Legierung. Unterschiede können dabei kaum festgestellt werden, sind doch beide Legierungstypen schön silberfarbig. Über goldreduzierte und Palladiumbasis-Legierungen braucht man heute keine Worte mehr zu verlieren, weiss man doch nur zu genau, dass sie, bedingt durch ihre mangelnde Korrosionsresistenz schwere lokaltoxische Reaktionen auslösen gehen. Es muss aber betont werden, dass nicht - wie dies in den Massenmedien immer wieder proklamiert wird - das Palladium sondern die uneden, toxischen Zusätze wie Gallium, Kupfer, Cobalt und/oder Indium die Reaktionsauslöser sind. Die physiologischen Metallbelastungen der Mundhöhlen-Gewebe (Schleimhaut, Gingiva und Kieferknochen), wie sie in den letzten Jahren am Zentrum für Zahnmedizin der Universität Basel ermittelt worden sind, helfen, die metallbedingten pathologischen Reaktionen in der Mundhöhle zu definieren und zu verifizieren. Im Referat werden die obengenannten Aussagen mit klinischen Beispielen belegt und gezeigt, wie metallbedingte Misserfolge vermeidbar sind. 11. Prof.W.B. Freesmeyer, Berlin: Misserfolge in der festsitzenden Prothetik - Nur ein zahnärztliches Problem? In der Literatur werden für die festsitzende Prothetik mit Kronen und Brücken, seien sie auf natürlichen Zähnen oder Implantaten verankert, durchschnittliche Überlebensraten von 90 % innerhalb von 10 Jahren angegeben. Eine Erfolgsrate, die für die Qualität der Zahnmedizin und Zahntechnik spricht! Aber werden wirklich nur 10 % der eingegliederten festsitzenden Arbeiten innerhalb dieses Zeitraumes ausgewechselt? Statistik ist nicht immer Wirklichkeit! Oft stellt sich ein Misserfolg in der Therapie schon nach geringer Tragezeit ein. Es stellt sich folgende Frage: Wurde der Misserfolg auch erfasst oder fiel durch Dienstleistungs- und Werkvertrag aus der statistischen Bewertung heraus? Für Misserfolge werden meist zahnmedizinische Gründe, wie Indikationsstellung, Präparation, Abformung und Kieferrelationsbestimmung verantwortlich gemacht. Daneben werden auch funktionelle Einflüsse wie Knirschen und Pressen diskutiert, auch sollten technologische Probleme in Erwägung gezogen werden. Grund dafür ist, dass werkstoffkundliche Kenndaten, wie Bruchfestigkeit, Verbundfestigkeit, Scherfestigkeit, Giessverhalten und Abformverhalten hinreichend in in vitro-Untersuchungen untersucht und als geklärt und für die Praxis tauglich erscheinen. Tatsächlich hat ein klinischer Misserfolg bei festsitzendem Zahnersatz immer drei Seiten und liegt somit entweder auf zahnmedizinischem wie auch auf zahntechnischem Gebiet und oft auch auf Seiten der Industrie, dem Hersteller von Werkstoffen und Materialien und/oder Technologien. Anhand verschiedener Fallbeispiele werden typische Fehler in der Herstellung von festsitzendem Zahnersatz bei unterschiedlicher Indikation unter Verwendung verschiedener Technologien und Materialien dargestellt, die zu einem klinischen Misserfolg geführt haben. Der Autor ist sich dabei bewusst, dass es eine zentrale Aufgabe der AG Dentale Technologie ist, dazu beizutragen, dass Misserfolge aus zahnmedizinischer und zahntechnischer Sicht vermieden werden und die Industrie dazu anzuregen ist, dies bei der Herstellung moderner Werkstoffe und Technologien zu verwirklichen. Diesem Gedanken widmet sich dieser Beitrag. 12. Prof. H. Weber, Tübingen: Misserfolge in der Zahnärztlichen Implantologie und deren Lösung Misserfolge in der zahnärztlichen Implantologie lassen sich nach verschiedenen Kriterien einteilen. So kann man zum einen hierzu die zeitlichen Verläufe heranziehen und vom Misserfolg in der Einheilungsphase einerseits sowie in der Zeit der funktionellen Belastung sprechen, wobei in der letztgenannten Phase nochmals zwischen näher zu definierenden frühzeitigen, mittelzeitigen und spätzeitigen Misserfolgen zu differenzieren wäre. Weiterhin lassen sich die Misserfolge nach Art (funktionell/ästhetische) und Ort (Implantat, Verbindungselemente, Meso-/Suprastruktur) ihres Auftretens einteilen. So ist zum einen an einen Misserfolg zu denken, bei dem das Implantat zwar noch vorhanden ist - aufgrund ablaufender Knochen und Weichteildefekte es sich aber unter ästhetischen und möglicherweise auch unter funktionellen (Sprache!) Aspekten um einen Misserfolg handelt. Des weiteren kann man in konsequenter Abfolge den Implantatverlust als eine Form des Misserfolges ansehen, wobei sich in diesem Zusammenhang die Frage stellt, ob durch diesen Verlust die bestehende Konstruktion grundsätzlich in Frage gestellt ist, ob durch den Verlust ästhetische oder andere, funktionelle Nachteile entstehen (s. vorher), ob durch Reimplantation der ursprüngliche Zustand wiederhergestellt werden kann oder ob die prothetische Rekonstruktion zu ändern/modifizieren ist. Neben diesen implantatbezogenen Misserfolgen können auch diejenigen, die an Verbindungsteilen zwischen Implantat und Meso- bzw. Suprastruktur oder aber auch an den beiden letztgenannten prothetischen Anteilen entstandenen betrachtet werden. Diese hier angesprochenen drei Bereiche erfassen Frakturen von Schrauben, Meskonstruktionen oder/und Suprakonstruktionen sowie auch die sonst in der Prothetik bekannten Probleme wie Abplatzungen etc. Der Vortrag soll dazu dienen, exemplarisch zu den hier angesprochenen Bereichen Probleme und Lösungen aufzuzeigen, wobei diese chirurgische und/oder prothetische Massnahmen miterfassen. 13. Prof.H. Kappert und R. Gläser, ZTM, Freiburg: Arbeiten mit Zirkoniumoxid Die Zirkoniumoxidkeramik ist der zur Zeit attraktivste zahntechnische Werkstoff. Es werden ausführliche Laboruntersuchungen und die entsprechenden Untersuchungsergebnisse zur Gestaltung der Konstruktionen, zum Einfluss der Abmessungen von Kronenwandstärken, Dicker der Verbinderbereiche bei Brücken und bei der Anwendung verschiedener Verblendkeramiken (Vitadur D, Titankeramiken und Empress2) auf die Bruchfestigkeit von Kronen und Brücken beschrieben. Das pauschal formulierte Ergebnis ist, dass man aus werkstoffkundlicher Sicht mit Gerüststrukturen aus Zirkoniumoxid hinsichtlich Präparation, Konstruktion und Zementierung so umgehenkann, wie mit Metallgerüsten für die keramische Verblendung, bei grossen Vorteilen hinsichtlich Biokompatibilität und Ästhetik. Die theoretischen Betrachtungen und labortechnischen Erfahrungen werden anschaulich ergänzt durch klinische Fallbeispiele mit festsitzendem Zahnersatz auf präparierten natürlichen Zähnen und Implantaten. 14. Dr. M. Hopp, Berlin: Fehler und ihre Ursachen in der Galvanotechnik Die Erstellung von Zahnersatz durch Abscheiden von Goldatomen in einem computergesteuerten Fertigungsprozess darf heute als eine der innovativsten und sichersten zahntechnischen Verfahren gelten. Die Abscheidung eines solitären Goldkörpers aus einer wasserklaren Flüssigkeit gehört mit Sicherheit zu den Mysterien der Zahntechnik. So geheimnisvoll diese Technik auch ist, so faszniert sie durch Einfachheit, vielfältigen Einsatz der Rekonstruktionen und Effektivität. Auftretende Fehler lassen sich grob in Gerätefehler, Verwendung falscher oder überlagerter Verbrauchsmaterialien und zahntechnische Verarbeitungsfehler gliedern, wobei die Verarbeitungsfehler durch den Techniker deutlich überwiegen. Wichtige Voraussetzung bei der Herstellung von Zahnersatz ist eine qualitätsgerechte Arbeitsgrundlage, nämlich die abgeschiedene Goldkappe. Bereits bei der Vorbereitung der Duplikatstümpfe, der Kontaktierung im Gerät und dem Aufbringen einer leitfähigen Schicht als Abscheidegrundlage können verarbeitungsbedingte Fehler auftreten, die es gilt zu erkennen und zu vermeiden. Fehler bei der Silberleitlackverarbeitung können von der Defektbildung an der Kappe bis zur Verfärbung der Restauration am Patienten führen. Fehler können auch auftreten, wenn elektrisch leitende Implantatteile als Abscheidegrundlage verwendet werden. Vorhandene Spalten durch Pass- oder Fertigungsungenauigkeiten der Einzelsegmente zu einander führen zur möglichen Fragmentierung der funktionellen Einzelkomponenten. Für den Geräteprozeß der Abscheidung gilt: Erst die Bedienungsanleitung lesen, dann arbeiten. Falsche Geräteeinstellungen und Fehler bei der Stumpfvorbereitung führen zu gravierenden Misserfolgen bei der Abscheidung. Von Vorteil ist die meist typische Auffälligkeit von Abscheidefehlern, so dass dem Galvano-prozess ein "prozesstypischer Qualitätsindikator" bescheinigt werden kann. An Hand der Oberflächenbeschaffenheit oder Vollständigkeit der Galvanogerüste kann der Techniker eine Aussage über die Qualität der Struktur treffen und mögliche Fehler erkennen und beseitigen. Dies ist ein deutlicher Vorteil gegenüber gegossenen zahntechnischen Restaurationen. Auch die Verblendung von Galvanorestaurationen mit Dentalkeramiken ist unproblematisch, da die galvanisierte Kappe beim Brennen rekristallisiert und nur noch eine Härte von ca. HV0,1 30 aufweist. Diese Eigenschaft lässt Spannungen zwischen dem duktilen Gerüst und Keramik gar nicht erst entstehen und ist der Grund dafür, dass Galvanokonstruktionen mit dem gesamten Spektrum konventioneller und WAK-erhöhter Verblendkeramikmassen beschichtet werden können. Die Verwendung eines aufgebrannten Goldbonders als Käppchenkonditionierung steht mit dem Sandstrahlen heute in Konkurrenz. Typische Fehler des Bonderbrennens sind die zu kurze Trockenzeit bei zu hoher Temperatur, was Auswirkungen auf das Konfluieren der Partikeln hat, und die zu niedrige Brenntemperatur, was seinerseits die Diffusion des Bonders zur Goldkappe einschränkt. Brenntemperaturen unter 920°C sollten abgelehnt werden. Ein optimaler Verbund durch Diffusion findet bei ca. 930 - 950°C statt. Werden einzelne Galvanokonstruktionen zu komplexen Strukturen zusammengefügt, ist auf die korrekte Ausführung der Verbundtechnologie zu achten. Verzüge durch Kontraktion, Verunreinigungen, fehlerhafte Verarbeitung des Fügematerials, Übergalvanisieren auf ungeeignetem, minderwertigen Gerüstmaterial, z.B. für Brücken u. a., kann zum Misslingen einer Arbeit führen. Sollen diese komplexen Strukturen mit Keramik verblendet werden, hat sich die Auswahl der Keramik an den materialtechnischen Werten des Gussmaterials des Brückenglieds zu orientieren. Werden diese grundlegenden Anforderungen bei der Verarbeitung von galvanoplastisch erstellten Rekonstruktionen beachtet, wird das Galvanoforming als saubere und effektive Technik bei der Herstellung von haltbarem, funktionsgerechtem und biokompatiblem Zahnersatz auch weiterhin überzeugen. Literatur: Hopp, M.; Jepp, R. Hoffmann, A.; Lange, K.-P. Fehleranalyse in der Galvanoforming-Technik Quintessenz Zahntech 27, 157-170 (2001) 15. M. Kramprich, ZTM, Düsseldorf: Suprastrukturen auf Implantaten - Entspannung durch die Galvanotechnik Dieser Vortrag bietet dem Zuschauer einen Einblick in die Herstellung gal-vanisch getragener Suprastrukturen. Es wird hier nicht nur dem Zahntechniker sondern auch dem interessierten Zahnarzt ein umfassender Einblick in den aktuellen Stand der Technik geboten. Zu Beginn des Referates werden die Vortei-le aufgezeigt, welche sich der Zahnarztpraxis und dem Labor bieten. Ebenso wird auf die notwendigen Voraussetzungen eingegangen - wie zum Beispiel den Arbeitsunterlagen - die für eine erfolgreiche aber auch sinnvolle Anwendung der Galvanotechnik in Kombination mit Suprastrukturen notwendig sind. Folgende Themen werden detailliert behandelt:
Die Galvanotechnik steht seit langem als Garant für höchste Präzision vor allem in dem Bereich der Implantatprothetik. Denn gerade dort ist es wichtig, einen möglichst spannungsfreien Sitz der Suprakonstruktionen zu ermöglichen. Häufig handelt es sich hierbei um komplexe Konstruktionen, welche ohne Lötverbindungen kaum spannungsfrei herzustellen sind. Ganz abgesehen von einem wesentlich grösseren Arbeitsaufwand stehen gerade die Lötverbindungen aus der Sicht der Materialverträglichkeit immer häufiger im Mittelpunkt der Kritik. Ein idealer Ersatz bietet hier die Klebetechnik in Verbindung mit galvanischen Konstruktionselementen. Den Einsatzbereichen sind fast keine Grenzen gesetzt, denn überall dort wo kleine oder auch grossspannige Konstruktionen indiziert sind, erreicht man die gewünschte Entspannung mit Hilfe der Galvanotechnik. Planung der Arbeiten: Besonders wichtig - gerade bei Implantatarbeiten - ist eine sorgfältige Planung und eine sinnvolle Auswahl der notwendigen Materialkomponenten. Vor allem bei Planungsbeginn sollte nicht nur der behandelnde Zahnarzt, sondern auch der Zahntechniker involviert sein. Schon weit im Vorfeld ist zu erörtern, welche technische Variante bei der jeweiligen Patientensituation überhaupt realisierbar ist. Vor allem für den Zahntechniker sollte es wichtig sein, zu wissen, was die medizinischen Begebenheiten an zahntechnischer Konstruktionsfreiheit überhaupt zulassen. Technische Details zur Herstellung von implantatgetragenen Suprakonstrukturen Galvanotechnik: Selbstverständlich stehen Funktionen und Präzision der gesamten Arbeit immer als Mass aller Dinge im Vordergrund. Da es sich hierbei häufig um aufwendige und teuere prothetische Konstruktionen handelt, stellt der Patient zurecht sehr hohe Anforderungen an die Ästhetik. Hier bietet gerade die Galvanotechnik eine enorm grosse Anwendungsvielfalt - vor allem in dem Bereich von herausnehmbarem Zahnersatz. Es bedarf schon einiger Erfahrung, die gesamte Suprakonstruktion möglichst perfekt vorzubereiten und herzustellen. Zwar bietet die Galvanotechnik grosse Vorteile in der Präzision implantatgetragenen Arbeiten, doch ist es wichtig, aus der fast schon unübersehbaren Auswahl von Konstruktionselementen aller Hersteller von Implantatsystemen, die richtigen Elemente sinnvollmit einer Galvanostruktur zu vereinen. Besonders hervorzuheben ist hierbei die richtige Konstruktion der Gerüstgestaltung, um eine spaltfreie und spannungsfreie Kleberverbindung zu gewährleisten. Wachsmodellation und Gerüstgestaltung: In diesem Referat werden verschiedene Varianten der Gerüstherstellung vorgestellt und die wichtigsten Vorbereitungen zur Arbeitsweise näher erläutert. Erstrebenswert bei der Herstellung der Wachsmodellationen sollte ein Vorgehen sein, welches der Arbeitsweise bei der Herstellung von Kronen- und Brückengerüsten sehr ähnelt. Solche Konstruktionen gewährleisten nicht nur einen span-nungsfreien Sitz der späteren Suprakonstruktion aus Metall sondern auch möglichst spaltfreie Randabschlüsse der Klebeverbindungen. Kleberverbindungen: Es kommt immer wieder vor, dass auch bei sorgfältigster Arbeitsweise die eine oder andere Passungenauigkeit im Abschluss der zu verklebenden Kronenelemente unvermeidbar ist. Solche Kleberränder zu kaschieren, sollten Sie weder einer transparenten noch einen weissen Kleber verwenden. Ein transparenter Kleber wirkt wie ein Lichtleiter und transportiert Schlussbetrachtung: Integriert man diese Detail in die persönliche Arbeitsweise bei der Herstellung einer Suprakonstruktion einer implantatgetragenen Arbeit, so gewährleistet man spannungsfreie Gerüste und minimale Kleberränder bei grösster Präzision und garantiert ebenso das grösstmögliche Mass an Ästhetik. Weiter zu den Referaten vom Freitag Nachmittag |