| Kurzreferate 2001 Inhaltsverzeichnis: Donnerstag, 14. Juni 2001 1. T. Ertl, ZA, Dreieich und G. Schmidt, ZTM, Hamm: Totalprothetik im Einklang mit der der Physik - Konvervenz zwischen Theorie und Praxis Vieles wird in der Zahntechnik oft aus der Erfahrung und "aus dem Bauch heraus" getan. Es gibt jedoch auch Ansätze aus der Physik und der technischen Mechanik, die sich auf das Arbeitsgebiet der Zahnheilkunde übertragen lassen. Besonders im medizinischen Gebiet der Orthopädie hat sich als Verbindung zu den Ingenieurswissenschaften die Biomechanik entwickelt. Dort gibt es z.B. theoretische Ansätze zur Beschreibung von Gelenkfunktionen, sowie dem komplexen Zusammenwirken neuraler Regelkreise und der Muskulatur. Auch in der Zahnheilkunde wurden diese Überlegungen von einigen Arbeitsgruppen aufgegriffen. (z.B. Kawano1, Hofmann2, Niedermeier3, Breul4, Nagerl5, Prium6*. Eingang in die tägliche Praxis haben diese Ansätze jedoch bisher kaum gefunden. Dies könnte sich jetzt durch den zunehmenden Einsatz rechnergestützter Verfahren ändern. Hier braucht man formalisierbare Methoden und Verfahren, um "dentale" Fragestellungen für CAD und CAM aufbereiten zu können. Gerade das Gebiet der Okklusion und das Zusammenspiel von Okklusion und Kiefergelenken bietet hier insbesondere in der Totalprothetik ein weites Betätigungsfeld. Hier sind am meisten natürliche Anhaltspunkte verloren gegangen. Der "Freiraum" an Möglichkeiten ist hier besonders groß und folglich auch die Möglichkeit: Fehler zu machen. Betrachtet man die Okklusion und die Kiefergelenke aus dem Blickwinkel von Freiheitsgraden der technischen Mechanik, werden von den Kiefergelenken bereits 3-4 von 6 möglichen "verbraucht". Ein Zahn zu Zahn Kontakt verbraucht einen weiteren Freiheitsgrad. Läßt man keine Elastizität zu, was für Modelle im Artikulator, aber auch für eine Totalprothese im Mund teilweise zutrifft, gibt es somit zwischen den Kiefern noch die Möglichkeit für 2-3 Kontakte. Wo bleibt also der maximale Vielpunktkontakt in zentrischer Okklusion? Hier rettet den Zahntechniker lediglich die Dicke und die Kompressibilität des Okklusionspapiers. Dabei wird besonders deutlich, wie weit man mit den derzeitigen Hilfsmitteln noch von realen Verhältnissen entfernt ist. Ein genereller Schwachpunkt ist die Nichtberücksichtigung von Elastizitäten, die im biologischen Organismus allgegenwärtig sind. Das Kiefergelenk beispielsweise ist keineswegs so inkompressibel wie die Nachbildung im Artikulator und auch die Zähne haben eine nicht unerhebliche Eigenbeweglichkeit im Kiefer, ganz anders als auf dem Gipsmodell. Neben einer funktionierenden Okklusion ist auch die Kraftverteilung zwischen- und innerhalb der Zahnbögen bei einer Totalprothese wichtig. Auch hier kann die Physik weiterhelfen. Mittels Finiter Element-Analyse kann überprüft werden, wie sich unterschiedliche Zahnaufstellungen auf die Kraftverteilung am Prothesenlager auswirken. Es konnte gezeigt werden, daß mit nach palatinal verlagerten Summenkräften eine geringere Kieferkammresorption erreicht werden kann. Eine Bestätigung für das lingualisierte Aufstellkonzept von Pound, das genau dies bewirkt. Wie kann jedoch der Praktiker von diesen Erkenntnissen profitieren? Er benötigt ein formalisiertes Konzept, in dem Bereiche definiert werden, in deren Grenzen eine Prothese funktioniert. Dies ist nicht zu verwechseln mit einem starren Konstruktionsschema, das typischerweise in der Vielfalt der Praxis versagt. Einen gangbaren Weg hat hier J. Stuck(7) skizziert, mit einer an Pound und Gerber angelehnten Methodik, die keine unüberbrückbaren Widersprüche zur Biomechanik aufweist und zudem die Forderungen nach Ästhetik und natürlicher Phonetik als weitere wichtige Eckpfeiler einer guten Totalprothetik berücksichtigt. Anhand praktischer Beispiele kann gezeigt werden, wie mit Hilfsmitteln zum Finden einer brauchbaren Lage der Okklusionsebene, sowie definierter Aufstellregeln, eine hinsichtlich Funktion, Ästhetik und Phonetik befriedigende Totalprothese hergestellt werden kann. 1. Kawano, F. Asaoka, K., Nagao, K., Matsumoto, N.: Effect of viscoelastic deformation of soft tissue on stresses in the structures under complete denture. Dent Mater J. 1990 Jun;9 (1): 70-9 2. Hofmann, M., Pröschel, P.: Theoretical physical thoughts on the masticatory stability of complete dentures. Dtsch Zahnärztl Z 1979 Aug; 34(8): 609-15 3. Niedermeier, W., Hofmann, M.: The effect of the arrangement of the artificial sets of teeth on the physical stability of total protheses. Dtsch Zahnärztl Z 1979 Aug; 34(8): 616-18 4. Breul, R., Mall, G., Landgraf, J., Scheck, R.: Biomechanical analysis of stress distribution in the human temporomandibular-joint. Anat Anz. 1999 Jan; 181(1): 55-60. 5. Nagerl, H., Kubein-Meesenburg,D.,Fanghanel, J., Berndt, A.: Retrusive joint function and stability range of the mandible. Dtsch Zahnärztl Z 1990 Jul; 45(7 Spec No): S51-53. 6. Pruim, GJ., de Jongh, HJ., ten Bosch, JJ.: Forces acting on the mandible during bilateral static bite at different bite force levels. J Biochmech. 1980; 13(9): 755-63 7. Stuck, J.: Das APF-NT Totalprothetik System - Kursschrift Zahntechnik - Teamwork Media GmbH * weitere Literatur auf Anfrage bei den Autoren 2. M. Bosshart, CDT, Einsiedeln: Unimaxilläre totale Prothese in antagonistischer Okklusion mit natürlicher/ festsitzender Bezahnung Logik als Weg zum Erfolg und zum zufriedenen Patienten Wer Totalprothesen sagt, denkt an OK- und UK-Prothesen. In Wahrheit sind heute immer öfter nur OK, kaum nur UK-Totalprothesen herzustellen. In der Ausbildung steht dieses Thema selten auf dem Stundenplan. Die klinische Realität zeigt aber, daß unimaxilläre Totalprothesen dem Patienten zuweilen sehr grosse Probleme bereiten und in der Folge der Patient "Dauergast" in der Praxis ist. Mit Ausnahme weniger Fälle stehen Totalprothesenträger in ihrer zweiten Lebenshälfte. In logischer Folge finden wir antagonistisch abradierte Zähne und Kronen-Brückenarbeiten. Zudem fehlen oft einzelne Backenzähne, weshalb in die Lücke gekippte Zähne die Arbeit zusätzlich erschweren. Mit einfachen, aber logisch eingesetzten Massnahmen ist die unimaxilläre Prothese schlussendlich die problemloseste Totalprothetik überhaupt, vorausgesetzt, die unilaterale Mastikation des Patienten wird vollumfänglich berücksichtigt. Dabei ist einmal mehr die Zusammenarbeit zwischen Praxis und Labor die Voraussetzung zum Erfolg. 3. P. Bucher, Epithetiker, Basel: Ästhetik in der Epithetik? 1. Einleitung Der Begriff Epithese leitet sich vom griechischen Wort "Epithema" ab und bedeutet "Deckel", womit zugleich die primäre Aufgabe, nämlich die Defektabdeckung beschrieben wird. Trotz Fortschritte der plastischen und wiederherstellenden Chirurgie, insbesondere im Bereich der Rekonstruktionstechniken, bleibt die Rehabilitation von Patienten mit Gesichtsdefekten ein Problem, das alleine mit Hilfe von chirurgischen Massnahmen nicht immer gelöst werden kann. Die grundlegende Aufgabe einer epithetischen Versorgung liegt in der möglichst authentischen Rekonstruktion, wobei die Funktion des verlorengegangengen Gesichtsteiles nicht wiederhergestellt werden kann. Daraus ergibt sich, dass eine Epithese nur bedingt den ästhetischen Anforderungen gerecht werden kann, denn die Funktion und die Ästhetik bilden eine unzertrennliche Einheit. Somit erfüllt der künstliche Ersatz primär eine soziale Aufgabe, indem er den Patienten über die Kaschierung seines Defektes die weitere Teilnahme am gesellschaftlichen Leben ermöglicht. 2. Ursachen von Gesichtsdefekten: Die Ursachen von Gesichtsdefekten sind vielfältig. Neben Traumata und Malformationen führten vor allem in der präantibiotischen Zeit destruierende Infektionskrankheiten wie Lepra, Lupus vulgaris und Syphilis zu Gesichtsdefekten. Durch ihre Behandelbarkeit sind Gesichtsdefekte bei Autoimmunerkrankungen (Lupus erythematodes) seltener geworden. Die Anzahl der Patienten mit Tumoren im Kopf- und Gesichtsbereich hat jedoch in den letzten Jahren zugenommen. Die Gründe dafür scheinen vielfältig zu sein, wobei als eine der wesentlichen Ursachen die erhöhte UV-Belastung der Haut durch Sonneneinstrahlung gelten kann. Hauttumoren, die erst in einem fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert werden, erfordern radikale und ausgedehnte operative Eingriffe, die für die Patienten den Verlust eines grossen Teiles ihres Gesichtes bedeuten können. als Ursache von Gesichtsdefekten kommen ausserdem Tumore in Frage, die nicht von der Haut ausgehen, wie z.B. der Orbita, der Nase, der Nasennebenhöhlen und der Schädelbasis. 3. Psychologische Aspekte von Gesichtsdefekten: Das Gesicht, mittelhochdeutsch "gesith" bedeutet das Sehen, Anblicken, die Erscheinung, Gestalt, das Antlitz. In seinem Buch über die Klassifikation der Tiere schreibt Aristoteles bei der Darstellung des Menschen: "Was unterhalb der Hirnschale sitzt, heisst unter allen Geschöpfen nur bei den Menschen Gesicht. Vom Gesicht eines Fisches oder Rindes spricht man nicht." Das Gesicht ist demnach ein qualitatives Merkmal des Menschen, das ihn eindeutig von der Tierwelt unterscheidet und ihn in der belebten Natur als einzigartig auszeichnet. Die Bedeutung des menschlichen Gesichtes spiegelt sich in vielen Redensarten und umgangssprachlichen Ausdrucksformen wider: man muss "den Tatsachen ins Gesicht sehen", "das Gesicht wahren", "sein wahres Gesicht zeigen", man kann "sein Gesicht verlieren", "einen Schlag ins Gesicht erhalten", oder "zwei Gesichter besitzen"; diese Liste liesse sich beliebig fortsetzen. Mit der Bedeutung des Gesichtes eng verknüpft ist auch die Fähigkeit des Menschen, die Gesichter von Mitmenschen zu deuten und an ihnen Charakter, Wille und Können abzulesen. In alten Kulturen wurde die Lehre vom Ausdruck der Körper-, Kopf-, Gesichts- und Augenformen, die Physkiognomik, z.B. durch Platon oder Aristoteles sorgfältig gepflegt. Neben diesen alten Physiognomen sind die Phrenologen (Schädeldiagnostiker), unter ihnen Franz Josph Gall (1758-1828) zu erwähnen. Gall behauptete auf Grund von anatomischen Eigenheiten des knöchernen Schädels die geistig-psychischen Eigenschaften eines Individuums bestimmen zu können. Er entwickelte eine Gehirnlokalisationslehre, in der bestimmte Charaktermerkmale einer genau definierten Stelle im Bereich des Gehirns zugeordnet wurden. Das Vorhandensein eines entsprechenden Charaktermerkmals sollte dabei seinen Niederschlag in der Ausbildung der entsprechenden Schädelregion finden. So ist zum Beispiel das starke Selbstwertgefühl am stark ausgewölbten oberen Hinterhaupt, starkes, respektives schwaches reales Auffassungsvermögen an der starken, respektive schwachen Unterstirn zu erkennnen. Aus der Sicht des gesichtsversehrten Patienten sind die Folgen des korrelativen Denkens, das bei den alten Physiognomen wie auch Phrenologen deutlich zum Ausdruck kommt, verheerend, denn Entstellungen werden demnach unbewusst mit schlechtem Charakter assoziert, was zur Diskriminierung und Ausgrenzung von gesichtsversehrten Patienten führen kann. Die Zerstörung des Gesichtes be-inhaltet darüber hinaus den Verlust des wohl wichtigsten sozialen Kontaktor-ganes. Die mit einer Verstümmelung verbundene psychische Belastung des Patienten wird durch die gesellschaftliche Ausgrenzung zusätzlich verstärkt. Sehr oft ist deshalb eine gezielte psycho-soziale Betreuung notwendig, um sozialen Rückzug, Selbsthass oder depressives Verhalten zu verhindern. 4. Historisches zur Epithetik: Traumatisch bedingte Gesichtsdeformitäten waren nach zeitgenössischen Berichten im Altertum häufig anzutreffen, da die Amputation eines Körperteils als Strafe bei Gesetzesübertretungen üblich war. Die auf diese Weise geächteten Delinquenten hatten sicher den Wunsch ihren Gesichtsdefekt zu verbergen. Es fehlen aber gesicherte Beschreibungen von Gesichtsprothesen aus dieser Zeit. Es ist anzunehmen, dass bis zum Beginn der Neuzeit Gesichtsdefekte meist unverhüllt blieben. Wie zeitgenössische Illustrationen aus dem Mittelalter belegen, wurden Entstellte meist aus der Gesellschaft ausgeschlossen. Es bestand demnach wenig oder kein Anlass, Gesichtsdefekte epithetisch zu versorgen. Ein berühmter früherer Epithesenträger war der dänische Hofastronom Tycho Brahe (1546-1601), der im Alter von 20 Jahren anlässlich eines Duells Teile seines Nasenrückens durch einen Schwerthieb verlor. Die aus einer kupferhaltigen Gold-Silber-Legierung hergestellte Epithese befestigte er mit Hilfe einer klebenden Salbe. Tycho Brahe benützte diese Nasenepithese bis zu seinem Tode 35 Jahre später. Zur Zeit Tycho Brahes erschien auch erstmals eine nähere Beschreibung von Gesichtspro-thesen in einem medizinischen Werk des französischen Chirurgen Ambroise Paré, der von 1510-1590 lebte. Er entwarf verschiedene Ektoprothesen, unter anderem auch konfektionierte Gesichtsepithesen aus Papiermaché, die über Bind-fäden um den Hinterkopf befestigt wurden. Diese ersten künstlichen Gesichtsteile waren wegen den vorhandenen Materialien ästhetisch unbefriedigend. Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als Zahnärzte sich dem Gebiet der Epithetik angenommen haben, kam es zu einer raschen Entwicklung in der Gesichtsprothetik. 1820 realisierte Goodyear die Vulkanisation von Rohkautschuk, wodurch ein hochelastischer und wesentlicher wärmebeständiger "Gummi" gewonnen werden konnte. Bis zum Auftreten der Acrylatkunststoffe etwa in der Mitte des 20. Jahrhunderts avancierte der vulkanisierte Kautschuk zum wichtigsten und meist verwendeten Material in der zahnärztlichen Prothetik und Epithetik. Mit Aufkommen der Polymethylmethacrylat-Kunststoffe um 1940 und der etwas später entwickelten Silikone wurden alle bis zu diesem Zeitpunkt eingesetzten Materialien weitgehend aus der Epithetik verdrängt, da sie vor allem in ästhetischer Hinsicht, aber auch wegen ungenügender physikalischen Eigenschaften gegenüber den modernen Kunststoffen nicht mehr bestehen konnten. 5. Zusammenfassung: Ausgedehnte Gesichtsdefekte, die z.B. nach Tumoroperationen oder bei Unfällen auftreten, können plastisch-chirurgisch oder durch Gesichtsepithesen versorgt werden. Die Ästhetik kann dabei nur bedingt berücksichtigt werden, da die Epithese während der Gesichtsmimik funktionslos bleibt. Erste gesicherte Beschrei-bungen von Epithesen stammen aus dem 16. Jahrhundert, obwohl bereits im Altertum zu verschiedenen Zwecken Gesichtsmasken hergestellt wurden. Im Verlauf der Geschichte der Epithetik wurden eine Vielzahl verschiedener Ma-terialien eingesetzt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als die Synthese von Polymethylmethacrylat-Kunststoffen und später von weichen Silikonen gelang, wurden die übrigen Materialien verdrängt. Trotz grosser Fortschritte in der wiederherstellenden Chirurgie werden nicht immer die gewünschten Ergebnisse erreicht, so dass auf epithetische Hilfsmittel nicht verzichtet werden kann. Mit einer gut gelungenen Epithese wird nicht nur die äussere Gesichtskontur des Patienten wiederhergestellt, sondern auch die Reintegration des Gesichtsversehrten in seine gewohnte soziale Umgebung ermöglicht. 4. K.-D. Pogrzeba, ZTM, Stuttgart: Ästhetik: Anspruch und Wirklichkeit Seit 1975 nimmt der Referent, mit Ausnahme des Jahres 1999, ununterbrochen an den Jahrestagungen der ADT teil. Er hat in diesem langen Zeitraum eine Fülle von Anregungen, Erkenntnissen und Erfahrungen sammeln und in seinem eigenen Labor umsetzen können. Rückschauend beeindruckt das breite Spektrum der Referate und das nicht nachlassende Engagement der Referenten, von denen nicht wenige ihren "ersten Auftritt" vor der ADT hatten. Bis in die Mitte der 80er Jahre gab es zudem eine fruchtbare Streitkultur im Auditorium, an der die zahlreich vertretenen Wissenschaftler einen nicht geringen Anteil hatten. Leider ist aber seitdem eine gewisse - wie der Referent meint - unerlässliche Kontroverse in der zu wenig stattfindenden Diskussion schmerzlich zu vermissen. Darum und wen wird es wundern, möchte Pogrzeba auf der letzten von ihm mitgestalteten Tagung für etwas Unruhe sorgen. Was Ästhetik bedeutet, welche Möglichkeiten die moderne Zahnprothetik bereithält und was in einzelnen Fällen auch realisiert wird, sieht der "normale Zahntechniker" jedes Jahr von Fronleichnam bis zum Samstagmittag. Zur allgemeinen Begeisterung über die "Künstler" unter den Zahnärzten und Zahntechnikern gesellt sich dann am Montagmorgen ein gewisser Frust, angesichts des prothetischen Alltags der dann wieder über ihn hereinbricht. In dem Referat wird aufgezeigt, wie oft die Ästhetik vor den falschen Vorstellungen oder ihren finanziellen Möglichkeiten kapitulieren muss. Wir sehen, dass viel zu oft repariert werden muss, wo eine Neuanfertigung doch viel sinnvoller wäre. Auch begreifen wir, dass Abdruckfehler sich oft erst auf dem Modell offenbaren und nicht immer dem Behandler anzulasten sind. Wenn am Ende der Zahnarzt Verständnis dafür hat, dass der Zahntechniker nicht mehr leisten kann als die Mundsituation hergibt, und wenn der Zahntechniker begreift, dass der Zahnarzt nicht nur f ü r den "Bauherren", sondern i m "Bauherren" seine Leistung erbringt, und er dann seine fast schon automatische ablaufende Kritik an den Arbeitsunterlagen relativiert, so hat der Vortrag seine Absicht erreicht. 5. H.-D. Kraus, ZTM, Stuttgart: Cergogold Vollkeramik. Lichtdynamische Ästhetik in funktionellem Einklang durch natürliches Abrasionsverhalten Biokompatibilität und Ästhetik sind gängige Schlagworte unserer Branche. Einerseits wird dem Patienten ein natürliches Aussehen bei gleichzeitiger optimaler Funktionalität versprochen, andererseits ist er durch die Diskussion in der Presse über Dentalwerkstoffe stark verunsichert. Um dem kritischen Kunden und Patienten Sicherheit zu geben und gleichzeitig im Wettbewerb bestehen zu können, ist die Auswahl der richtigen Werkstoffe entscheidend. Unter Berücksichtigung dieser Forderungen ist eine Werkstoffminimierung im Munde des Patienten unumgänglich. Die optimalen Voraussetzungen hierfür bietet das Golden Gate System der Firma Degussa - seit 1992 im Munde erprobt. Die Kombination von Degunorm und Duceragold-Verblendkeramik, die jetzt mit Cergogold-Vollkeramik ergänzt wurde, bietet dem Patienten alle protheti-schen Versorgungsmöglichkeiten mit Werkstoffen aus der Hand eines Herstellers. Hierbei wird hochgoldhaltige, gelbe, palladiumfreie, biokompatible Legierung mit hydrothermaler Keramik kombiniert, die sowohl auf Metall als auch auf Vollkeramik aufgebrannt werden kann. Die Vorteile liegen klar auf der Hand: die homogene hydrothermale Keramik Duceragold schmilzt im Vergleich zu klassischen Keramiken nicht nur bei niedrigeren Temperaturen (760-780°C), sondern sie ist auch fester und chemisch beständiger. Im Gegensatz zur herkömmlichen Metallkeramik werden bei Duceragold unter Hitze und Wasserstoffatmosphäre HydroxylIonen in die Glasmatrix eingebaut und damit neue Eigenschaften erzielt. Zwei überraschen dabei den Techniker in besonderem Maße: Duceragold wird beim Tragen fester, Mikrorisse gleichen sich quasi "selbstheilend" aus, und die im feuchten Milieu an der Oberfläche entstehende Hydratschicht wirkt als Schutz gegenüber korrosiven Prozessen in der Mundhöhle. Die äussert homogene Gefügestruktur mit einer sehr geringen Oberflächenstruktur sorgt für eine besondere Gewebefreundlichkeit und erschwert die Anlagerung von Plaque. Gleichzeitig verhindert - wie eine Studie von B.R. Lang an der University of Michigan zeigte - die erhöhte Biegefestigkeit und das dem natürlichen Zahn entsprechende Abrasionsverhalten der Keramik eine Schädigung der Antagonisten. Durch die niedrigere Brenntemperatur ist eine Erhöhung der Lichtbrechung und damit eine fluoreszierende und opaliszierende, lichtdynamische Farbwirkung gewährleistet, die zudem allen herkömmlichen Keramiken bei weitem überlegen ist. Homogene, dichte Okklusalflächen, die auch nach einer Feinkorrektur im Munde des Patienten problemlos und ohne grossen Aufwand auf herkömmliche Art mit Gummipolierer und Diamantpaste poliert werden können, runden dieses positive Bild ab. Das natürliche Vorbild ist das Mass für Schönheit und Ästhetik. Farbliche Wechselwirkungen (wie der im Auflicht weisslich-bläulich, im Durchlicht orangefarben erscheinende Inzisalbereich), die für den natürlichen Zahn charak-teristisch sind, können auf einfache Weise mit dem Duceragold-Licht-Dynamik-Set nachempfunden werden. Um anspruchsvollen Patienten ästhetisch perfekte zahntechnische Lösungen auch in Vollkeramik anbieten zu können, eignet sich die neuentwickelte Cergogold Presskeramik in besonderem Umfang. In Abstimmung auf das Golden Gate System und Duceragold zeichnet sich Cergogold Presskeramik durch einen hervorragenden Chamäleoneffekt aus, das heisst, die Wärme des natürlichen Zahnes fliesst in die Vollkeramikrestauration ein und führt zu Ergebnissen, bei denen natürliche Zähne von Vollkeramikkronen nicht mehr unterschieden werden können. Weitere erwähnenswerte Vorteile von Cergogold sind eine höhere Biegefestigkeit und ein sehr gutes Fliessverhalten. Ein für das Labor nicht zu unterschätzender Vorteil ist der Kostenfaktor für die Lagerhaltung der Pressrohlinge: er ist äussert gering, da es für die "vollkeramischen Gerüste" nur drei, farblich auf Rot, Gelb und Grau abgestimmte Transpa-Pellets gibt - diese sind jedoch universell einsetzbar. Sie finden bei ausreichenden Platzverhältnisssen in der Schichttechnik für Veneers ihre Anwendung. Die Wärme des natürlichen Zahnes als Unterbau, Twin-Dentine zur farblichen Charakterisierung des Inzisalbereiches und zur Erhöhung des Chromas im Zervikalbereich sowie Bright-Body-Flu-Massen zur Steuerung des Helligkeitswerts im mittleren und oberen Drittel der Zahnkrone lassen für den Zahntechniker gerade bei dieser anspruchsvollen Technik kaum noch Wünsche offen. Dieselben eingefärbten Transparohlinge kommen im Seitenzahnbereich als "Massivinlays" zum Einsatz. Sie erhalten ihre Charakterisierung in der Maltechnik, wobei nur noch die Fissuren je nach Geschmack eingefärbt werden müssen; die eigentliche Farbe fliesst vom natürlichen Zahn in die Restauration ein. Über die auf einem gepressten, opaken Dentinkern geschichtete klassische Vollkeramikkrone im Frontzahnbereich braucht man sicherlich kaum mehr Worte zu verlieren. Doch auch bei massiv aus Schneiderohlingen gepressten Frontzahnveneers - drei verschiedene Schneiden stehen zur Vefügung - kann man in der Maltechnik zufriedenstellende Resultate erzielen. Gerade bei umfangreichen Restaurationen kann jugendlichen Patienten unter grösstmöglicher Substanzerhaltung durch vollkeramische Inlays und Teilkronen ein Maximum an Ästhetik und Funktionialität geboten werden. Aufbauten und Veneers im Front-Eckzahn-Bereich zur Wiederherstellung einer verlorengegangenen Führung sind heutzutage selbstverständlicher Bestandteil umfangreicher Versorgungen. Die reduzierte Härte, höhere Biegefestigkeit und das daraus resultierende Abrasionsverhalten sowie eine konsequente, funktionelle Kauflächengestaltung nach gnathologischen Grundsätzen, die das zukünftige Knirschen in geregelten Bahnen verlaufen lässt, sind eine Grundvoraussetzung für einen Langzeiterfolg von vollkeramischen Restaurationen im Seitenzahnbereich. Gerade die Möglichkeit, im Laufe der Jahre das Gebiss leicht "einknirschen" zu können, verschafft dem Patienten ein angenehmes Gefühl beim Kieferschluss und lässt ihn den Zahnersatz schon bald nach der Eingliederung vergessen. Als letztenVorteil möchte ich die ausgezeichnete Polierbarkeit der adhäsiv eingesetzten Cergogold-Vollkeramik erwähnen. Auch bei maltechnisch hergestellten Massiv-Inlays oder Teilkronen entstehen bei Abrasion oder Politur keine hässlichen opaken oder porösen Ränder und Inseln, die schon nach kurzer Trage-dauer den ästhetischen Wert einer Restauration stark beeinträchtigen können. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil der Cergogold-Vollkeramik bei Massiv-Inlays ist die Tatsache, dass auf den lästigen, feuerfesten Stumpf, der dann auf irgendeine Art und Weise im Meistermodell reponiert werden muss, verzichtet werden kann, ohne dass es zu farblichen Abweichungen zwischen Massivteil und Schichtteil kommt. Rückblickend kann ich sagen, dass wir in den vergangenen zwei Jahren, seit der Einführung von Cergogold in meinem Betrieb, in jeder Hinsicht schönere und bessere Ergebnisse erzielt haben als mit anderen Vollkeramiksystemen - bei vorschriftsmässiger Präparation und adhäsiver Befestigung. 6. H. Thiel, ZTM, Amtzell: Gießen ... kein Problem? Wenn viele Einzelkomponenten auf hohem Niveau zusammengefügt werden, sprechen wir von Qualität. Denn der Wert einer Arbeit wird an der schwächsten Stelle gemessen. Das heisst: Nur die besten und zuverlässigsten Materialien aus der Dentalindustrie, in höchster Präzision und Zuverlässigkeit im Dental-Labor verarbeitet und das Ganze auf erstklassigen Arbeitsunterlagen aus der Zahnarztpraxis hergestellt, verdient die Bezeichnung Qualität. Es hat den Anschein, dass die Gusstechnik in den letzten 25 Jahren einen Dornröschenschlaf gehalten hätte. Vor lauter Begeisterung über die modernen und innovativen Technologien der letzten Jahrzehnte, Galvanotechnik, Voll- und Presskeramik und die sich anbahnende Revolution durch die CAD/CAM-Systeme ist der Eindruck entstanden, dass wir uns um die Gusstechnik nicht mehr zu kümmern brauchten. Falsch gedacht, denn die Realität des täglichen Laboralltags belehrt uns eines besseren. Die Gusstechnik gehört nach wie vor zur täglichen Routinearbeit eines Zahntechnikers und wird wegen der enormen Formenvielfalt und der diffizilen Morphologie natürlicher Zähne noch lange nicht aus der modernen hightech Zahntechnik wegzudenken sein. Es wird im Gegenteil so sein, dass moderne Technologien in Symbiose mit der Präzisionsgusstech-nik uns vor neue interessante Aufgaben stellen werden. Denken Sie zum Beispiel an die Kombination von filigranen Galvano-Strukturen und gegossenen Terziärgerüsten in der Kombitechnik. Der Vortrag befasst sich mit den verschiedenen Problemen, die in der Zahntechnik täglich zu bewältigen sind, um homogenen, kompatiblen und verträglichen Zahnersatz nach höchsten Qualitätsrichtlinien herzustellen. Folgende Schwerpunkte werden den Gussvortrag prägen:
Die Industrie muss Legierungseigenschaften prüfen, die Einfluss auf die Gesund-heit und das Wohlbefinden des Patienten haben, wie z.B. Löslichkeit der Legierung im Mundmilieu, Allergiepotential, Toxizität. Für exakte Arbeitsunterlagen, Abformungen mit definierter Präparationsgrenze liegt die Verantwortung bei unseren Arbeitgebern, den Zahnärzten. Für homogene Güsse mit höchster Präzision am Kronenrand und einer exakten Passgenauigkeit ist das zahntechnische Meisterlabor verantwortlich. Um hier höchste Qualität und Zuverlässigkeit zu erreichen, müssen wir im Labor viele wichtige Parameter beachten und sehr genau einhalten. Diese Parameter und ihr Einfluss auf die gesamte Restauration werden in diesen 20 Minuten angesprochen und die Wichtigkeit des Präzisionsgusses trotz aller moderner Technologien herausgestellt. Es wird beschrieben, welchen Einfluss das Gussverfahren und die Schmelzsysteme auf die Legierung haben. Die Bedeutung der Gussstiftsysteme, die Muffelgrösse und die Lage der Objekte in der Gussmuffel auf das Korngefüge werden erklärt. Von grosser Wichtigkeit für ein homogenes mikrokristallines Gussgefüge ist das zielgerichtete Abkühlverhalten der Schmelze mit Hilfe von Abkühlkanälen. Die exakte Erfüllung dieser Vorgaben und eine partnerschaftliche Zu-sammenarbeit von Zahnmedizinern, Dentalindustrie und Zahntechnikern sind die Voraussetzung für eine erfolgreiche Versorgung von Patienten mit Zahnersatz, der sich über Jahrzehnte im Mund des Patienten bewährt und das Prädikat höchste Qualität zu Recht verdient. Diese Qualitätsansprüche sind nicht durch normierte planwirtschaftliche Anfor-derungsprofile der Sorte "ausreichend, wirtschaftlich und zweckmässig" zu erreichen, sondern nur durch ständige intensive Beschäftigung und Weiterentwicklung unserer täglich angewandten Verfahren. Ich freue mich, zu diesem Thema einen interessanten Fachvortrag anbieten zu dürfen. Vielen Dank für die Einladung. 7. S. Prindl, ZTM, Vöcklabruck: Keine "Hektik" in der (Kombinations) Prothetik Innovative Technologien, neue Werkstoffe und das Wissen um globale Zusammenhänge des Zahnhalteapparates ermöglichen uns Zahntechnikern immer mehr, dem Erscheinungsbild natürlicher Zähne näher zu kommen. Mit dem Slogan: "Für Kronen und Inlays gibt es nichts Besseres" bewarb Wieland Edelmetalle seinerseit den Einstieg in die Galvano-Technologie. Nach vielen Versuchen mit dieser neuen Technik erstellte ich Kronen, Brücken, Implantatsarbeiten und auch Kombi-Arbeiten. Speziell in der Kombi-Technik sehe ich enorme Vorteile für Behandler, Techniker und Patient. Durch die Möglichkeit, Galvanokäppchen mit Sekundärteilen durch Kleben oder Sintern zu verbinden, ergibt sich eine stressfreie Arbeitsform, in der jeder Schritt kontrollierbar ist und schlussendlich eine passende Einheit ergibt. Die Vorteile der GALVANO Kombi Technik (Zusammenfassung)
Der Patient ist männlich, 78 Jahre und war mit einer konventionell hergestellten Kombi-Arbeit versorgt. Metallränder (Trauerränder) waren stark sichtbar. Arbeitsbeschreibung: Nach Entfernen der alten Brückengerüste wurden die Pfeiler 11, 21 sowie 13, 23 nachpräpariert. Die Abformung galvanisch versilbert und ein Meistermodell hergestellt. Die Kronenkäppchen aus AGC-Feingold galvanisiert und aufgepasst. Die erste Gerüstpro-be inklusive Abformung war die Folge. Die versilberten Stümpfe wurden vom Gips befreit (Gipsentferner) und in den vorhandenen Abdruck reponiert. Die Silberkäppchen mit Kunststoff gefüllt und mit Tanakapins ergänzt. Der Vorteil dieser Technik liegt darin, daß ich bis zum Ende der Arbeit exakte Randschlusssituationen vorfinde. Die Sekundärmodellation inklusive der Zwischenglieder und Geschiebe mache ich mit dem Metaconsystem. Das Metacon ist ein lichthärtendes Wachs, welches es uns erlaubt, nach dem Modellieren des Greüstes die bestehende Arbeit vom Modell abzunehmen und mit Schleifkörpern förmliche Korrekturen vorzunehmen (großer Zeitgewinn). Nach dem Einbetten und Giessen des Metallgerüsts wird dieses aufgepasst und mit den AGC-Käppchen entweder verklebt oder versintert. Nun ist das gesamte Gerüst zur Verblendung bereit. Die Schichtung der Keramikkronen erfolgte altersspezifisch mit Keramik. Der abnehmbare Teil (Modellguss) sowie beide Intarsienklammern konnten wieder aus Metacon hergestellt werden. Für den Modellguss verwendete ich in diesem Falle die Legierung B i o P o r t a D u r der Firma Wieland Edelmetalle. Für die Verblendung der Zähne 14 und 24 kam das Verblendmaterial Symphony der Firma Espe zum Einsatz. Die Zähne 14 und 24 wurden anatomisch aufgewachst, mit einem Vorwall versehen und mit einer dünnen Transpaschicht ausgekleidet, lichtgehärtet und mit Charakteristika versehen (Hinterglastechnik). Die zu ergänzenden Prothesenzähne sind individuell angefertigt. Vorgangsweise: Passende anatomisch, natürliche Zahnreihen wurden dubliert. Die Dublierung mit einer dünnen Schicht Transparentmaterial versehen und wie gehabt mit individuellen Malfarben beschichtet. Nach der Zwischenhärtung wird ein verkleinerter Konfektionskunststoffzahn mit GC-Bonder benetzt und in die Form eingebracht. Nach dem Aushärten unter Vakuum bearbeitet und poliert. In herkömmlicher Weise werden diese individuell gefertigten Zähne aufgestgellt und mit Candulor Ästhetikmaterial vollendet. Der Patientenfall wurde nach diesem System in punkto Passgenauigkeit, Ästhetik sowie Funktion zufriedenstellend hergestellt und somit alle Parameter der modernen Zahnprothetik berücksichtigt. Abschliessend meine ich, dass ein System, in dem man Arbeitsgänge getrennt anwenden kann, dem Zahntechniker mehr Überblick, Ruhe und Gelassenheit verspricht und in Folge der Patient sowie der Zahnarzt auf ein hochqualitatives Produkt blicken können. 8. Prof. W. Lindemann, Tübingen: Vergleichende Temperaturmessungen zur Kenntnis des Temperaturgradienten in Keramik-Brennöfen verschiedener Fabrikate. Bekanntlich werden im zahntechnischen Labor für die metallkeramische Fertigungstechnologie spezielle Keramiköfen eingesetzt, wobei in jüngster Zeit zunehmend unlegiertes Titan als Gerüstwerkstoff für die Metallkeramik verwendet wird. Das hat jedoch dazu geführt, dass für diesen Werkstoff wegen seines werkstoffspezifischen Verhaltens beim Erhitzen bzw. wieder Abkühlen ("-a/b-Phasensprung" bei 822°C) die herkömmlichen Verblendkeramiken nicht verwendet werden können. Die Folge davon war die Entwicklung neuer, auf die Titantechnologie abgestimmte keramische Massen mit niedrigerer Aufbrenntemperatur von ca. 800° C. Es hat sich jedoch herausgestellt, dass die neuen Massen während ihrer Verarbeitung sehr empfindlich auf eine nicht exakt eingehaltene, vom Hersteller empfohlene Aufbrenntemperatur reagieren. Dadurch kam es bei metallkeramischen Restaurationen zunehmend zu Misserfolgen. In Kenntnis dieses Sachverhaltes lag es nahe, bei der weiteren Ursachenforschung für "Erfolg-Misserfolg" Temperaturmessungen in verschiedenen Vakuumbrennöfen durchzuführen. Ziel der vorliegenden Untersuchung war, festzustellen, welche Temperatur tatsächlich im Ofeninnenraum in Abhängigkeit der voreingestellten Brenntemperatur herrscht. Zu diesem Zweck ist ein Temperaturmesssystem etabliert worden, bei dem vier koaxiale Mikrothermoelemente der Firma Omega vakuumdicht in den Brennraum von drei Keramiköfen verschiedener Hersteller eingebracht wurden. Diese Mantel-Thermoelemente mit einem Durchmesser von 0,25 bzw. 0,5 mm sind geometrisch derart im Brennraum verteilt worden, dass an vier verschiedenen Stellen die dort herrschende Temperatur gemessen werden konnte. Die Messstellen waren so gewählt worden, dass sie sich auf der Höhe eines zu verblendenden Zahnersatzes auf seinem Brennträger bzw. in der Nähe der Heizwendel befanden. Aufgrund der geringen Abmessungen der Messfühler war es möglich, diese aus dem Ofenverschlusssystem zu führen und dadurch die Temperaturmessungen unter Vakuumeinfluss durchzuführen. Da bekanntlich der Aufbrennprozess mikroprozessorgesteuert in mehrere Temperaturabschnitte mit unterschiedlichen Haltezeiten aufgegliedert ist, war es notwendig, den gesamten Temperaturverlauf beim Aufbrennen mit Hilfe der vier Thermoelemente synchron bis zum Erreichen der vorgegebenen Endtemperatur (Soll-Temperatur) zu erfassen. Durch diese Vorgehensweise kann beurteilt werden, welche tatsächliche Temperaturverteilung im Ofen herrscht. Von ganz besonders grossem Interesse war das Temperatur-Regelverhalten des betreffenden Keramikofens kurz vor Erreichen der endgültigen Aufbrenntemperatur (Soll-Temperatur). Es wurde vermutet, dass der Ofen beim Einregeln der voreingestellten Soll-Temperatur "überschwingt", d.h. die Soll-Temperatur wird kurzzeitig mehr oder minder stark überschritten und je nach Regelcharakteristik wird diese schneller oder auch langsamer eingeregelt, um dann eine Zeitlang gehalten zu werden. Dieser Vorgang kann als Temperaturplateau registriert werden. Zur Messung des Temperaturprofils und Feststellung der Regelcharakteristik der Brennöfen wurden Thermoelemente aus zwei unterschiedlichen Thermopaaren verwendet. Für die Messungen im unteren Temperaturbereich bis 750°C Dauerbelastung kamen Nickel/Chrom-Nickel- ("K-Typ") und im oberen Temperaturbereich bis 1300°C Platin/Rhodium-Platin-Thermoelemente ("S-Typ") zum Einsatz. Zur Registrierung der Thermospannung stand ein digitaler Datenlogger der Firma Datapaq, und unabhängig davon ein analoger Zweikanal-Flachbettschreiber sowie ein digitales Millivoltmeter zur Verfügung. Die zur jeweiligen Thermospannung ( in mV ) korrespondierenden Temperaturwerte (in °C) konnten einem Tabellenwerk entnommen werden. Als Temperaturbezugspunkt ("Temperaturvergleichstelle") wurde für beide Messsysteme schmelzendes Eis in Wasser in einem Dewargefäss als konstante 0°C Referenztemperatur gewählt. Der Datenlogger enthält intern eine Temperaturreferenz. Die Mikrothermoelemente wurden durch das jeweilige Ofenverschlusssystem vakuumdicht durch die Aluminiumoxidschaumsockel geführt. Es wurden sämtliche Öfen in gleicher Weise und in gleicher Anordnung der Thermofühler gemessen. In Vorversuchen wurde eine Kalibrierung der verwendeten Thermoelemente vorgenommen. Hierbei wurde der Schmelzpunkt von Natriumchlorid p.A. (800°C bei Atmosphärendruck) herangezogen. Diese Temperatur entspricht nahezu derjenigen, die von den Herstellern als Aufbrenntemperatur für die Titan-Keramik empfohlen wird. Zusätzlich diente der Schmelzpunkt von Reinsilber bei 960,5°C als weitere Temperaturreferenz. Mit Hilfe der beiden Schmelzpunktbestimmungen konnten die Messgenauigkeit der Thermofühler, deren Linearität sowie mögliche Mess- und Registrierfehler im mittleren und höheren Temperaturbereich festgestellt werden. Bei der Kalibrierung wurden die bekannten Schmelztemperaturen der beiden Reinststoffe mit derjenigen Temperatur verglichen, bei der das Natriumchlorid bzw. das Silber gerade im Ofen zu schmelzen begannen. Die Diskrepanz zwischen bekannter Schmelztemperatur und gemessener Schmelztemperatur ergab beim Natriumchlorid unter Verwendung der Ni/CrNi-Elemente eine um 7,5°C und beim Reinsilber für die Pt/rh/Pt-Elemente eine um 2,5°C zu hohe Temperaturanzeige. Das bedeutet, dass die folgenden Temperaturmesswerte um diesen Wert verringert werden müssen. Hinsichtlich der Titankeramik-Problematik ist nicht nur die Kenntnis des Temperaturgradienten im Ofen von ausschlaggebender Bedeutung, sondern auch die Kenntnis der Temperaturdifferenz zwischen voreingestellter Soll-Temperatur und der tatsächlich im Ofeninnenraum erreichten Ist-Temperatur. Zu diesem Zweck wurden sechs programmgesteuerte Aufbrennprozesse für jeden Ofen bei 660°C simuliert. Aus messtechnischen Gründen war es nicht möglich bei höheren Temperaturen als 660°C zu messen. Wegen der Linearität der Temperaturverläufe ist aber eine Interpolation zu höheren Temperaturen ohne weiteres möglich. Die Temperaturwerte wurden digital und analog aufgezeichnet. Zunächst konnte bei zwei der untersuchten Öfen das vermutete "Überschwingen" beim Aufheizen bestätigt werden. Die Temperaturüberschreitung lag zwischen 56,0°C und 97,5°C bezogen auf die 660°C. Die Zeitdauer bis zum Erreichen des Temperaturplateaus lag zwischen 75 und 100 Sekunden. Interessanterweise zeigten die "überschwingenden" Öfen eine sehr ähnlich verlaufende Regelcharakteristik. Der dritte Ofen erreichte das Temperaturplateau ohne Temperaturüberschreitung. Ausserdem stellte sich heraus, dass das registrierte Temperaturplateau nicht identisch ist mit der vorprogrammierten Soll-Temperatur von 660°C, sondern bei einem Ofen wird das 660°C-Plateau um durchschnittlich 67,0°C, beim zweiten um 11,7°C überschritten und beim dritten um 14,8°C unterschritten. Das heisst, in keinem Fall ist die vorprogrammierte Temperatur von 660°C erreicht worden. Werden des weiteren die vorherrschenden Temperaturen an den verschiedenen Positionen im Ofeninnenraum untereinander verglichen, dann kann festgestellt werden, dass die beiden diametral in der Nähe der Heizwendel liegenden Thermoelemente, die 3 und 4 cm aus dem Brennsockel ragen, eine nur geringe Temperaturdifferenz von wenigen °C anzeigen. Im Gegensatz dazu beträgt die Temperaturdifferenz der beiden mittig liegen Thermoelemente 10°C bei einer Höhendifferenz von 2 cm. Hieraus ist ersichtlich, dass der Temperaturgradient der Öfen in horizontaler Richtung homogen, in vertikaler Richtung dagegen inhomogen ist. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass bei der Verblendung von Titangerüsten eine Ursache für die beobachteten Misserfolge sicherlich in der unzureichenden Temperaturverteilung in den Keramiköfen zu suchen ist. Denn durch das beobachtete "Überschwingen" der Brennöfen und das Überschreiten der vorprogrammierten Soll-Temperatur wird die "Kritische Temperatur" von 822°C "überfahren". In jedem Fall ist die Regelcharakteristik für alle untersuchten Öfen verbesserungswürdig. Weiter zu den Referaten vom Freitag Vormittag |